Breitensport
Wieso auf dem Rheinland-Pfalz-Tag doch keine Bobbahn ist
Auf dem Gelände der Schubertschule flitzen Menschen in Rollstühlen hin und her, dribbeln dabei einen Basketball. Immer wieder mal passiert es, dass einer von ihnen beim zu motivierten Werfen auf den Korb gegen die mobile Korbanlage kracht. „Wir sind noch nicht so geschickt“, gesteht Dagmar aus Neustadt lachend. Auf dem Rheinland-Pfalz-Tag in Neustadt stellt der Behinderten- und Rehabilitationssportverband Rheinland-Pfalz Rollstühle, Basketbälle und eben die mobilen Körbe zur Verfügung. „Wir wollen zeigen, dass ein Rollstuhl was völlig Normales ist – wir wollen Berührungsängste abbauen“, sagt Andreas Ebertz aus Trier, Landestrainer in Rheinland-Pfalz. Sie hätten „beste Erfahrungen damit gemacht“, wenn Menschen die Fortbewegung in einem Rollstuhl einfach mal ausprobierten. „Die Leute werden offener gegenüber Menschen mit Behinderung.“
Schmutzige Finger
Rollstuhlbasketball mache Spaß, betont derweil Dagmar. „Nur die Finger werden schmutzig“, sagt sie und lacht erneut. „Vermutlich, weil wir statt an den Greifring an die Reifen greifen.“ Erik stellt fest, dass es „auf die Dauer für die Arme anstrengend ist“, müssen die Spieler doch mit den Händen und Armen die Rollstühle in Bewegung bringen. Und ohne Rollstuhl sei es leichter, „mal den Ball hinter sich zu fangen“. Dagmar weiß: „Wir haben noch Luft nach oben ...“
Andreas Ebertz ist es ebenso wichtig, Rollstuhlbasketball bekannter zu machen. „Wir haben 2025 Rollstuhlbasketball als Schwerpunktsportart ausgerufen“, sagt er. Bisher gebe es in Rheinland-Pfalz nur in Trier und in Bad Kreuznach Standorte für Rollstuhlbasketball. „Unsere Intention ist es, in den nächsten vier Jahren vier Standorte hochzuziehen“, betont der Landestrainer.
Tennis bis ins hohe Alter spielen
Mangel an Spielern gibt es im Tennisverband Pfalz nicht – in der Nähe der Rollstuhlbasketballer hat der Tennisverband Pfalz Kleinfeldanlagen aufgebaut. „Tennis ist die drittgrößte Sportart in Deutschland und wird es auch noch lange bleiben“, weiß Thomas Knieriemen, Geschäftsführer des Tennisverbandes Pfalz. Seit der Corona-Pandemie gingen die Mitgliederzahlen im Tennis nach oben.
„Das Schöne ist, Tennis kann man von drei, vier Jahren an bis ins hohe Seniorenalter spielen“, sagt Knieriemen. „Bei uns spielt ein 90-Jähriger dreimal pro Woche Tennis“, bestätigt ihn Jürgen Gassert, Sportwart des TC Rot-Weiß Neustadt. Wenn die Gelenke es mitmachten, sei Tennis eine gesunde Sportart, ergänzt Knieriemen. Wer Gelenkprobleme habe, müsse sich gelenkschonend auf dem Tennisplatz bewegen. Knieriemen: „Wie im Fußball, wo man dann Zweikämpfe und Sprints vermeidet, vermeidet man dann im Tennis Stoppbälle und Sprints.“
Fußball mal gelenkschonend
Apropos Fußball, apropos gelenkschonend: Der Südwestdeutsche Fußball-Verband (SWFV) hat einen Soccercourt aufgebaut, auf dem immer wieder Kinder und Jugendliche kicken. „Wenn Kinder kommen, dürfen sie spielen“, sagt Ingo Werle. Er gehört zum Lehrstab des SWFV. Der Grund, warum er und Ralph Höhn für den SWFV zum Rheinland-Pfalz-Taggekommen sind, ist jedoch ein anderer: Sie wollen Walking Football vorstellen.
„Die Leute tun sich noch schwer damit“, weiß Werle. Dabei sei es ein Gesundheitssport. Im Walking Football sei es nicht erlaubt zu rennen, zu grätschen oder zu rempeln. Der Ball dürfe nur flach gespielt werden. Spielen dürfe man ab 55 Jahren. Werle: „Aber ich würde niemals einen mit 40 ausschließen, wenn er zum Beispiel Hüftprobleme hat.“ Er und Höhn weisen auf eine weitere Besonderheit hin: Im Walking Football könnten Männer und Frauen in einer Mannschaft spielen. „Wir möchten gerne die Menschen von der Couch holen“, erklärt Höhn das Ziel, das der SWFV auch am Montag ab 18.30 Uhr in Alzey verfolgt. Dort gibt es eine Fortbildung und ein Mitmachangebot zu Walking Football.
Ohne Bobbahn
Das Mitmachen hätte der Landessportbund (LSB) Rheinland-Pfalz den Besuchern ebenfalls gerne auf dem Rheinland-Pfalz-Tag auf der angekündigten mobilen Bobbahn ermöglicht. Doch die 60 Meter lange Bahn ist nicht aufgebaut worden. „Wir mussten dies krankheitsbedingt absagen“, teilt Dominik Sonndag, Kommunikationsleiter im LSB, mit. Der Leiter des Kufensportstützpunkts in Hachenburg habe zwar seine Helfer zusammengehabt, um in Hachenburg die Bahn für den Transport nach Neustadt fertig zu machen. Doch sei einer nach dem anderen krank geworden.
„Der Stützpunktleiter und die frühere Bobpilotin Sandra Kiriasis wollten das mit ihnen hier wuppen“, erzählt Sonndag. Dann allerdings habe die Olympiasiegerin von 2006 und siebenfache Weltmeisterin aus familiären Gründen ebenfalls kurzfristig absagen müssen. „Wir hatten einige Leute hier, die nach der Bobbahn gefragt haben“, sagt Sonndag.
Vielleicht hätte die Bobbahn dem Sportareal auf dem Rheinland-Pfalz-Tag mehr Zulauf beschert. „Es ist ein schönes Gelände hier“, sagt Thomas Knieriemen zum Grünzug an der Wallgasse. „Aber im Zentrum ist deutlich mehr los. Hier kommen nur die Leute hin, die gezielt nach Sportangeboten schauen.“ Nur, wer in der Nähe parke, „kommt hier vorbei“, stimmt ihm Ralph Höhn zu.
Steine bewegen
Aber so mancher Besucher findet dann vielleicht auch im Zentrum Neustadts ein Bewegungsangebot. Mit Bewegungstafeln und Bewegungssteinen auf dem gesamten Festgelände „wollen wir animieren, sich zu bewegen“, sagt Elsa Meurer, Projektkoordinatorin für das Kompetenzzentrum „Land in Bewegung“. An einer Station am Grünzug Wallgasse liegen Steine, Stifte und Malvorlagen bereit. Wer mag, malt auf die Steine eine Bewegungsübung, zum Beispiel Liegestütze oder Standwaage und verteilt die Steine auf dem gesamten Festgelände. Zudem sind elf Tafeln mit Bewegungsangeboten angebracht und Teil einer Bewegungsrallye. Alexander Reinemann, Bewegungsmanager in Mainz, weiß, dass diese Aktion funktioniert. In Mainz im Wald habe er schon Leute gesehen, die eine Kniebeuge oder Rumpfrotation machten, nachdem sie einen Bewegungsstein entdeckt hätten. „Das ist ein Bewegungsangebot für Leute, die sonst nichts machen.“


