Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sich der Wald verändert: Neustadts Strategie für die nächsten zehn Jahre

Zum Thema Wald gehört auch dessen Bewirtschaftung. Unser Bild entstand vor ein paar Jahren am Bergstein. Hier gab es Fällungen,
Zum Thema Wald gehört auch dessen Bewirtschaftung. Unser Bild entstand vor ein paar Jahren am Bergstein. Hier gab es Fällungen, um Platz für Eichen zu schaffen und um Brennholz zu verkaufen zu können.

Neustadt ist der größte kommunale Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz. Die Stadt muss planen, wie sie den Wald pflegt und bewirtschaftet. Dafür liegen nun neue Richtlinien vor.

Forsteinrichtung 2026: Der Tagesordnungspunkt im Umweltausschuss verspricht nicht gerade knisternde Spannung. Und doch geht es um einen Teil von Neustadt, den viele als großen Pluspunkt der Stadt und als zentralen Bestandteil der hiesigen Lebensqualität sehen: den Stadtwald. Als Besitzer muss die Stadt alle paar Jahre auch eine Betriebsplanung für den Wald aufstellen, eben die Forsteinrichtung. Die letzte stammt aus dem Jahr 2010 und läuft nun aus. Daher soll die Forsteinrichtung 2026 ab 1. Oktober die neuen Richtlinien für die nächsten zehn Jahre definieren. Es geht also darum, festzulegen, wie der Wald bewirtschaftet werden soll und wie dessen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen gesichert werden können.

Die Neustadter Revierförster Klaus Burkhart und Jens Bramenkamp (der Dritte im Bunde, Tobias Drisch, war nicht im Ausschuss) machten deutlich, wie sehr der Wald an die aktuellen Bedingungen wegen des Klimawandels angepasst werden muss. Burkhart verwies dazu auf die Holzernte. 2018 habe es wegen großer Trockenheit etwa im Westerwald großflächige Fällungen gegeben. Die Folge: Es war viel Holz auf dem Markt, die Preise fielen. In Neustadt habe man sich entschieden, weniger Holz auf den Markt zu bringen, um nicht zu niedrigen Preisen vermarkten zu müssen. Inzwischen hätten sich die Preise erholt, „jetzt holen wir auf“, sagte Burkhart. Die Kiefern hätten sich gut entwickelt. Daraus könne man nun Kapital schlagen. Mit Blick auf diese zu erwartenden Einnahmen merkte Burkhart aber auch an: „Es ist wichtig, Geld im Wald zu reinvestieren, damit wir ihn weiterentwickeln können.“ Der Aufbau „klimastabiler Wälder bleibt ein großes Ziel“, ergänzte Bramenkamp. Man werde immer häufiger aktiv, um solche Baumsorten rund um Neustadt zu etablieren, die mit dem sich ändernden Klima klar kommen. Burkhart hatte ein Beispiel für diese Veränderungen parat: Die Buche leide, weil die Sommer inzwischen so trocken sind und die Winter ziemlich feucht; dagegen profitiere die Eiche von dieser Entwicklung.

Viele Schutzgebiete

Bramenkamp hob zudem die ökologische Bedeutung hervor und erläuterte das Thema Schutzgebiete, in denen nicht eingegriffen werde, um dort den Wald bei seiner Entwicklung sich selbst zu überlassen. Bekannt dafür ist in Neustadt die Kernzone Stabenberg in der Nähe von Königsbach. Bei der Weiterentwicklung dieser ökologischen Ziele habe man darauf geachtet, für die natürliche Entwicklung sehr wertvolle Flächen auszuwählen, die aber nicht einfach zu bewirtschaften seien oder wo es nur eine schlechte Holzqualität gebe. „Wichtig ist, dass alles im Verhältnis bleibt“, so Bramenkamp. Unverändert seien alle Waldfunktionen, also auch die Erholung für die Menschen, wichtig. Die neuen Flächen seien eher kleinteilig – also nicht mit dem Stabenberg vergleichbar. Insgesamt komme man am Ende aber auf einen Anteil von gut zehn Prozent der Waldfläche, die geschützt und sich überlassen wird. „Das schaffen nicht viele“, hob Bramenkamp hervor. Thomas Baldermann, Abteilungsleiter Landwirtschaft und Umwelt, sprach von einem Erfolg, „auf den wir stolz sind“.

Baldermann bezifferte die Neustadter Waldfläche auf rund 4600 Hektar. Er präsentierte verschiedene Grafiken zu einzelnen Waldgebieten (Ordenswald, Geinsheimer Wald, Hinterwald) und zeigte so die Entwicklung der Baumarten auf. Dabei war durchgehend eine Verschiebung hin zu mehr Laubbäumen erkennbar. Der Anteil der Buche im Vergleichszeitraum 2011/2026 nahm von 14 auf 27 Prozent zu, bei der Eiche ging es rauf von 5 auf 7 Prozent, bei den anderen Laubbäumen von 8 auf 11 Prozent. Bei der Kiefer hingegen gab einen Rückgang von 59 auf 41 Prozent. Zusammengefasst stellte sich die Entwicklung laut Baldermann so dar: Der Laubholzanteil stieg von 27 auf 45 Prozent, der des Nadelholzes sank von 63 auf 55 Prozent.

Jetzt Stadtrat am Zug

Eine Zahl sei angesichts des Klimawandels und der Schäden in vielen Wäldern wichtig, so Baldermann: In Neustadt habe man im gesamten Waldbereich nur eine freie Fläche von 3,9 Prozent. Dabei handele es sich überwiegend um Wege. „Wir haben aber keine kahlen Waldflächen“, so Baldermann. Trotzdem gebe es große Herausforderungen und klare Aufgaben. Bei jungen Bäumen (bis maximal 40 Jahre) gebe es ein Defizit. „Wir müssen also Holz einschlagen für Licht und um Platz für die Nachverjüngung zu bekommen“, erläuterte Baldermann. Als zertifizierter Wald sei die nachhaltige Entwicklung sehr wichtig. Dies erfülle man, was sich auch an der wirtschaftlichen Planung zeige: Den Holzvorrat beziffert der Bericht auf 1,16 Millionen Einheitsfestmeter und geht von einem Zuwachs von 26.000 Festmetern pro Jahr aus. Beim jährlichen Holzeinschlag kalkuliere man mit 17.500 Festmetern.

Waltraud Blarr (Grüne) lobte die in Neustadt angestoßene Umstellung von Nadel- auf Laubbäume. Dass sich hier schon einiges getan habe, zeige, „dass unsere Förster gut arbeiten“. Endgültig über die Forsteinrichtung entscheiden wird der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstagabend. Dann wird der entsprechende Bericht noch einmal vorgestellt und kann diskutiert werden. Nach der einstimmigen Empfehlung aus dem Umweltausschuss dürfte die Zustimmung dort dann aber Formsache sein.

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