Neustadt
Wie sich das Hetzelstift auf Notfälle vorbereitet
Jetzt muss es schnell gehen. Fast zeitgleich werden an diesem Vormittag zwei Notfälle ins Neustadter Marienhaus Klinikum Hetzelstift eingeliefert: einmal eine Oberschenkelhalsfraktur und ein Schädel-Hirn-Trauma. Routiniert werden zwei Räume vorbereitet. Die entsprechenden Teams mit Hetzelstift-Fachpersonal finden sich ein, um Rettungsdienst sowie Patienten in Empfang zu nehmen. Mit dem Rettungsdienst erfolgt die Übergabe, danach beginnt die Behandlung. Das alles passiert in Windeseile. Auf den Klinikfluren laufen die Mitarbeiter hin und her – zügig, aber ganz ohne Hektik werden die Behandlungsräume betreten, um sich um die Patienten kümmern zu können.
Zwischen 70 und 80 Patienten werden täglich in der Zentralen Notaufnahme betreut. Nicht alle bleiben und werden stationär aufgenommen. Aber das Team um die Leiterin der Notaufnahme, Carla Bernius, sowie Florian Glaser, Pflegeleitung, muss sich mit jeder Person zumindest beschäftigen, um abschätzen zu können, ob es tatsächlich ein Fall fürs Krankenhaus oder doch eher für einen niedergelassenen Arzt ist. Und Notfälle gibt es auch täglich. Sie kommen in den Schockraum. Das ist ein speziell ausgestatteter Behandlungsraum für Schwerverletzte oder Patienten in kritischem Zustand.
Förderverein unterstützt
Wenn so jemand kommt, muss bei der Behandlung alles funktionieren. „Und das muss man trainieren, auch das Zusammenspiel im Team“, erklärt Krankenhausoberin Birgit Käser. Daher sei die Klinikleitung dem Krankenhausförderverein um den Vorsitzenden Markus Müller-Neumann sowie Schatzmeister Bernhard Lackner dankbar. Denn der Förderverein hat sich bei der VR Bank Mittelhaardt um eine Spende beworben und fand sich tatsächlich im Kreis von 26 Preisträgern wieder. 1000 Euro flossen somit ans Hetzelstift, um das Notfall-Training zu verbessern. Informationen zur Arbeit des Fördervereins und wie man sich dort einbringen kann gibt es per Mail an foerderverein@krankenhaus-hetzelstift.de.
Aber was genau bedeutet diese Verbesserung? Die zwei ankommenden Notfälle veranschaulichen, wie wichtig die Routine in kritischen Momenten ist. Stefan Langer, Mitglied des VR-Bank-Vorstands, hört sich alles genau an. Ihn beschäftigt vor allem eines: dass ein Krankenhaus überhaupt auf eine im Vergleich so geringe Spende wie jene 1000 Euro aus dem VR-Bank-Topf angewiesen ist, um seine Arbeit optimieren zu können. „Ich hätte gedacht, dass ein Krankenhaus Geld für solch notwendige Anschaffungen hat“, so Langer.
Käser erläutert ihm, dass alle Klinik und somit auch das Hetzelstift unter einer Unterfinanzierung litten. Man müsse sich daher jedes Jahr gut überlegen, „was machbar ist und dann Prioritätenlisten erstellen“. Daher sei man am Hetzelstift sehr froh, wenn das Haus über den Förderverein Geld bekommt, um „Zusätzliches finanzieren zu können, was ansonsten nicht geklappt hat“.
Monitor und viele Kabel
Im konkreten Fall ist das Zusätzliche eine Box, die an einen Koffer erinnert. Sie ist mit einem Monitor und vielen Kabeln ausgestattet. Das Gerät erlaube ganz moderne Trainingseinheiten im Notfallbereich, erklärt Carla Bernius, die die Notaufnahme seit 2019 leitet. Man könne die Arbeit dort nur über Training verbessern, sagt sie. Daher seien alle glücklich mit der Neuanschaffung. Natürlich habe man auch vorher schon intensiv geübt. Dann habe man eine mögliche Situation ausgearbeitet und diese mit dem medizinischen Personal durchgespielt und geschaut, ob jeder seine Aufgaben erledigt und das Zusammenspiel zwischen den einzelnen funktioniert hat.
„Aber nun können wir praxisnah simulieren“, bringen Bernius und Glaser die Verbesserung auf den Punkt. Denn der Simulator könne mit Daten zum Herzkreislaufsystem und zum Blut gefüttert werden Außerdem könne man unterschiedliche Fälle vorgeben: etwa einen Herzinfarkt oder einen Unfall. Die Teams erhielten ihre Aufgabe erst kurz vor der Behandlung – wie im richtigen Alltag auch. Der Simulator zeichne die Daten der Behandlung auf. Im Anschluss könne man ablesen, ob alles richtig und gut gemacht wurde oder wo es geklemmt hat. „Übung macht den Meister. Und an Patienten können wir ja nicht üben“, betont Glaser.
Probleme mit Gewalt
Käser beschreibt die Herausforderung in einer Notaufnahme so: „Wenn es schnell gehen muss, mach’ langsam.“ Soll heißen: Hektik ist fehl am Platz. Wer Notfälle behandele, müsse über seine Handgriffe Bescheid wissen und diese in Ruhe und überlegt anwenden. „Aber das geht nur, wenn man die Abläufe immer und immer wieder übt – auch im Team“, erklärt die Oberin.
Zumal im Alltag der Notaufnahme Emotionen und Gewalt ebenso ein großes Thema sind, mit dem das Personal umgehen müsse und die das Arbeiten herausfordernd machen. Glaser ist Deeskalationsmanager und hat dafür eine Zusatzausbildung absolviert. Gründe für zu starke Emotionen könnten Sorgen um Angehörige oder Angst vor einer Diagnose sein. „Aber eben auch Wutausbrüche wegen des Konsums von Alkohol und Drogen“, sagt Bernius. Zu bestimmten Zeiten sei daher ein Sicherheitsdienst im Krankenhaus. „Wir müssen aber auch für uns wissen, wie wir reagieren müssen, damit sich etwas nicht weiter hochschaukelt“, so Bernius.