Neustadt
Wie Geschäftsleute den Rheinland-Pfalz-Tag bewerten
In der Friedrichstraße ist am Samstagmittag schon reichlich Betrieb. Viele Besucher des Rheinland-Pfalz-Tages nutzen die Fußgängerzonen mit den Geschäften als Verbindung zu den ausgewiesenen Attraktionen und Infoständen. Aber werden auch die Läden besucht und die Dienstleistungen genutzt? „Wir haben sehr viel mehr zu tun als gedacht“, sagt Stephanie Fickert von Bloom’s Friseur. Mehr als die Hälfte der Friseurstühle sind belegt. „Einige unserer Stammkunden haben ihre Termine verlegt. Andere sind mit Bus oder Bahn gekommen. Der Umsatz ist nicht verloren, sondern verschoben“, sagt sie.
Fickert freut sich über den Rheinland-Pfalz-Tag, an dem sich Neustadt präsentieren könne, und bekräftigt: „Es ist einfach nur schön.“ Im Laden für Handarbeitsbedarf „Fräulein Frank“ war es die ganze Woche viel ruhiger als gewöhnlich. Dominika Frank rechnet nicht mit einem zusätzlichen Umsatz, glaubt aber auch nicht an einen Verlust, weil ihre Kunden den Einkauf verschieben werden. Ihr Fazit zum Rheinland-Pfalz-Tag: „Es ist etwas sehr Gutes für Neustadt.“
Weingüter in den Läden
Ute Klein von „Utes Wäschemode“ hat am Freitag schon früher geschlossen und weiß nicht, wann sie am Samstag die Türe schließt. Es sei schon die gesamte Woche sehr ruhig, am Donnerstag sogar totenstill in ihrem Laden gewesen. So sei es auch im Schuhgeschäft „Tamaris“ gewesen, bestätigt die Angestellte Birgit Spies. „Die Leute kommen rein, schauen sich um und gehen wieder. Niemand hat Lust, mit Tüten übers Fest zu laufen“, berichtet sie.
Maike Mutschler von der „Schütt Parfümerie“ hat sich für den Samstag sehr viel Mühe gegeben. Sie nimmt teil an der Kooperation von Winzern und Handel, um den Festbesuchern einen weiteren Grund für einen Besuch zu geben. In ihrer Parfümerie können Weine des Weinguts Ohler verkostet werden. Sie hat diese auf ihre Aromen getestet, dazu passende Parfüms ausgewählt, Papierbändchen beduftet und in Gläser gefüllt. „Ich möchte nicht den ganzen Laden in eine Parfümwolke tauchen, damit man die Weine noch schmecken kann. Wer interessiert ist, bekommt ein besprühtes Papierbändchen ums Handgelenk“, erklärt sie. Außerdem hat sie eine Verlosungsaktion organisiert. Gegen Mittag ist in der Parfümerie noch wenig los. Doch das wird sich im Laufe des Tages noch gewaltig verändern.
„Wir bleiben positiv“
Bei Leder Horn und in der Pfalzleine wird ebenfalls Wein ausgeschenkt. Doch das Interesse ist in den Mittagsstunden noch sehr verhalten. „Wir bleiben positiv, denn die Veranstaltung ist gut für die Stadt. Kein Grund, sich aufzuregen“, sagen die Angestellten bei Leder Horn. Natalie Zeter vom Weingut Leonhard Zeter, die in der Pfalzleine ihre Weine zur Verkostung anbietet, nutzt die Gelegenheit, sich den Gästen persönlich vorstellen zu können. Bei allgemein sinkendem Weinkonsum sei es wichtig, persönliche Begegnungen zu ermöglichen, sagt sie. Während es in der Modeboutique La Laine sehr ruhig zugeht und auch die vergangene Woche kaum Umsätze ermöglichte, ist die Grundstimmung zum Rheinland-Pfalz-Tag trotzdem gut. „Das andauernde Klagen über die Sperrung der Innenstadt hat die Kunden abgeschreckt“, glaubt Sylvie Breidenbach.
Ralf Hellriegel von „Hellriegel Textiles Wohnen“ sieht die Großveranstaltung gelassen. „Ja, es war die ganze Woche ruhig, aber meine Kunden kommen eben nächste Woche.“ In seinen Räumen werden Weine von Müller-Catoir zum Probieren angeboten. Das Geschäft „Schubkärchler“ in der Hintergasse bietet Pfalzartikel. „Wir haben weit mehr zu tun als an einem gewöhnlichen Samstag“, bestätigt Inhaber Paul Bernsdorf.
Respekt und Kritik
Jochen Stahler, der in der Friedrichstraße mehrere Modegeschäfte betreibt, will zunächst seinen „Riesenrespekt“ ausdrücken: „Ich finde toll, was Stadt und Land hier auf die Beine stellen.“ Es folgt ein Aber: Das Nachsehen hätten die Händler in der Innenstadt. Stahler berichtet, er sei im Vorfeld mit der Staatskanzlei in Kontakt gewesen. Er habe aber nicht auf dem Schirm gehabt, wie tiefgreifend die Einschränkungen durch die Sicherheitsvorkehrungen seien. Ihm missfiel auch, dass der Eingang zur Hetzelgalerie durch große Zelte blockiert wurde.
Bewusst provokant formuliert der Geschäftsmann: „Wir Händler sind unfreiwillig zu den Hauptsponsoren des Festes geworden – durch den Umsatzverlust.“ Er habe in den Tagen nur die Hälfte des normalen Umsatzes gemacht. Dabei habe er aktuell eine Aktion zu „30 Jahren Jacob“, die normalerweise für höhere Umsätze gesorgt hätte. Aber da sehe man mal, was passiere, wenn die Leute nicht mit dem Auto in die Innenstadt könnten, mahnt Stahler.


