Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein irrer Zufall der Trachtengruppe eine Tradition rettete

Rudi Müller erhält von Simone Schwarz einen Römer, der eine besondere Geschichte hat.
Rudi Müller erhält von Simone Schwarz einen Römer, der eine besondere Geschichte hat.

Der Trachtengruppe Neustadt ging nach Jahrzehnten ihr Schmuckstück, ihr Römerkelch, kaputt. Dass sie nun doch wieder einen hat, dahinter steckt eine besondere Geschichte.

Wenn die Trachtengruppe Neustadt ihre Heimatstadt repräsentiert, etwa bei Umzügen, dann darf eine Sache nicht fehlen: der Römer mit dem Neustadt-Wappen. Gemeint ist das Trinkgefäß mit dem kugelförmigen Kelch und dem gerippten Fuß. Der Römer war natürlich auch dabei, als sich die Trachtengruppe Mitte September auf den Weg nach Mecklenburg-Vorpommern machte. Dort richtete Neustadt-Glewe das Neustadt-Treffen aus, also das Treffen der europäischen Städte, die Neustadt heißen. Gemeinsam mit dem Verein Feucht-Fröhliche Neustadter gestaltete die Trachtengruppe dort den Festabend und den Umzug mit. Allerdings ohne Römer. Denn wie Rudi Müller von der Trachtengruppe erzählt, mussten sie beim Ausladen aus dem Bus feststellen, dass der Fuß des Gefäßes zerbrochen war. „Mehr als 50 Jahre hat der Römer gehalten“, sagt er. Der Vorgänger sei übrigens auch bei einer Busfahrt kaputt gegangen. Vorzeigen konnten die Neustadter den Römer im Norden also nicht. Doch damit ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende.

Eine unerwartete E-Mail

Denn auf der Rückfahrt an die Weinstraße ergriff Müller im Bus das Mikrofon, berichtete von dem Missgeschick und bat darum, sich umzuhören, ob jemand solche Gläser reparieren kann. In dem Bus saß auch Martin Franck, der Geschäftsführer der Tourist, Kongreß und Saalbau (TKS) GmbH, der kurze Zeit später für ein Happy End sorgen würde, was er zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wusste. Denn bei einer TKS-Besprechung ein paar Tage später berichtete ein Mitarbeiter von einer E-Mail, die die TKS erreicht hatte. Eine Familie aus Neckarsulm hatte einen Haushalt aufgelöst und war dabei auch auf eine ganze Reihe Römer gestoßen, einer davon mit Neustadter Wappen. Und die Württemberger fragten nach, ob Neustadt daran Interesse habe. Das konnte Franck nur bejahen, er kannte ja breits die passenden Abnehmer dafür. Für 40 Euro kaufte die TKS den makellosen Kelch für die Trachtengruppe, „die uns seit Jahren mit ihren Darbietungen und Umzugsteilnahmen bei den Neustadt-Treffen unterstützt“, wie der TKS-Geschäftsführer betont.

Letzte Woche war es dann so weit: Simone Schwarz, die Abteilungsleiterin Tourist-Information, übergab den Römer an Rudi Müller, der sichtlich glücklich war. Kurz davor war der Kelch per Post angekommen. „Rechtzeitig vorm Winzerfestumzug“, weist Müller darauf hin, wann das gute Stück erstmals öffentlich präsentiert wird.

x