Pfalz
Wie die Weinbranche kämpft, und wie ein Nebensatz die Freude trüben kann
Die Weinbranche hat zu kämpfen, und sie kämpft. Überall wird an neuen Formaten getüftelt, um die Kunden besser zu erreichen. Sie gesellen sich zu schon länger bestehenden Veranstaltungen hinzu, von denen es gerade hier in der Region etliche prominente gibt. Da wäre der Weingipfel zu nennen, den das Weingut Schreieck in Maikammer am vergangenen Samstag zum dritten Mal auf die Beine gestellt hat. Eine Präsentation von 75 Weinen aus sechs Weinanbaugebieten. Ganz Rheinland-Pfalz zu Gast in Maikammer, das ist schon etwas. Rund 700 Gäste waren im Weingut in der Hartmannstraße.
Ein paar Nummern kleiner, aber ausgesprochen hochwertig ist die Lagenkostbar, bei der die Forster Winzer ihre Weine vorstellen. Die Präsentation hat eine lange Geschichte, sie existiert seit fast 30 Jahren. Immer wieder mit neuen Akzenten, dieses Mal zum Beispiel mit einer „Big Bottle Afterhours“, einer Probe aus Großflaschen. Start der Veranstaltung war am Freitag, am Samstag läuft die Weinverkostung bis 19 Uhr.
Vielzahl von Auszeichnungen
Was ebenfalls für Aufmerksamkeit bei den Kunden sorgt, sind Ehrungen und Auszeichnungen – auch wenn man angesichts der Vielzahl der Prämierungen manchmal den Überblick verlieren kann. Mundus Vini, International Wine Challenge, Goldene Kammerpreismünze – es gibt wirklich ziemlich viele. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter zeichnet außerdem „Weinkonzepte“ aus – dabei geht es um die Frage, welcher Sommelier beziehungsweise welche Sommelière die beste Weinkarte bietet. Wenn ein solcher/eine solche nicht in Frankfurt oder München, sondern in der Weinregion selbst zu Hause ist, ist das natürlich auch eine schöne Werbung.
Bei den „ausgezeichneten Weinkonzepten“ 2026 ist die Pfalz tatsächlich vertreten, und zwar durch den Sommelier eines Restaurants in Deidesheim: Stephan Nitzsche, Sommelier im Restaurant L.A. Jordan. Der, so die Juroren, eine Weinauswahl aufgebaut habe, die „Daniel Schimkowitschs Sterne-Küche absolut ebenbürtig ist“. Das „ganze Weinland Deutschland“ sei dort „standesgemäß“ abgebildet. Vom Glanz der beiden profitiere das ganze Städtchen, heißt es sinngemäß weiter. Kein deutscher Weinort stehe so für „Weintourismus in seiner hochwertigsten Form“ wie Deidesheim. Sapperlot, das geht runter wie Öl.
Nur ein kleiner Einschub irritiert ein wenig. Da heißt es, ebenfalls in Bezug auf den Weintourismus in Deidesheim, er sei „vielleicht zuweilen etwas posh und protzig“. Also ein bisschen vornehm-elegant und protzig. Was damit gemeint ist, geht aus der Mitteilung des VDP nicht hervor.
Dann ignorieren wir es einfach.