Neustadt
Wie auf der Froschkerwe ein Spießbraten zum „Döner“ wurde
Michael Stalter und Wolfgang Sauter können sich noch daran erinnern, dass die Froschkerwe früher Froschschenkelkerwe hieß. Den ungewöhnlichen Namen verdankt sie der französischen Vergangenheit des Ortes und der einst umfangreichen Froschpopulation. Sie seien einst auch im kulinarischen Angebot des Festes gewesen, die Froschschenkel, sagt Stalter. Er selbst habe sie aber nicht probiert: „Damals hatte ich das Geld dafür nicht.“ Sein Freund Wolfgang Sauter wiederum hat sie schon mal gegessen, wenn auch nicht bei der Kerwe: „Schmeckt ein bisschen wie Hühnchen, ist nur viel teurer“, meint der 60-Jährige.
Die Namensänderung hat nichts daran geändert, dass die Kerwe für die beiden eine große Bedeutung hat. Stalter erinnert sich, dass in seiner Kindheit die Schiffschaukel praktisch bei ihm auf dem Hof stand – er wohnte damals im alten Schulhaus. In der Nähe sei ein Spielzeugstand gewesen, dann der Imbiss von Hirtz, ein Schießstand und die Reitschul, also ein Karussell. Er habe damals ein bisschen Kerwegeld bekommen, das habe er dann aber weniger in die Fahrgeschäfte als in Wundertüten investiert: „Da waren Tarzan-Heftchen und so Sachen drin.“
Eine frühe Flatrate für Kinder
Sauter weiß noch, dass es damals schon eine Art Flatrate für Kinder gegeben habe. Habe man die zu Beginn bezahlt, habe man, so oft man wollte, während der fünf Festtage auf die Schiffschaukel und die Reitschul gedurft. Man habe dafür einen Stempel auf die Hand bekommen. Mit dem Händewaschen war man in der Zeit entsprechend zurückhaltend, bestätigt er lachend. Sauters Favorit war die Schiffschaukel. Stalter meint, dort habe es heikel werden können, wenn Ältere drauf waren. „Nicht das Alter, die Technik war entscheidend“, erwidert Sauter schmunzelnd. Aber es gab ja auch die Schiffschaukelbremser, wenn es zu doll getrieben wurde.
Stalter erzählt, dass seine Mutter mit den „Singenden Hausfrauen“ auf der Kerwe aufgetreten sei. Er hat auch noch alte Fotos. Und auch er sowie Sauter engagierten sich über viele Jahre. Ab den 1980ern hätten sie mit dem Club Foyer einen Hof bespielt. Das waren Freizeitkicker, die einst von Franzosen gegründet wurden, daher der Name. Die Mütter der Spieler hätten für deren Essensangebot in Handarbeit riesige Schüsseln Grumbeersalat zubereitet, der enorm beliebt gewesen sei. Die Spieler sorgten für Gebratenes und die Getränke.
Staunen über Gäste aus Dortmund
Stalter erzählt, wie er einst gerade dabei war, einen Spießbraten überm Feuer zu drehen, als er von vier Dortmundern angesprochen worden sei, die wissen wollten , was das sei. Sie zeigten sich nach der Erklärung angetan und wollten den Spießbraten, den ganzen Spießbraten. „Ich habe ihnen dann einen guten Preis gemacht und auch noch Grumbeersalat und Pommes dazugegeben.“ Den Spieß steckte er senkrecht in ein Fass und gab den Gästen Messer. „Die haben das Fleisch dann wie von einem Dönerspieß runtergeschnitten.“
Gut in Erinnerung sind ihm auch die Australier, die im Holiday Park die Wasserski-Show bestritten hätten. Die seien regelmäßig Besucher der Speyerdorfer Kerwe gewesen. „Die haben nur unseren Wein nicht so gut vertragen.“
Weniger gern erinnert er sich an ungeduldige Gäste, die trotz vollem Hof kein bisschen warten wollten. Und anstrengend sei es auch gewesen. „Wenn ich freitags und samstags Dienst hatte, musste ich mich sonntags hinlegen.“ Spaß habe es trotzdem gemacht – und die Freizeitkicker nahmen Geld etwa für Ausflüge ein. Doch irgendwann hätten die Leute dafür gefehlt. 2015 oder 2016 seien sie das letzte Mal dabei gewesen, sagt Sauter. Stalter schaut ihn überrascht an: „Ist das schon so lange her?“ Er werde von einstigen Gästen immer noch darauf angesprochen, ob sie nicht doch wieder einen Hof aufmachen wollten.
Früher Tanzsaal hoch im Kurs
Der Zulauf zum Fest sei heute so hoch wie früher, sagen die beiden. „Früher hat es häufiger gerumpelt“, meint Sauter. Stalter nickt, ergänzt aber, dass das nie brutal gewesen sei. Die Jugend habe eben Grenzen getestet, danach habe man aber zusammen wieder getrunken.
Sauter berichtet, dass die Kerwe vor seiner Zeit einen etwas anderen Charakter gehabt haben müsse. Sein Vater habe ihm erzählt, dass man da nur zum Mittagessen hingegangen sei und sich dann später im Tanzsaal getroffen habe.
Die beiden freuen sich wieder auf das Fest in diesem Jahr. Sauter sagt, es sei „das Highlight des Jahres“ im Ort. Stalter gefällt, dass er dort immer Leute trifft, die er schon länger nicht mehr gesehen hat. Im vergangenen Jahr habe er die Froschkerwe das erste Mal verpasst, weil er in Thailand gewesen sei. „Das war es aber zu heiß.“ In diesem Jahr ist er wieder dabei.