Hintergrund
Wer putzt heute noch ehrenamtlich Sporthallen, Umkleiden und Toiletten?
Bernd Fahrnbach schiebt die monoton brummende Putzmaschine durch die Reblandhalle. Wie mit einem Mäher auf einem Fußballrasen ist der Rentner des TV Kirrweiler mit der Maschine auf und ab unterwegs und so dem Dreck auf der Spur. Da die Handballer des TVK ja mit Harz an den Händen spielten, sei das Reinigen oft aufwendiger, betont die Vereinsvorsitzende Meike Anton. Fahrnbach erledige seit Kurzem das Reinigen gegen Bezahlung. Anton: „Er schreibt seine Stunden auf.“ Die Vereinsvorsitzende ist zufrieden: „Es läuft gut.“
Das war nicht immer so in Kirrweiler. Sie hätten vorher vieles ausprobiert, hätten auch eine Putzfirma und Leute auf Minijob-Basis beauftragt. „Es war nie so, dass wir zufrieden waren“, sagt Anton. Duschen, Umkleiden und Toiletten müssten regelmäßig gereinigt werden. „Das kann man heute keinem mehr zumuten“, weiß die Vorsitzende aus eigener Erfahrung. Denn nachdem die Zusammenarbeit mit der Putzfirma beendet gewesen sei, habe sie sich selbst sechs Wochen lang um Umkleiden und Toiletten gekümmert. „Zweimal pro Woche jeweils zwei Stunden lang.“
Junge Menschen haben keine Zeit
„Man findet niemanden mehr“, sagt auch Sabine Priemer, Vorsitzende des TV Mußbach. „Die Leute, die die Aufgaben zuvor übernommen haben, sind zu alt und können es nicht mehr machen.“ Und junge Menschen hätten keine Zeit. Priemer: „Aber dafür gibt es ja Firmen.“ Seit 2022 putzt eine Firma die vereinseigene Halle plus Toiletten, Duschen und Umkleiden, „alles, was für den Sportbetrieb wichtig ist“. Abgerechnet werde nach Aufwand.
Reinigungsfirma in Mußbach
Im Gegensatz zu den Kirrweilerern machen die Mußbacher gute Erfahrung mit der Reinigungsfirma. „Nach unserer Dachsanierung hat sie auch die Grundreinigung der Halle übernommen – die Mitarbeiter sind auf Leitern bis unter die Hallendecke geklettert“, um auch oben Balken vom Staub zu befreien. Im Herbst habe die Firma zudem die großen Fenster im Bistro geputzt. Das vereinseigene Bistro werde ansonsten nach wie vor ehrenamtlich von einem Vereinsmitglied gesäubert. „Die Firma kommt zweimal pro Woche für regulär eine Stunde“, beschreibt Priemer den Aufwand. „Und bei Sonderaufgaben klappt das meist relativ kurzfristig.“
Reinigung gegen Bezahlung
Die beiden Vereine mit eigener Halle sind bei Weitem nicht die einzigen, die für die Pflege ihrer Gebäude gegen Bezahlung auf Fremdfirmen zurückgreifen. „Nirgendwo anders engagieren sich so viele Menschen in ihrer Freizeit wie im Sport“, informierte zwar der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im September. Über acht Millionen Menschen engagierten sich freiwillig oder ehrenamtlich in den rund 86.000 deutschen Sportvereinen mit mehr als 28 Millionen Mitgliedern. Der DOSB nennt dies einen Spitzenwert „zumindest im Vergleich zu Bereichen wie Kultur und Musik“. Doch seien die Zahlen im Sport schon jetzt zu wenig: „Und sie sinken.“ Während sich 2014 noch 14,9 Prozent der Über-14-Jährigen im Sport engagiert hätten, sei dieser Anteil bis 2019 auf 13,5 Prozent zurückgegangen. „In absoluten Zahlen bedeutet das einen Verlust von rund einer Million Engagierten innerhalb von fünf Jahren“, betont der DOSB und spricht damit auch die Suche nach Freiwilligen an, die bereit sind, im Verein eine Funktion zu übernehmen: im Vorstand oder als Übungsleiter.
Der TC Haßloch hat ebenfalls eine Putzfrau engagiert, „die kommt morgens und wischt Umkleiden, Duschen, Flure und Küche“, erzählt der Vereinsvorsitzende Jörg Ebenrecht. „Und manchmal auch im Sommer die Terrasse.“ Die Putzfrau sei sehr zuverlässig und erledige die Arbeiten schon seit sieben, acht Jahren. Ebenrecht: „Sie hat einen festen Arbeitsvertrag.“
Arbeitsdienste im Tennisclub
Im Tennisclub müssen jedoch die Mitglieder auch selbst ran. „Pro Jahr muss jedes erwachsene Mitglied zehn Stunden Arbeitsdienste übernehmen“, sagt der TC-Vorsitzende. Der Verein schreibe immer wieder Dienste aus, die auf dem 18.000 Quadratmeter großen Gelände erledigt werden müssten: Mal sei es eine Grundreinigung, mal ein Thekendienst, mal Hilfe beim Instandsetzen der Tennisplätze im Frühjahr. „Wir decken ganz viele Arbeiten mit den Diensten der Mitglieder ab“, betont Ebenrecht.
Greenkeeper im Minijob
Der TC wächst nach wie vor, hat inzwischen 658 Mitglieder. Ein Platzwart, ein Rentner, der auf Minijob-Basis arbeite, kümmere sich um Technik und Elektronik. „Wir haben auch einen Greenkeeper auf Minijob-Basis eingestellt“, informiert Jörg Ebenrecht. Der kümmere sich um die Grünanlagen. Der Clubvorsitzende beschreibt ein Problem, das alle Vereine trifft, die Reinigungsarbeiten gegen Bezahlung erledigen lassen: „Je höher der Mindestlohn ist, desto weniger Arbeiten kann der Arbeiter innerhalb seines Minijobs machen.“
Verschärfte Personalprobleme
Am neunten Sportentwicklungsbericht 2023 bis 2025 der Deutschen Sporthochschule in Köln haben sich laut DOSB 19.000 Vereine beteiligt. „Die Personalprobleme haben sich spürbar verschärft: 17,5 Prozent der Vereine sehen sich inzwischen in ihrer Existenz bedroht, weil es ihnen nicht gelingt, ausreichend ehrenamtliche Funktionsträger zu gewinnen und dauerhaft zu binden“, so der DOSB. Im Vergleich zu 14,6 Prozent im vorherigen Bericht (2020) sei dies ein signifikanter und besorgniserregender Anstieg.
Nach wie vor wird aber in der Region vieles freiwillig von Vereinsmitgliedern erledigt. Im TV Kirrweiler gebe es einen Bauausschuss, dessen Mitglieder kümmerten sich ehrenamtlich um die Rasenpflege. „Oder wenn mal eine Dusche verstopft ist oder eine Türe nicht richtig schließt“, hebt Meike Anton hervor.
Stadt unterstützt
Die Mitglieder des TV Mußbach erledigen Gartenarbeiten auf dem etwa 11.000 Quadratmeter großen Gelände ebenfalls ehrenamtlich. Weil die Grundschule in Mußbach das Außengelände des Turnvereins für den Schulsport nutzt, „bekommen wir seit 2025 Unterstützung der Stadt für die Pflege der Laufbahn“, berichtet Sabine Priemer.
Putzfrau teilt sich Zeit selbst ein
Im SV Geinsheim haben die Verantwortlichen gerade erst eine Lösung gefunden. Ein Vereinsmitglied reinige die Gebäude am Sportplatz am Wäldchen. Diese Frau könne sich die Zeit frei einteilen, betont der Vereinsvorsitzende Ronald Helf. „Einzige Bedingung ist, dass zu Fußball-Spieltagen Kabinen und die Gaststätte sauber sind.“ Bislang erhalte die Putzfrau Geld über die Ehrenamtspauschale. Sie schauten jetzt erst mal, wie es laufe: „Ansonsten rechnen wir restliche Stunden auf Minijob-Basis ab.“ Zwischendrin, erzählt Helf, „haben wir den Putzlumpen selbst in die Hand genommen“. Die Fußballer machten zudem den gröbsten Dreck in ihrer Kabine selbst weg, stellten Getränkekisten hoch, „so dass die Putzfrau zügig dort durchwischen kann“.
Manchmal kommen auf ehrenamtliche Helfer noch besondere Aufgaben zu: Im SV Geinsheim sind die Platzwarte Norbert Braun und Hans Müller damit beschäftigt, ungebetene Gäste zu vergrämen, Maulwürfe und Wühlmäuse von Trainingsplatz und Hauptrasen zu vertreiben. Der Trainingsplatz sei zwar nutzbar, „aber nicht über die komplette Fläche“, erzählt Ronald Helf. „Wir fahren mit dem Rasentraktor über die Hügel und machen sie platt. Wir schlemmen die Stellen ein bisschen ein“, gibt er die Behandlungsmethoden preis. „Mehr können wir nicht machen.“ Der Maulwurf sei in Deutschland geschützt, dürfe nicht gefangen, verletzt oder getötet werden.