Neustadt Welcher Arzt hilft im Notfall?

Viele Patienten sind verunsichert und wissen nicht, wann sie eher zum Hausarzt gehen sollen und wann direkt ins Krankenhaus.
Viele Patienten sind verunsichert und wissen nicht, wann sie eher zum Hausarzt gehen sollen und wann direkt ins Krankenhaus.

Was tun bei Notfällen? Antworten auf diese Frage will Hetzelstift-Ärztin Carla Bernius geben. Betroffene sollten einiges beachten, aber auch auf ihr Bauchgefühl hören.

Carla Bernius leitet die interdisziplinäre zentrale Notaufnahme am Marienhaus Klinikum Hetzelstift in Neustadt. Über 24.000 Patienten werden dort jährlich untersucht und behandelt. Über Langeweile können sich Bernius und ihr Team also nicht beschweren. Daher weiß sie, wie schwierig es im Einzelfall für Patienten sein kann: Denn auf der einen Seite klagen Krankenhäuser über überlastete Notaufnahmen und bitten darum, dass nur echte Notfälle kommen. Auf der anderen Seite werben Mediziner aber immer wieder dafür, bei Notfällen umgehend ein Krankenhaus aufzusuchen, um gut behandelt werden zu können.

Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch Carla Bernius mit ihrem Vortrag „Was tun im Notfall?“, den sie im Rahmen der Chefärzte-Vortragsreihe des Hetzelstift-Fördervereins am Mittwoch, 3. September, um 16 Uhr im GDA Wohnstift in der Haardter Straße hält. Der Eintritt ist frei. Bernius verspricht einen praxisnahen Blick in die Welt der Notfallmedizin.

Was passiert im Schockraum?

So will sie ihren Zuhörern zunächst einmal die ambulante Versorgungsstruktur erklären und aufzeigen, wann ihrer Meinung nach der Hausarzt, die Bereitschaftspraxis oder eben die Notaufnahme des Krankenhauses aufgesucht werden sollte. „Für Patienten ist die Entscheidung nicht so leicht“, weiß Bernius. Im Zweifel gelte als Regel: „Wenn ich mich richtig krank fühle, sollte ich zur Notaufnahme kommen. Wir sind rund um die Uhr an jedem Tag da.“ Bernius will auch erklären, was mit Patienten in der Notaufnahme passiert, wer in den Schockraum muss und was dort überhaupt genau gemacht wird. Zudem verfügt die Notaufnahme über sechs Untersuchungsräume und auch einen Notfall-OP.

Carla Bernius
Carla Bernius

Denn die Wartezeit hänge auch davon ab, so erklärt Bernius, welche Patienten akut behandelt werden müssen. „Man sieht ja nur die anderen im Wartezimmer, nicht aber die, die per Krankenwagen gebracht werden.“ Außer diesem Faktor sei für die Wartezeit zudem entscheidend, wie dringend eine Behandlung bei der Erstuntersuchung eingestuft werde. Bernius versteht den Frust von Patienten, verweist aber auch auf den Druck in der Notaufnahme: Denn dort müsse man sich tatsächlich erst einmal um die schweren Akutfälle kümmern. Umgekehrt hat Bernius Verständnis, wenn ein Patient unbedingt in die Notaufnahme will, weil er eben unter einem Problem leidet und keinen Facharzttermin bekomme. Zum Teil heiße es: Man warte gerne, Hauptsache, ein Arzt kümmere sich ums Problem. Die aktuelle Versorgungsstruktur sei nicht ideal. „Viele fühlen sich da auch verloren. Zumal es keine Definition für einen Notfall gibt“, sagt die Ärztin.

Dringenden Handlungsbedarf sieht Bernius insbesondere bei älteren Menschen bei Stürzen sowie beim Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch eine unerwünschte Wechselwirkung verschiedener Medikamente könne Ursache für eine Verschlechterung des Allgemeinzustands sein. In all diesen Fällen ist für Bernius klar: Bitte keine Zeit verlieren und sich sofort auf den Weg in die Klinik machen. „Uns ist es auf alle Fälle lieber, jemand meldet sich einmal zu viel, als dass er zu lange damit zögert, Hilfe zu holen.“

x