Neustadt
„Weinunternehmer des Jahres“: Hohe Auszeichnung für Oliver Zeter
Zwar ist die Familie mit dem Thema Wein verbunden – Großvater Leonhard Zeter hat ein Weingut in Diedesfeld, Vater Lutz gründete 1988 eine Weinagentur, doch bis auch Oliver Zeter selbst den Winzerkittel anzog, war es ein recht weiter Weg, der nicht abzusehen war. Nach seiner Ausbildung zum Winzer in den Weingütern Stachel in Maikammer und Dr. Deinhard in Deidesheim absolvierte er in Weinsberg die Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker für Weinbau und Oenologie. „Damals haderten viele meiner Kommilitonen damit, später in den elterlichen Betrieb zu müssen, doch genau das wäre mein Wunsch gewesen“, erinnert er sich.
Nach zwei Jahren in Italien und Südafrika ging es 1992 zunächst nach Hamburg, bevor er 2003 zusammen mit seinem Bruder die väterliche Agentur übernahm und so in die Heimat zurückkehrte. Und da war er dann wieder, der alte Wunsch, selbst Wein zu machen. Bereits ein Jahr später pflanzte Zeter in Diedesfeld und Edenkoben seine ersten Reben – Sauvignon Blanc natürlich. Mit dieser Rebsorte hatte er in Südafrika ein Schlüsselerlebnis, noch heute schwärmt er vom „besten Weißwein, den ich dort getrunken habe“. Als „super-sexy und gleichzeitig aristokratisch, vor Fruchtaromen strotzend und trotzdem dezent und subtil“ charakterisiert er die Sorte, deren Anbau er in der Pfalz ausprobieren wollte. 2007 vinifizierte er dann seinen ersten Jahrgang und legte den Grundstein fürs eigene Weingut. 2011 wurde Zeter vom Magazin „Feinschmecker“ für den besten Sauvignon Blanc Deutschlands ausgezeichnet, auch in vielen anderen Verkostungen der Folgejahre belegte er stets vordere Plätze.
Erfolge bei Wettbewerben
„Seit 2012 haben wir richtig Gas gegeben“, sagt Oliver Zeter: Gemeinsam mit seiner Frau Birgit und seinem neunköpfigen Team vermarktet er etwas über 420.000 Flaschen pro Jahr. Von Anfang an setzte er darauf, Trauben von langjährigen Vertragspartnern zuzukaufen und das auch offen zu kommunizieren: „Die Kollegen wissen, worauf ich Wert lege. Und ich bekomme tolle Qualitäten“, erklärt Zeter, der selbst etwa zwölf Hektar eigene Rebfläche bewirtschaftet und den Gesamtertrag mit beachtlichen 45 Hektar angibt. Der Erfolg gibt seinem Konzept Recht, feiert er doch seit etlichen Jahren regelmäßig Erfolge bei international renommierten Weinwettbewerben. Seine Weine sind im Fachhandel ebenso gefragt wie in den Kellern der gehobenen Gastronomie.
Im repräsentativen Sandsteinhaus in der Eichkehle in Haardt, das er 2018 erworben und saniert hat, empfängt Zeter jene Privatkunden, die ihren Wein ab Hof beziehen, 90 Prozent vermarkte er über den Fachhandel, den Export und die Gastronomie, erläutert Zeter. Außerdem lagert ein Teil seiner Weine im Keller des Hauses und in einer neuen Halle auf dem Gelände. Für Verkostungen im kleinen Kreis und Veranstaltungen rund um den Wein stehen in der ersten Etage Räumlichkeiten mit einer professionell eingerichteten Küche und eine große Terrasse zur Verfügung.
Eine Million in Halle investiert
Was fehlte, war eine Halle für die Produktion. Privilegiertes Bauen im Außenbereich war keine Option, denn er wolle nicht zur Zersiedlung der Kulturlandschaft beitragen, sagt Zeter. Stattdessen entschied er sich, von der Stadt Neustadt ein 2200 Quadratmeter großes Grundstück im einstigen Konversionsgebiet Solarpark in Lachen-Speyerdorf zu kaufen und dort eine 600 Quadratmeter große Halle zu bauen. Rund eine Million Euro investierte er in das im Sommer 2021 fertiggestellte Gebäude mit Kelterhaus, Presse und zwei Gärbehältern. Getrennt nach Rot- und Weißwein stehen dort die Barrique- und großen Eichenfässer sowie die eiförmigen Betontanks, um deren Inhalt sich Kellermeister Felix Forster kümmert. „Wir haben hier ausreichend Platz für die Arbeit, außerdem können uns hier auch größere Lkw problemlos anfahren“, beschreibt er die Vorteile der Lage.
Das Weingut wächst inzwischen organisch weiter, mit spannenden Top-Lagen, die kürzlich mit Syrah, Pinot Noir, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Viognier bepflanzt wurden, „da sich das Terroir der Haardt für diese Rebsorten besonders gut eignet“, so Zeter. In den vergangenen Monaten gab es große Anerkennung für das Weingut: die Auszeichnung als „Weinunternehmer des Jahres“ auf der ProWein, die Ehrungen als „Höchster Neueinsteiger des Jahres Pfalz“ in Henris Weinguide und „Aufsteiger des Jahres Pfalz“ im Vinum Weinguide. Seit 2026 ist das Weingut Fair’n Green zertifiziert, ein weiterer Schritt in der nachhaltigen Ausrichtung. Eine Jahrgangsverkostung, Raritäten, prämierte Weine und Weinbergsführungen zu Neuanlagen auf der Haardt – jüngst wurden drei Hektar Rebfläche mit Chardonnay und Pinot Noir bepflanzt – bieten von Freitag, 15., bis Sonntag, 17. Mai, die Tage der offenen Tür eine Gelegenheit, das Weingut und die Besonderheiten der Haardter Lagen kennenzulernen.
Auch wenn „immer mal wieder etwas Rebfläche hinzukomme, setze er für die Zukunft weniger auf mengenmäßiges, eher auf qualitatives Wachstum: „Ich will das Optimum aus den Trauben herausholen“, ist Oliver Zeters Credo. Dafür werden beispielsweise Anteile in Holz, Stahl und Beton ausgebauter Grundweine verschnitten, und es wird so lange experimentiert, bis das Zeter’sche Markenzeichen, der einst von Otto Dill gezeichntete Wein trinkende Bär, aufs Etikett darf.

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