Neustadt
Weinlesefest: Die Bilanz für 2024 und die Pläne für 2025
Das Fest
Der große Winzerfestumzug am Sonntag war mit 75.000 Besuchern der Höhepunkt des Weinlesefests. Insgesamt zählte die Neustadter Tourist, Kongreß und Saalbau (TKS) GmbH als Veranstalterin vom 27. September bis 14. Oktober knapp 250.000 Besucher bei den Haiselschern, im Spiegelpalast, beim Jahrmarkt und beim Umzug. „Wir können eine positive Bilanz ziehen“, sagt TKS-Geschäftsführer Martin Franck. Das an einigen Tagen kalte und regnerische Wetter habe nicht allzu viele Gäste abgeschreckt. Seine Einschätzung sei auch von den Haiselscher-Betreibern und den Jahrmarkt-Beschickern so bestätigt worden, sagt Franck.
Zufrieden ist er auch mit dem Jahrmarkt am neuen Standort Exterstraße/Alter Turnplatz. Der Umzug des Rummels war wegen der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes nötig. Die TKS sei sich bewusst, dass dieser Standort eine Herausforderung sei mit Blick auf Anwohner, den Auto- und Busverkehr, das Parken sowie die Erreichbarkeit des Einzelhandels. Viele Besucher seien der Empfehlung gefolgt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist, lobt Franck. Er würdigt auch den Einsatz vieler Mitarbeiter bei der Stadt Neustadt rund um das Fest. Ohne ein solches Engagement wäre das Weinlesefest nicht machbar. Mit Anwohnern sei man im Gespräch gewesen und habe von diesen ebenso wie von Jahrmarkt-Besuchern ein überwiegend positives Stimmungsbild zu neuen Gegebenheiten bekommen, sagt Franck. Ab Dienstagmorgen wurde abgebaut. Am Mittwochmittag informierte die Stadt: Wieder freie Fahrt in Exterstraße, Karl-Helfferich-Straße und am Alten Turnplatz – und die Parkplätze können auch wieder genutzt werden.
Der Ausblick
An der grundsätzlichen Aufteilung des Deutschen Weinlesefests werde nicht gerüttelt, betont Martin Franck. Es bestehe aus Haiselscher, Winefestival (Spiegelpalast), Jahrmarkt. „Dieses Gesamtpaket wird samt der Nähe zum Hauptbahnhof als sehr attraktiv wahrgenommen und ist ein Pluspunkt“, so Franck. Die TKS werde daher auch 2025 an den „diesjährigen Standorten“ festhalten. Ob es nach Fertigstellung des Bahnhofsvorplatzes noch einmal Veränderungen gebe, müsse man dann diskutieren. Doch Fakt sei, erklärt Franck, dass aufgrund der Fördermittel für die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes keine Bushaltestellen mehr verlegt werden dürfen. Es müsse dort einen dauerhaften Betrieb des Zentralen Omnibusbahnhofs geben. Daher könne der Jahrmarkt dort nicht mehr stattfinden – dies gelte zudem auch mit Blick auf den dort geplanten Bau von Hotel und Parkhaus. Die Festwiese scheide aus mehreren Gründen aus: „Erstens ist diese technisch nicht erschlossen, zweitens würden zahlreiche Parkplätze entfallen und drittens ist die Entfernung zu den anderen Weinfestbereichen zu groß.“
Der Kritiker
Scharfe Kritik am neuen Jahrmarktstandort kommt von Modehändler Jochen Stahler. Ihn ärgert vor allem die Art der Zufahrt zum Parkhaus Hetzelgalerie. Sie sei unübersichtlich gewesen und habe Kunden abgeschreckt. Er habe mit einer Sonderrabattaktion in seinen Läden in der Friedrichstraße reagiert: „Aber nicht aus Spaß, sondern um meine Kunden zum Einkaufen zu bewegen.“ Unterm Strich wolle er eine solche Situation nicht noch einmal erleben: „Ich mache 2025 lieber zwei Wochen zu. Das ziehe ich durch, so sehr habe ich mich geärgert.“ Er fordert: „Es muss ein anderes Konzept her.“ Dabei sei er eigentlich ein Weinlesefest-Fan und besuche immer gerne die Haiselscher und den Spiegelpalast. „Aber für mich ist auch klar: Die Kirmes kann dort so nicht mehr stattfinden.“ Martin Franck meint zu dieser Kritik: „Wir werden mit allen Anwohnern und Geschäften eine Nachbesprechung machen und Verbesserungsmöglichkeiten ausloten, aber an der Grundsatzentscheidung des diesjährigen Standortes lässt sich nicht rütteln.“
Die Pragmatische
Einen anderen Weg als Stahler ging Karin Rust von der Stoffgalerie Rust in der Karl-Helfferich-Straße 2: „Wir haben uns gesagt: Wir machen das Beste draus.“ Das heißt: Vor ihrem Laden gab es einen Stand mit Schorle und Flammkuchen. „Um den Stand habe ich mich mit meinem Mann und meiner Tochter gekümmert. Das war für uns eine Zusatzeinnahme, denn wir hatten wegen des Jahrmarkts damit gerechnet, dass weniger Kunden kommen.“ Daher ist Rust froh, dass nun alles wieder befahren werden kann. Trotzdem habe sie mit dem Stand viel Positives erfahren mit „netten Menschen und guten Gesprächen“. Mit Fabian Fuchs von der TKS habe sie rund um die Standerlaubnis gut zusammengearbeitet. Der Laden sei „okay“ gelaufen. Für Rust steht daher fest: „Wenn der Jahrmarkt wieder so ist, akzeptieren wir das und machen auch wieder unseren Stand.“
Außerdem ...
... kein Großereignis ohne die Deutsche Bahn. Ulrike Ipach wollte am Sonntag per Bahn von Mußbach zum Umzug in die Stadt fahren. Doch kurzfristig habe sie in der App gesehen, dass die ins Auge gefasste Verbindung ausfällt. Ipach informierte alle Freunde. Die Gruppe stieg auf den Bus um – und hatte einen schönen Tag. Trotzdem ärgert sich Ipach: „Mal wieder typisch Bahn.“ In den Vorjahren angesichts des Andrangs überfüllt gewesen. Und nun falle eine Verbindung ganz aus. Sie vermisst eine vorausschauende Planung bei der Bahn.
