Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Weingipfel in Maikammer: Welche Besonderheiten jedes Anbaugebiet hat

Am Stand des Weinguts Van Volxem lässt Tereze Urbane Bernhard Schwaab einen 2024er Riesling Kabinett Rotschiefer kosten.
Am Stand des Weinguts Van Volxem lässt Tereze Urbane Bernhard Schwaab einen 2024er Riesling Kabinett Rotschiefer kosten.

„Rheinland-Pfalz zu Gast in Maikammer“, unter dieses Motto hat das Wein- und Sekthaus Schreieck seinen dritten „Weingipfel“ gestellt. Was rund 700 Gäste dort erlebten.

„Wir wollten den Fokus in diesem Jahr wieder mehr auf die Regionalität legen, schon aufgrund der herausragenden Stellung, die der Weinbau in Rheinland-Pfalz einnimmt“, erklärte Patricia Schreieck. „An der Mosel kommt man beispielsweise nicht am Riesling vorbei, während man an der Ahr mehr auf den Spätburgunder setzt. In der Pfalz nimmt der Riesling nach wie vor die Spitzenstellung ein, aber hier warten die Winzer mit einer außergewöhnlich großen Sortenvielfalt auf.“ Beim „Weingipfel“ könnten die Besucher die Vielfalt jedes einzelnen Anbaugebietes kennenlernen. 15 Weingüter aus den sechs Anbaugebieten Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen kredenzten ihre Weine und Sekte.

Direkt am Eingang begrüßten die Gastgeber ihre Besucher mit „Drei x Drei – Drei Winzer x Drei Weine“, in Weiß, Rosé und Rot, dazu einen Pinot-Rosé-Sekt. Kreiert wurden die Weine von der jungen Generation der Schreiecks, nämlich den Schwestern Patricia und Jana sowie deren Cousin Julian. Jana Schreieck hatte zusammen mit der frisch gekürten Maikammerer Weinprinzessin Lena Orth das Event im Kelterhaus eröffnet, wo sich auch die Mehrzahl der Weingüter präsentierte.

Folgen der Flutkatastrophe noch immer spürbar

Patricia Schreieck machte deutlich, wie wichtig es gerade in der jetzigen Zeit sei, in den Medien präsent zu sein. Zum Leidwesen der Winzer ist der Weinkonsum seit geraumer Zeit rückläufig. Der weniger werdende Weinexport ins Ausland setzt den Winzern ebenfalls stark zu und auch um jeden Kunden, der Wein direkt beim Erzeuger kauft, müssen sie kämpfen.

Simona Kruse vertrat das Weingut Burggarten aus Heppingen an der Ahr. Ursprünglich kommt sie aus Köln und ist gelernte Hotelfachfrau. Doch die Liebe verschlug sie ins Weingut. „Zudem war ich dem Wein, schon meines Berufes wegen, immer sehr verbunden“, berichtete sie. Das Weingut hatte stark unter der Flutkatastrophe zu leiden, die das Ahrtal im Jahr 2021 heimsuchte. Heute, fünf Jahre danach, sind die Folgen auch im Weingut noch deutlich spürbar. „Unser komplettes Anwesen stand fünf Meter hoch unter Wasser. In der Folge sackten die Gebäude Stück für Stück ab. Erst im Januar dieses Jahres konnten wir dann damit beginnen, die Gebäude im Kern zu sanieren“, erzählte Kruse.

Arbeit an Reben in Steillagen große Herausforderung

Die Weinberge selbst seien zwar nicht betroffen gewesen, da diese sich durchweg auf höheren Lagen befinden. Durch die Zerstörung der nötigen Gerätschaften sei es aber sehr schwierig gewesen, die Weinberge zu bewirtschaften. „Die Erträge waren danach dann erst mal nicht mehr so gut wie noch vor der Flut. Infolgedessen mussten wir natürlich auch starke finanzielle Einbußen hinnehmen. Es dauerte schon seine Zeit bis wir wieder auf ein einigermaßen gesundes Level kamen“, erklärte Simona Kruse.

Vivien Gohr kommt eigentlich aus Essen. Wie Simona Kruse brachte auch sie die Liebe nach Rheinland-Pfalz, genauer gesagt: nach Wehlen in der Nähe von Bernkastel-Kues an der Mosel. Dort betreibt ihr Lebensgefährte das Weingut Kerpen. „Bei uns ist der Riesling mit 95 Prozent unserer Anbaufläche die absolute Nummer eins“, berichtete Gohr. „Unsere neun Hektar liegen ausschließlich in Steillagen. Das ist schon eine große Herausforderung, was die Bearbeitung der Rebflächen angeht. Weingüter, die eher im flacheren Land anbauen, tun sich da schon leichter.“ So sei es unmöglich, Vollernter einzusetzen. Dass der Riesling beim Weingut Kerpen ganz vorne liegt, sei auch auf die Bodenbeschaffenheit zurückzuführen. Er besteht zumeist aus blau-grauem Schiefer, auf dem Riesling besonders gut gedeiht.

Renaissance der Burgundersorten

Im Weingut Kruger Rumpf in Münster-Sarmsheim an der Nahe ist Tina Haas für die Büroarbeit, aber vor allem auch für den Export ins Ausland zuständig. „Unsere Weine gehen zu 50 Prozent ins Ausland. Dieser Markt ist hart umkämpft, weil natürlich auch die Winzer aus den anderen europäischen Weinanbaugebieten, aber auch die aus Südamerika, Australien oder Südafrika um Marktanteile kämpfen“, stellte Haas fest. „Wir haben auch beim Endverbraucher einen Rückgang verzeichnen müssen. Im Verkauf sind wir aber sehr breit aufgestellt, so dass wir noch gut am Markt sind. Es ist aber ein täglicher Kampf um jeden Kunden.“

Im Weingut Kruger Rumpf haben wie in vielen anderen die Burgundersorten eine Renaissance erfahren. 40 Prozent der Flächen gehören nun diesen Rebsorten, 60 Prozent dem Riesling. „Bei uns ist die enorme Anzahl an Bodensorten das Besondere, nämlich sage und schreibe 180. Die Weine bei uns wachsen überwiegend auf Quarzit und Schiefer“, erläuterte Haas. An ihrem Stand gab es einen besonderen Wein, den „Zwei-Strom-Riesling“. „Das liegt daran, dass wir an der Grenze zu Rheinhessen liegen und auch dort Flächen haben. So kam es, dass wir diesen Wein kreiert haben.“

Wachsende Nachfrage nach alkoholfreien Weinen

Thilo König ist Weinhändler aus Brücken in der Nordpfalz. Seit 20 Jahren vertreibt er unter anderem auch Weine aus dem Hause Schreieck. Er hatte Martin Heß (CDU), den Stadtbürgermeister von Kusel im Schlepptau. „Wir wollen auch in der Nordpfalz mit Events rund um den Wein neue Wege beschreiten“, so Heß. König bekräftigte, dass die Weinvermarktung schwerer geworden sei. Die Nachfrage nach Weinen ohne Alkohol wachse, doch sei hier das Angebot überschaubar und solche Weine müssten sich erst noch geschmacklich entwickeln. „Das ist sicher vergleichbar mit den Zeiten, als die ersten alkoholfreien Biere auf den Markt kamen“, meinte König.

Beim Weingut Goswin Lambrich aus Oberwesel am Mittelrhein dominiert mit 70 Prozent zwar ebenfalls der Riesling in Fässern und Tanks, doch setzt man hier auch auf Sauvignon blanc, Weiß- und Spätburgunder. Auch dort wird viel auf Schieferböden angepflanzt. Der Export spielt keine Rolle: 65 Prozent der Weine gehen an Privatkunden, die direkt ins Weingut kommen oder beliefert werden. Ansonsten liefert das Weingut Goswin Lambrich an die Gastronomie und den Groß- und Einzelhandel.

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