Neustadt Was Zahnärzten in Schulen und Kitas Sorgen bereitet

Zahnärztin Eva Baumdicker im März bei der Untersuchung von Erstklässlern in der Eichendorffschule in Neustadt.
Zahnärztin Eva Baumdicker im März bei der Untersuchung von Erstklässlern in der Eichendorffschule in Neustadt.

Kinder sollen möglichst früh lernen, wie wichtig das Zähneputzen ist und welches Essen keine Schäden verursacht. Dabei helfen ihnen Zahnärzte, die regelmäßig Kitas und Grundschulen besuchen. Zahlen zeigen, warum das wichtig ist.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege kümmert sich in Rheinland-Pfalz um die Vorsorgearbeit in Grundschulen und Kitas. Eine von 23 regionalen Arbeitsgemeinschaften hat ihren Sitz in Neustadt und deckt mit 45 Zahnärzten den Bereich rund um Bad Dürkheim, Neustadt, Haßloch und Lambrecht ab. „Wir betreuen 80 Kitas und 38 Grund- und Förderschulen“, sagt Zahnärztin Eva Baumdicker, die Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (AG) Jugendzahnpflege Mittelhaardt ist.

Obwohl für die meisten Menschen die Einschränkungen der Corona-Pandemie längst vergessen sind, bei den Mitarbeitern der AG sind sie noch sehr präsent. Denn aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen und Rücksichtnahme haben die Mediziner lange mit ihren Besuchen in Kitas und Schulen ausgesetzt. Erst seit Anfang 2023 haben die Ärzte die Prophylaxe-Termine wieder aufgenommen. „Und jetzt starten wir erstmals wieder in ein komplettes Schuljahr“, so Baumdicker. Dabei ist es die Aufgabe von Heike Streit als Leiterin der Geschäftsstelle in Neustadt, die Einsätze zu koordinieren. Im ersten Halbjahr sind die Grundschulen im Fokus, danach die Kitas.

Maskottchen Max Schrubbel

Kernaufgabe ist die Prophylaxe – also die vorbeugende Arbeit. Kinder sollen vertraut werden mit Zahnärzten und der Zahngesundheit. Dabei wird jede Kita einmal im Jahr besucht. „Da gehen wir spielerisch vor, erklären, wie man richtig Zähne putzt und welche Ernährung gut für Zähne ist“, sagt Baumdicker. Eine Schlüsselfigur dabei: Max Schrubbel. So heißt das Maskottchen der Arbeitsgemeinschaft. Die Kinder finden ihn auf Zahnbürsten, Anhängern und Zahnputzbechern, die es bei Besuchen immer als Geschenke gibt. In der ersten Klasse gibt es eine „richtige zahnärztliche Untersuchung“ durch einen Mediziner der AG. Über das Ergebnis werden die Eltern per Brief informiert – samt der Aufforderung, das entdeckte Problem behandeln zu lassen. In den Klassenstufen zwei bis vier geht es vor allem darum, die Themen Zähneputzen und Prophylaxe weiter zu vertiefen und immer wieder daran zu erinnern.

Die Mühen zahlen sich aus. So ist laut Baumdicker seit 1994 der Anteil der kariesfreien Gebisse bei Erstklässern von 40 auf 63 Prozent gestiegen. „Wir wollen aber noch mehr, auch weil die Weltgesundheitsorganisation eine Quote von 80 Prozent anstrebt“, so Baumdicker. Und obwohl die Arbeit ihrer Kollegen in den Kitas und Schulen sehr wichtig sei, „so ersetzt das nicht die individuelle Prophylaxe von jedem bei seinem eigenen Zahnarzt, die muss auch sein“.

„Schere geht auseinander“

Bei rund zehn Prozent aller Kinder werde noch Karies festgestellt. „Das ist eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu früher“, meint Baumdicker. Aber dieser Erfolg dürfe nicht über eine andere Entwicklung hinwegtäuschen: „Bei denen mit Karies, ist das Aufkommen größer als früher, die Schere geht auseinander.“ Für die Zahnärzte gehe es also – insbesondere jetzt nach der Pandemie-Zwangspause – wieder darum, kontinuierlich präsent sein zu können und darauf hinzuwirken, dass regelmäßiges Zähneputzen zum Tagesablauf in Kitas und Grundschulen mit Ganztagsbetreuung zählt. „Wir wollen das Zähneputzen dort fest verankern“, betont Baumdicker. Dass viele Kitas unter Personalmangel leiden, sei ein Hindernis bei den Bemühungen. Aber man dürfe nicht nachlassen: „In einem Drittel der Einrichtungen wird regelmäßig Zähne geputzt“, lobt Baumdicker. „Das ist wichtig, weil so das Zähneputzen zur selbstverständlichen Gewohnheit wird“, ergänzt Streit. Und laut Baumdicker gibt es eine soziale Komponente. Es gebe viele Kinder, für die sei das Zähneputzen in Kita oder Schule das einzige Mal am Tag, wo sie Kontakt mit einer Zahnbürste haben. „Und das müssen und wollen wir erhalten“, so Baumdicker.

Um im Gespräch zu bleiben hat die AG nun auch einen Wettbewerb gestartet: Schüler sollen einen Zahnarzt-Rap dichten. „Wir wollen, dass unser Thema Zahngesundheit an Kitas und Schulen immer präsent ist“, so Streit.

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