Neustadt
Was uns die Kriminalitätsstatistik für Neustadt sagt
„Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Dieses Bonmot wird teilweise augenzwinkernd verwendet, so mancher will damit aber auch deutlich machen, dass er Statistiken generell misstraut, zumal das Zitat von einem ranghohen Politiker stammen soll: dem britischen Kriegspremier Winston Churchill. Das stimmt aber nicht, Churchill hat damit nichts zu tun. Die Herkunft des Spruchs ist nicht abschließend geklärt. Ein Beschäftigter des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg kam bei Nachforschungen vor mehr als 20 Jahren zu dem Ergebnis, dass die nationalsozialistische Propaganda das Zitat zu Kriegszeiten Churchill untergeschoben hat, um ihn als Lügner darzustellen.
Die Zahlenwerke generell zu verteufeln, ist Unsinn. Dennoch stellt so manche Statistik eine Herausforderung dar; nicht wegen falsch erhobener Daten, sondern weil sie zu voreiligen und dadurch falschen Schlussfolgerungen verleiten. Manchmal fehlt auch einfach das notwendige Hintergrundwissen, um eine Statistik richtig lesen zu können.
Zahlen müssen eingeordnet werden
Daher war es gut, dass jüngst Christine Berens, die Leiterin der Neustadter Polizeiinspektion, und ihr Stellvertreter Peter Fuchs die Kriminalitätsstatistik für 2025 nicht nur präsentiert, sondern auch eingeordnet haben. Denn gern wird ja einfach nur auf die Gesamtzahl der Straftaten geschaut, aber schon hier lauern Fallstricke. So stand etwa der Rückgang 2024 im Zusammenhang mit der Cannabis-Teillegalisierung. Mancher Joint war danach schlichtweg nicht mehr strafbar. Für 2025 wurde dann wieder ein leichter Anstieg verzeichnet – von 4214 (2024) auf 4286 Straftaten in Neustadt und der Verbandsgemeinde Lambrecht. 67,6 Prozent wurden demnach aufgeklärt.
Berens erklärte, dass die Fallzahlen generell dadurch anstiegen, dass die Bürger niedrigschwellige Möglichkeiten bekommen hätten, Anzeige zu erstatten, per E-Mail oder über die Onlinewache. Geschädigte müssten nicht mehr zwingend auf die Inspektion, was bei kleineren Delikten schon eine Hürde sein kann.
Kreative Betrüger
Die Beamten setzen auch weiterhin auf Präventionsarbeit, um die Menschen in Neustadt etwa vor Diebstählen zu schützen. Doch zeigt die Kriminalitätsstatistik auch, dass die Täter nicht zwingend hier vor Ort sein müssen, die vernetzte Welt lässt grüßen. Manchen Tätern kann das zwar auch zum Verhängnis werden, so werden Neustadter, die kinderpornografisches Material verbreiten, auch schon mal von den USA aus enttarnt. Aber die modernen Kommunikationsmittel bieten Betrügern eben auch Raum für ihre Betrugsmaschen wie Schockanrufe oder vermeintliche Gewinn- und Geldanlageversprechen.
Das sei ein „Fass ohne Boden“, berichtete der Leiter der Kriminalinspektion Andreas Heintz, es höre einfach nicht auf – obwohl die Polizei nicht müde wird, auf die Gefahren hier hinzuweisen. Doch die Täter, die oft bundesweit oder gar international agieren, entwickeln immer wieder neue Methoden. Ein Ende der Präventionsarbeit ist hier also nicht in Sicht. Das gilt nicht nur für die Polizei. Auch die RHEINPFALZ hat regelmäßig über die Betrugsmaschen berichtet und wird das weiterhin tun. Damit die RHEINPFALZ-Leser ein geringeres Risiko haben, zum Opfer zu werden. Eine Statistik hierzu gibt es leider nicht, eine plausible Annahme ist es dennoch.