Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Markus Schmitt sein Modegeschäft umgebaut hat

Markus Schmitt vor der Wand mit Hilfiger-Mode. Bis vor Kurzem waren dort noch Hemden zu finden, die aber nicht mehr so gefragt s
Markus Schmitt vor der Wand mit Hilfiger-Mode. Bis vor Kurzem waren dort noch Hemden zu finden, die aber nicht mehr so gefragt sind.

Der Modehändler Markus Schmitt hat sein Geschäft am Neustadter Marktplatz umgebaut. Er reagiert damit auch auf veränderte Kaufgewohnheiten der Kundschaft.

Wer vor Mode Schmitt am Marktplatz steht, hat seit einigen Tagen einen besseren Blick in den Laden. Denn eine Ladenwand neben dem Eingang wurde verkürzt. „Die Leute sollen besser sehen können, was sich hier drinnen tut“, erklärt Inhaber Markus Schmitt. Weiterer, gewollter Effekt: Mehr Licht fällt ins Erdgeschoss. Am Samstag vor Rosenmontag räumten Schmitt und seine Mitarbeiter das Geschäft leer, eine Woche wurde danach umgebaut. 50.000 Euro habe er dafür investiert, berichtet der Unternehmer. Trotz oder wegen der nicht einfachen Zeiten im Handel? „Es sind sicherlich schwierige Zeiten“, sagt Schmitt dazu, „aber auch Zeiten, in denen man sich als Unternehmen neu aufstellen kann.“ Er sieht seine Investition auch als Signal an den Standort Neustadt, als Möglichkeit, den vielen Leerständen etwas entgegenzusetzen.

Vor allem ging es ihm darum, das Geschäft moderner und dadurch attraktiver zu gestalten. Den Anstoß dazu habe ein Besuch von Kollegen im vergangenen Jahr gegeben. Schmitt gehört einer Gruppe von etwa 20 Herrenausstattern an, die sich untereinander austauschen. Gemeinsam sei man durch den Laden gelaufen. „Da habe ich viele Anregungen bekommen, dieser Blick von außen ist sehr wichtig“, sagt Schmitt. Viele der Vorschläge habe er auch im Dezember beim „Ladencheck“, einer Aktion der Industrie- und Handelskammer, bestätigt bekommen – und weitere Ideen dazu.

Lässigere Kleidung gewinnt an Bedeutung

Wer heute ins Geschäft geht, blickt gleich rechts auf eine Wand mit Tommy-Hilfiger-Mode. Bis Mitte Februar stand da noch ein großes Hemdenregal. Kurioserweise merkten selbst Stammkunden nicht, dass sich hier etwas verändert habe, erzählt Schmitt. Das, was einen nicht interessiere, nehme man auch nicht wahr, erklärt er sich diesen Effekt. Die Hemden, die nun in den ersten Stock gewandert sind, seien zur Ware für Zielkäufe geworden. Das habe mit der Verbreitung des Homeoffice im Zuge der Corona-Pandemie zu tun, sagt der Herrenausstatter. Denn dadurch habe lässige Kleidung an Bedeutung gewonnen. Bei Jüngeren stelle er hingegen auch wieder einen Trend zum Formalen fest, auch Krawatten würden nachgefragt. Für Schmitt eine erwartbare Entwicklung: „Wenn sich die Älteren legerer kleiden, wollen es die Jungen anders machen.“

Beim Umbau ließ Schmitt den Umkleidebereich neu anordnen, und einige Ladenwände wurden neu gestaltet. Für Schmitt wichtig: „Die Möbel gehören alle mir, und auch das Sortiment stellen wir selbst zusammen.“ Er spielt darauf an, dass in vielen Geschäften die Regale vom jeweiligen Modehersteller gestellt würden, verbunden mit der Verpflichtung, dessen Kollektion abzunehmen.

Schmitt sagt, die Kundenreaktionen bestätigten ihn in seiner Entscheidung für den Umbau. Dieser begann übrigens mit einem Schreckmoment. Direkt am Rosenmontag bohrte ein Schreiner ein Heizungsrohr an. „Zum Glück war mein Sanitärfachmann innerhalb von 15 Minuten da, sonst wäre das Erdgeschoss vollgelaufen.“

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