Neustadt Vorbild Elsass

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Überrascht ist die Neustadter Tourist, Kongress und Saalbau GmbH (TKS) über den Austritt der Gemeinden Kirrweiler und St. Martin aus dem Verein Südliche Weinstraße – Büro für Tourismus Maikammer (wir berichteten am 2. Juli). Für TKS-Chefin Dagmar Loer und Büroleiter Martin Franck ist eine touristische Vermarktung nur für die ganze Regionen sinnvoll.

Die Neustadter Tourismus-Macher arbeiten seit Jahren eng mit den Nachbarn aus Deidesheim zusammen. „Wir sind schon vor Jahren auf dem internationalen Markt vorgeprescht und nach wie vor überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, betont Loer. „Je größer die Entfernung ist, desto weniger kann der potenzielle Gast nachvollziehen, dass es wie auch immer geartete Grenzen innerhalb von Regionen gibt“, sagt Franck. Er verweist auf touristische Untersuchungen, die belegen würden, dass die Pfalz als Ganzes von außen stärker wahrgenommen werde als die Weinstraße, diese wiederum stärker als die Mittelhaardt, und einzelne Gemeinden ganz hinten stehen würden. Dies gelte für das nationale Marketing noch mehr, betont Franck. Der Binnentourismus sei rückläufig. „Wenn eine Region Zuwächse hat, fehlen die Gäste woanders. Wachstum geht also vom ausländischen Markt aus“, begründet Loer das TKS-Engagement auf den europäischen Märkten. Und das zeige durchaus Früchte: Neustadt habe gemeinsam mit Deidesheim vor einigen Jahren mit der Region Roero im süditalienischen Piemont das Experiment einer touristischen Kooperation gewagt, und das habe sich ausgezahlt: Betrug der Anteil italienischer Gäste zuvor etwa zwei Prozent, liege er mittlerweile bei zwölf. Resultierend daraus habe die TKS unter anderem mit den Niederlanden und Südschweden weitere Projekte angestoßen, die sich ebenso positiv entwickelten: „Das geht zwar nicht von heute auf morgen, aber die Zahlen belegen, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben“, sagt Loer. So verzeichneten Neustadt und Deidesheim die höchsten Gästezuwächse aus dem Ausland innerhalb der Metropolregion Rhein-Neckar. Das werde auch von der Erkenntnis untermauert, dass der durchschnittliche Aktionsradius der Gäste mittlerweile bei rund 130 Kilometern am Tag liege – dank gestiegener Mobilität, ob mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Tagestouren führen die Gäste nach Straßburg oder ins Mittelrheintal, für Trier nehmen sich die Leute auch mal zwei Tage Zeit“, so Franck weiter. Auf dem internationalen Markt komme erschwerend hinzu, dass praktisch nur touristische Leuchttürme wie München, Heidelberg oder Berlin wahrgenommen würden. „Unsere Aufgabe ist deshalb, die Brille des Gastes aufzuziehen und zu erkennen, wo seine Bedürfnisse liegen“, ist Loer sicher. So seien etliche Prospekte und Informationsmaterialien der TKS in zahlreichen Fremdsprachen erschienen, telefonische Anfragen aus dem Ausland könnten dank der TKS-Mitarbeiter direkt in der Muttersprache der Anrufer beantwortet werden. „Da können wir schon punkten“, meint Loer. Gelungene Beispiele für Kooperation sei der vor einigen Jahren ins Leben gerufene „Magalog Lebensart“, eine Kombination aus Magazin und Katalog, an dem sich neben Neustadt auch Deidesheim, Wachenheim, Haßloch, der Verein Deutsche Weinstraße/Mittelhaardt und das Leiningerland beteiligten. Ein erstes erfolgreiches Projekt Richtung Süden von Neustadt sei ein gemeinsames Gastgeberverzeichnis vor drei Jahren gewesen. „Dabei haben wir aber festgestellt, dass einige Kirchtürme höher als unsere sind“, sagt Franck: So sei es beispielsweise nicht gelungen, Bad Dürkheim und Freinsheim ins Boot zu holen. Bei Themen wie Wandern, Radwandern und Mandelblüte habe sich gezeigt, dass es ansatzweise gelungen sei, die Region Pfalz als Ganzes zu bewerben, doch fehle noch ein gemeinsamer Slogan. Dass derartige Bemühungen durchaus erfolgversprechend seien, erläutert Loer am Beispiel Elsass: Dort habe man den einzelnen Gemeinden zu ihren Weihnachtsmärkten individuelle Themen zugeordnet, die in einer an sich eher tourismusarmen Zeit zu enormen Zuwächsen der Besucher geführt hätten. „Und dabei hat keiner dem anderen die Butter vom Brot genommen“, so Loer. (hox)

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