Neustadt
Vor der Oberbürgermeisterwahl: Das sind die Organisatoren der Wahlen in der Stadt
Die Stadtratssitzung Ende Februar 2025 dürfte Johny-Tien Vu so schnell nicht vergessen. Als Sachgebietsleiter verantwortet er die Wahlen für die Stadt Neustadt. Zu seinem Kernteam gehören außerdem noch Dorothea Haubert und Angelo Caruana. Im Stadtratssaal saß damals aber nur Vu, weswegen er von Oberbürgermeister Marc Weigel auch persönlich angesprochen wurde. Die vorgezogene Bundestagswahl war da erst 48 Stunden rum, daher war es Weigel wichtig, einfach mal Danke zu sagen. Denn Vu habe mit seinem Team den Urnengang trotz der Kürze der Zeit hervorragend organisiert und für einen pannenfreien Ablauf gesorgt. Angesichts der Fülle an Aufgaben rund um die Organisation von Wahlen sei das nicht selbstverständlich, betonte Weigel. Auf seinen Dank folgte lauter Applaus aller Stadtratsfraktionen – und von Bürgermeister Stefan Ulrich kam zusätzlich noch ein „Daumen hoch“.
Ihn habe diese Wertschätzung natürlich sehr gefreut, sagt Vu – und schiebt gleich hinterher: „Wobei diese natürlich nicht nur mir und meinem Team, sondern allen in der Verwaltung, die bei den Wahlen tätig waren, und allen Wahlhelfern gilt.“ So sehr er sich natürlich über Komplimente freue, so wichtig ist Vu auch, sich nicht in den Mittelpunkt zu rücken. Gute Arbeit rund um die Wahlen gehörten für ihn zum Anspruch: „Schließlich haben wir drei uns ja bewusst für die Stellen im Wahlamt beworben. Wir wussten, was da auf uns zukommt.“ Haubert und Caruana nicken eifrig. Sie nahmen das Lob zur Kenntnis und machten mit ihrem Job weiter. „Wir haben ja noch mehr als die Wahlen zu tun, die kommen dann immer eben noch dazu“, sagt Haubert.
Kommunalwahl als „Königsdisziplin“
Diese Doppelbelastung gibt es in Wellen nun seit Anfang 2024: erst die Kommunalwahl und Europawahl, dann die Wahlen zum Migrationsbeirat, dann die vorgezogene Bundestagswahl mit allem Zeitdruck und am 15. Juni noch die Oberbürgermeisterwahl. „Und wenn die rum ist, schauen wir schon auf die Landtagswahl im März 2026“, so Vu. Die Kommunalwahl bezeichnet er als „Königsdisziplin“ aufgrund der vielen Stimmabgaben und unterschiedlichen Wahlmöglichkeiten. Für alle drei war es zudem die erste Wahl als Verantwortliche bei der Stadt Neustadt. „Wir haben da aber viel mitgenommen und viel über die Abläufe gelernt“, sagt Vu.
Mit diesem Grundgerüst könnten sie nun an die Organisation der nächsten Wahlen gehen. Die Hauptarbeit beginne etwa drei Monate vor einem Urnengang. Es müssen dann Wählerverzeichnisse gesichtet und geprüft werden. Die Wahllokale sind zu reservieren. Insbesondere Caruana kümmert sich um die Rekrutierung der Wahlhelfer. Es müssen Schulungen angeboten werden. Außerdem sind alle Briefwahlunterlagen vorzubereiten und zu verschicken. Das ist ein besonders großer Brocken. „Bei der Bundestagswahl hatten wir 16.000 Briefwähler“, verdeutlicht Haubert. Angesichts des Zeitdrucks, weil Stimmzettel erst nach dem grünen Licht durch die Bundeswahlleitung gedruckt werden konnten, „hatten wir die Briefwahlpakete schon zusammengestellt und dann nur noch die Stimmzettel eingefügt“, erklärt Haubert. Dadurch sei man recht schnell durchgekommen. Und da es bei der Kommunalwahl Probleme mit der Postzustellung gegeben hatte, „haben wir dieses Mal alle Briefwahlunterlagen zum Postverteilzentrum nach Ludwigshafen gefahren, um keine Zeit bei der Zustellung zu verlieren“.
Wahlabend: Anspannung fällt ab
Dass Bundestags- und Oberbürgermeisterwahl dieses Mal so kurz nacheinander stattfinden, könnte mit Blick auf die Wahlhelfer ein Vorteil sein. „Viele, die bei der Bundestagswahl geholfen haben, haben gleich gesagt, dass sie im Juni bei der OB-Wahl erneut mithelfen“, schildert Caruana. Er hoffe, dass alle auch Wort halten. Tatsächlich schlafe er rund um einen Wahltag schlecht, weil er dann immer träume, dass es samstags oder sonntags noch Absagen gibt und er Ersatz finden muss. Oder dass die Taschen nicht reichen, die die Stadt für alle Wahlhelfer-Teams richtet und in denen sich alle wichtige Büromaterialien für den Dienst im Wahlbüro finden. „Bei mir fällt am Wahlabend dann Anspannung ab, und wenn das Ergebnis da ist, ist alles gut“, sagt Caruana.
Für die Oberbürgermeisterwahl werden zwei Termine Ende April entscheidend: Am 28. endet um 18 Uhr die Bewerbungsfrist, und am 29. tagt der Wahlausschuss, um die Wahlvorschläge zuzulassen. Danach ist dann klar, wie die Stimmzettel aussehen, und Vu, Haubert und Caruana können sich an die nächsten Arbeitsschritte machen. Dann werden Wahlbenachrichtigungen und Stimmzettel bestellt – und die Briefwahlunterlagen werden vorbereitet. Das entsprechende Wahllokal werden die Bürger wieder im Rathaus-Erdgeschoss an der Seite des Juliusplatzes finden.
Rund 200 Überstunden
Die drei Wahl-Organisatoren hoffen, dass bis 15. Juni alles problemlos läuft, und die Bürger auch die Spielregeln rund um die Wahl beachten. Sonst kommen wieder Anrufe, „und wir bekommen den Unmut ab, obwohl wir nichts für die Vorschriften können“, sagt Haubert. Sie erinnert sich etwa an Eltern, die bei der Bundestagswahl kamen und sagten, dass ihre Kinder verreist seien und sie nun schnell die Stimmabgabe übernehmen wollen. „Aber das geht halt nicht.“
Die Wochen rund um eine Wahl seien anstrengend mit rund 200 Überstunden in zwei Monaten, aber auch spannend und voller kurioser Geschichten. Und das Gefühl, wenn sonntags das Ergebnis feststeht und der Abbau in den Wahllokalen beginne, sei dann auch einfach schön, ergänzt Vu. Denn dann sei klar: Alles hat geklappt, und das sei das Wichtigste.