Neustadt Von „Mutproben“ und Lobliedern

Placeholder-Image

Neustadt. Zwei Wochen haben sie sich vorbereitet und mit „Meistersängerin“ und Professorin Claudia Eder von der Universität Mainz um jeden Ton und jeden musikalischen Ausdruck gerungen. Am Freitagpräsentierten sich die 14 jungen Sänger aus aller Welt zum Abschlusskonzert im Saalbau.

Es gab ja nicht nur Beifall, sondern auch Preise zu erringen: drei „offizielle“ Preise, zwei Förderpreise und einen Publikumspreis, für den Stimmzettel während des Konzerts von den Zuhörern anzukreuzen waren. Die Jury bildeten in diesem Jahr Gesangsprofessorin Cao Jin von der Eastern Normal University in Shanghai, die extra wegen dieses Wettbewerbs nach Neustadt gekommen war, Maria Leyer-Fäth von der Künstleragentur ZAV in Köln –selbst Sopranistin –, Karl Böhmer, Geschäftsführer der Villa Musica in Rheinland-Pfalz, Michael Kaufmann, Intendant der Deutschen Staatsphilharmonie in Ludwigshafen, Thomas Dewald, Leiter der Abteilung Gesang der Musikhochschule Mainz, und Bassbariton Stefan Stoll. Ausgewählt hatten die Meisterschüler vor allem spektakuläre Arien aus dem gängigen klassischen Opernrepertoire, aber auch aus dem barocken Repertoire. Es war sicher nicht einfach, der erste Sänger des Abends zu sein: Aber der junge japanische Bariton Tohru Iguchi meisterte diese „Mutprobe“ mit der temporeichen Arie des Figaro aus Rossinis „Barbier von Sevilla“. Figaro präsentiert sich hier als gefragter Mann, der kaum mehr weiß, wo ihm der Kopf steht vor lauter Verpflichtungen. Wichtiges Requisit für einen modernen Figaro: Ein Handy, aus der Tasche geholt und aufgeklappt, in das Iguchi sogar einen Teil der Arie sang. Dringlich und wichtig ist er eben auf jeden Fall, der Figaro. Den„Barbier von Sevilla“ hatte auch die Mannheimer Mezzosopranistin Anne-Kathrin Herzog ausgesucht, mit ihrer temperamentvollen Koloratur-Arie der Rosina. Einen ganz anderen Musikcharakter zeigt dagegen die barocke Oper „Giulio Cesare“ von Georg Friedrich Händel. Die damaligen männlichen Kastratenrollen werden heute von Mezzosopranistinnen verkörpert. Anna Schors sang daraus die Arie des Sesto, und die chinesische Sopranistin Yida Wang sang die Cleopatra. Mezzosopranistin Anna Wagner war anschließend eine betörende, blonde Carmen mit der Habanera. Die überaus zarte Ke Li aus Shanghai sang anschließend eine Arie aus „Don Pasquale“ von Donizetti. Ganz ohne Mozart ging es natürlich ebenfalls nicht. Mezzosopranistin Ruth Katharina Peeck hatte sich die Arie des „Sesto“ aus „La Clemenza di Tito“ ausgesucht, und anschließend überreichte „Rosenkavalier“ Ruth Volpert, Mezzo, die Rose an Sophie, gesungen von Sopranistin Akiko Nishiguchi. Beide hatten nach der Pause noch Solo-Auftritte, Akiko Nishiguchi sang die sehr wirkungsvolle „Glöckchenarie“ von Leo Délibes und sicherte sich damit den Publikumspreis, Ruth Volpert sang als Romeo noch eine Hosenrolle aus Bellinis „I Capuleti e Montecchi“. Eine weitere Arie daraus sang Tenor Alexey Egorov aus Moskau. Christiane Gänßler, Mezzosopran aus Dresden, sang die Dalila aus „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns, die Chinesin Linyuan Gao sang aus Verdis „Maskenball“ und Bariton Hongyu Chen den Posa aus Verdis „Don Carlos“. Koreanerin Jina Oh hatte Rossinis „La Cenerentola“. Zum Abschluss sangen alle zusammen eine Ensemble-Szene aus derselben Oper. Eine sehr reizvolle Überbrückung der Entscheidungsfindung der Jury war die Präsentation von Volksliedern aus der jeweiligen Heimat der Teilnehmer, wobei deutlich hörbar wurde, dass eine klassische abendländische Stimmausbildung auch ostasiatischen Volksliedern ganz sicher nicht schadet. Besonders viel Anklang fand Alexey Egarov mit „Kalinka“ und einem – in russischer Sprache gesungenen – Loblied auf Neustadt. Die Jury dürfte es wohl nicht gerade einfach gehabt haben, denn alle Teilnehmer waren gut und lagen dementsprechend auch in der Bewertung dicht beieinander. Am Ende gewann jedenfalls eine reine Damenriege aus Ostasien: Jina Oh erhielt den ersten Preis, Lingvuan Gao den zweiten und Akiko Nishiguchi den dritten, zusammen mit dem Publikumspreis. Der erste Förderpreis ging an Ruth Katharina Peeck, der zweite an Anna Schors.

x