Lindenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Von der Gemeinde vernachlässigt: Pfälzer Familie droht Abriss ihrer Wohnung

Abriss oder Sanierung? Eine Familie möchte nicht umziehen, allerdings sieht der Bürgermeister keine andere Möglichkeit.
Abriss oder Sanierung? Eine Familie möchte nicht umziehen, allerdings sieht der Bürgermeister keine andere Möglichkeit.

Die Gemeinde will nicht mehr in ein Doppelhaus investieren, ein Abriss erscheint günstiger. Für die Mieter wäre das ein harter Einschnitt, Alternativen gibt es bisher keine.

Die Gemeinde Lindenberg besitzt neben der Sporthalle ein Doppelhaus mit vier Wohnungen für sozial schwache Mieter. Sollte der Antrag auf finanzielle Förderung für Abriss und Neubau der Sporthalle erfolgreich sein, soll auch das Doppelhaus weichen. Darüber sind die Mieter, die alle zu einer Familie gehören, entsetzt.

Ein Bewohner berichtet, dass seine Mutter seit den 1980er-Jahren in einer der Wohnungen lebt. Er selbst wohnt seit 2019 mit seiner Familie in einer zweiten Wohnung. In den beiden Wohnungen des anderen Hausteils lebt jeweils eine Person. Seit vielen Jahren werde in die Gebäude kaum investiert, nur die „notwendigsten Reparaturen“ würden durchgeführt. „Ich verstehe nicht, warum nie etwas gemacht wurde, um die Häuser in Ordnung zu halten“, sagt der Lindenberger. Vieles habe er selbst erledigt, um zumindest seine Wohnung und die seiner Mutter instand zu halten.

„Keine passenden Wohnungen“

„Aber vieles ist marode“, ergänzt er. So falle die Heizung immer wieder aus, Fenster und Holzläden seien defekt. „Die Gemeinde hat über Jahrzehnte ihre Pflichten als Vermieter nicht erfüllt“, sagt Bürgermeister Carsten Kus (FWG). Die Gebäude befänden sich inzwischen in einem äußerst schlechten Zustand. Eine Kernsanierung sei nicht mehr möglich. Um die Häuser in einen „vertretbaren Zustand“ zu bringen, wären laut Schätzungen 600.000 bis 700.000 Euro nötig. Der Gemeinderat habe deshalb entschieden, nicht mehr in die Gebäude zu investieren – das wäre „hinausgeworfenes Geld“.

„Ich will aber niemanden herausschmeißen“, betont Kus. Er habe nach Alternativen für die Bewohner gesucht, doch in Lindenberg gebe es keine passenden Wohnungen. Angeboten worden seien vier Wohnungen in Lambrecht im Beerental. Die Bewohner hätten diese jedoch abgelehnt. Das bestätigt der Mieter. Als Gründe nennt er das soziale Umfeld in der Beerentalstraße, ein Tierhaltungsverbot sowie höhere Mieten. „Das können wir nicht zahlen“, sagt er.

Grundsätzlich sei seine Familie zu einem Umzug bereit, wenn die Bedingungen stimmen. Seine Mutter wolle jedoch auf keinen Fall umziehen. Sie sei über 70 Jahre alt, lebe seit rund 30 Jahren in der Wohnung, sei krank und habe eine Pflegestufe. „Sie war fix und fertig, als sie gehört hat, dass sie umziehen soll“, berichtet er.

Abriss als sinnvollste Option?

Unverständnis äußert der Mieter auch darüber, dass die Gemeinde Geld in die Sporthalle und die Räume der Feuerwehr investiert habe, nun aber alles abgerissen werden solle. In der Gemeinderatssitzung im November vergangenen Jahres, in der die Beantragung von Fördermitteln aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ beschlossen wurde, waren sich die Ratsmitglieder jedoch einig: Die Sporthalle sei trotz Investitionen in die Jahre gekommen, zu klein und die sanitären Anlagen nicht mehr zumutbar.

Angesichts der vielen Anträge im Bundesprogramm rechnet Kus nur mit geringen Erfolgsaussichten. Unabhängig davon müsse jedoch eine Lösung für die Wohnhäuser gefunden werden. Ein Abriss sei aus seiner Sicht die sinnvollste Option, da weitere Investitionen kaum zu rechtfertigen seien. Zudem müsse geprüft werden, ob die Kommunalaufsicht bei der Kreisverwaltung Bad Dürkheim entsprechende Maßnahmen überhaupt genehmigen würde. Sollte der Förderantrag scheitern, müsse der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entscheiden.

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