Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Taxi zur Theke: Das Wagnis der Bauers in der Winzinger Stubb

Wirtin Jaqueline Bauer und ihr Mann Stephan führen die Kneipe, die seit 1988 in Winzingen fest dazugehört.
Wirtin Jaqueline Bauer und ihr Mann Stephan führen die Kneipe, die seit 1988 in Winzingen fest dazugehört.

Die Winzinger Stubb ist eine klassische Eckkneipe. Es ist der Treffpunkt für alle, die eine Pause vom Alltag brauchen. Warum dort über alles außer Politik gesprochen wird.

Freitagnachmittag, 17 Uhr. Am Tresen der Winzinger Stubb sind alle Barhocker bereits besetzt. Männer und Frauen jeden Alters sitzen friedlich zusammen. Eine Stammtischrunde hat am Fenstertisch Platz genommen. Auch zwei junge Pärchen läuten in der Eckkneipe, die klassisch an der Ecke von Bismarckstraße und Richard-Wagner-Straße liegt, das Wochenende ein.

Ab 16 Uhr hat die Winzinger Stubb an fünf Tagen in der Woche geöffnet – mit offenem Ende. „Manchmal schließen wir schon um 23 Uhr. Meist geht es länger“, sagt Wirtin Jacqueline Bauer. Betrieb bis in die frühen Morgenstunden sei keine Seltenheit. Seit April 2017 führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Stephan die Kneipe, die seit 1988 in Winzingen eine Institution ist. Auch Hund Hennes, benannt nach dem Maskottchen des 1. FC Köln, ist immer im Einsatz und begrüßt jeden Gast.

Jacqueline kennt die Kneipe noch aus der Zeit der früheren Pächter. Mit ihrem Mann saß sie am Tresen, als der damalige Wirt verkündete, dass er einen Nachfolger suche. „Stephan raunte mir zu, dass wir die Kneipe übernehmen werden“, erzählt sie. Zunächst hielt sie das für einen Scherz. Doch die Idee ließ sie nicht mehr los. Eine Woche lang überlegte sie.

Bei den Stammgästen gut angekommen

Es war keine leichte Entscheidung. Ihr Mann führte seit vielen Jahren mit einem Kollegen ein Taxiunternehmen in Deidesheim. Sie selbst arbeitete ebenfalls als Taxifahrerin und zusätzlich in einer Bäckerei. Alles aufgeben und neu starten? Ein Wagnis.

Das Paar trat in Verhandlungen, arbeitete einen Abend probeweise in der Winzinger Stubb – und kam bei den Gästen gut an. Der Zuspruch der Stammgäste gab schließlich den Ausschlag. Stephan verkaufte seine Geschäftsanteile und stieg ein. Jacqueline behielt zunächst ihre beiden Jobs und stand zusätzlich hinter dem Tresen. Sie arbeitete zeitweise rund um die Uhr an drei Stellen. Das ging nicht lange gut – der Schlaf kam zu kurz. Schließlich entschied sie sich ganz für die Kneipe.

Stephan hat bis heute einen Zweitjob: Dreimal pro Woche fährt er Medikamente im Auftrag der Rochus-Apotheke aus. Daneben kümmert er sich um Einkauf und Buchhaltung der Kneipe. Aus praktischen Gründen zog das Paar in die Wohnung über der Winzinger Stubb.

Kneipe voller Erinnerungen

„Es ist eine alte Kneipe, die wir Stück für Stück verändert haben“, sagt Jacqueline Bauer. Mit einem neuen Lichtkonzept sei es freundlicher geworden. „Wir haben auch aufgeräumt und aussortiert – zum Beispiel schwierige Gäste, die Unruhe hereingebracht haben. Seitdem ist es friedlicher, und unser Publikum kommt gerne für einen entspannten Abend zu uns.“

Die Winzinger Stubb ist voller Erinnerungen an Feste und Partys. Keine Gelegenheit wird ausgelassen: Fasching, Ostern, Sommerfeste, Halloween und Weihnachten – die Kneipe wird jeweils passend dekoriert. Von einer 80er-Party ist noch das Discolicht übrig. „Unsere Gäste waren damals in Neonfarben gekleidet. Mit Schwarzlicht haben die Kostüme richtig geleuchtet“, erzählt sie.

Die Feste kommen gut an und sorgen noch lange für Gesprächsstoff. „An Halloween haben wir gespenstisch dekoriert – und unsere Gäste haben hauptsächlich Süßes oder Saures getrunken.“

Doch der eigentliche Grund für die wachsende Zahl an Stammgästen, die teils drei- bis viermal pro Woche kommen, sind nicht die Events. Es sind die Gespräche, das Gefühl, willkommen zu sein, und die Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen. „Niemand muss einen Tisch buchen oder sich verabreden. Einfach reinkommen – das ist alles“, sagt Stephan Bauer.

Er kennt seine Gäste gut und weiß oft schon, was sie trinken. „Wenn ich sie durchs Fenster kommen sehe, mache ich ihr Getränk fertig und stelle es an den Platz. Oft wissen auch die anderen Gäste sofort, wer gleich hereinkommt.“

Es gibt die, die immer dieselben Geschichten erzählen, die Schlagfertigen, die stillen Zuhörer und die Unterhalter. Stephan weiß, wann wer üblicherweise da ist. Fehlt jemand, fällt es ihm auf. So wie bei einem älteren Herrn, dessen Lebensgeschichte er kennt. Als dieser einmal länger nicht kam, rief Stephan ihn an. „Man weiß ja nie, ob jemand in Not ist.“ Der Mann meldete sich – zur Erleichterung des Wirts. Auch der Gast fühlte sich gesehen.

Runde aufs Haus als Beruhigung

Und worüber wird an der Theke gesprochen? „Es gibt nichts, was nicht schon Thema war. Einfach alles“, sagen die beiden Wirtsleute. Wie es den Gästen geht und welche Sorgen sie haben, beschäftigt Jacqueline Bauer sehr. „Ich kann schlecht abschalten“, sagt sie. Man baue eine Beziehung zu den Menschen auf.

Nur Streit über Politik versuchen die beiden zu vermeiden. „Ganz verhindern kann man es nicht. Aber jeder weiß, dass wir ein gutes Miteinander wollen. Und wenn es mal hitziger wird, hilft oft eine Runde aufs Haus, um die Stimmung zu beruhigen“, sagt sie.

Die Eckkneipe ist eine zentrale Anlaufstelle für die Anwohner in Winzingen – ihr Einzugsgebiet reicht jedoch weit darüber hinaus. „Die Leute kommen aus Haßloch, aus Lachen-Speyerdorf, von der Haardt, aus Neuhofen – und sogar aus Köln.“

Mindestens zweimal pro Woche kommt ein Mann aus der Südpfalz mit dem Taxi. Denn in der Winzinger Stubb findet sich immer jemand zum Reden – und eine Möglichkeit, den Alltag für eine Weile zu vergessen.

Die Serie

In dieser Serie werfen wir einen Blick auf die Menschen, die hinter den Theken von alteingesessenen Kneipen und Gaststätten in Neustadt stehen.

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