Hassloch
Vom Provisorium in den Neubau: So soll die neue Kita aussehen
Der Begriff Spatenstich war beim offiziellen Baubeginn der neuen Kita in der Müller-Thurgau-Straße eher symbolisch zu verstehen. Als sich Vertreter der Gemeinde, Projektpartner sowie Erzieher und Eltern am Dienstag auf dem Gelände im Neubaugebiet „Südlich der Rosenstraße“ einfanden, war längst zu erkennen: Hier wird nicht erst begonnen, hier ist bereits einiges in Bewegung.
Seit Anfang des Jahres ist das Bauunternehmen Iselborn auf der Fläche, auf der die erste von zwei baugleichen Kindertagesstätten in Holzbauweise entstehen soll, fleißig. Ein Teil der Außenwände des angrenzenden Gebäudes, in dem später Technik, Frischeküche und weitere Funktionsbereiche untergebracht werden sollen, steht bereits. Auch Abschnitte der Bodenplatte für den späteren Holzbau sind sichtbar. „Die Baufirma war schneller als gedacht. Man sieht im Groben schon die Kubatur und wie die Kita später auf dem Grundstück verortet wird“, sagte Projektleiter Mino Nachtegaal von der Werkgemeinschaft Landau, die für die Durchführung des Projekts verantwortlich ist.
Helle Atmosphäre durch natürliche Materialien
Bis zu 150 Kinder sollen in der neuen Kita künftig betreut werden, verteilt auf sechs Gruppen. Natürliche und nachhaltige Materialien, Holzlamellen und lichtdurchlässige Elemente sollen eine warme, helle Atmosphäre schaffen, in der sich Kinder, Eltern sowie Erzieherinnen und Erzieher wohl und geborgen fühlen. Dazu beitragen sollen nach Angaben von Projektleiter Mino Nachtegaal auch das Satteldach, ein umlaufender Balkon und großzügig gestaltete Außenanlagen.
Auch die Raumaufteilung folgt diesem Anspruch: Gruppen- und Nebenräume werden nach Süden ausgerichtet, damit möglichst viel Tageslicht ins Gebäude fällt. Nach Norden hin entstehen zusammenschaltbare Mehrzweckräume, die auch außerhalb des Kita-Betriebs genutzt werden können. „Am Ende geht es darum, einen Ort zu schaffen, an dem Kinder sich entwickeln können“, sagte Nachtegaal.
Der Holzbau soll im Sommer beginnen, noch vor Weihnachten soll das Gebäude dicht sein, erklärt der Projektleiter. Ursprünglich war eine rote Holzfassade vorgesehen. Aus Kostengründen wurde jedoch noch einmal umgeplant. Der Charakter der Holzfassade mit Lamellenvorhang soll nun über eine vorvergraute, wartungsfreie Holzoptik erhalten bleiben. Farbige Akzente seien dennoch vorgesehen, etwa an Treppen, beim Sonnenschutz oder an Spielgeräten.
Vom Provisorium in die neue Kita
Die Eröffnung der neuen Kita ist für Sommer 2027 geplant „Pünktlich zum Beginn des Kita-Jahres“, wie der Erste Beigeordnete und Baudezernent Carsten Borck (parteilos) ankündigte. Die Entscheidung, zwei baugleiche Kindertagesstätten zu planen, war bereits 2022 gefallen. Bis zum Baubeginn im Februar dieses Jahres folgten Vorstudie, Genehmigungs- und Förderverfahren sowie eine intensive Planungsphase, skizzierte der Beigeordnete. „Ich finde es beeindruckend, was in der kurzen Zeit hier schon geschehen ist“, sagte Borck mit Blick auf den Baufortschritt.
Rund 9,8 Millionen Euro investiert die Gemeinde in den Neubau. Unterstützt wird das Projekt mit Fördermitteln von Land und Kreis: Das Land steuert rund 1,345 Millionen Euro bei, der Landkreis Bad Dürkheim rund 3,3 Millionen Euro. „Das ist die größte Einzelförderung, die wir momentan im Kita-Bereich haben“, sagte der Erste Beigeordnete des Landkreises Bad Dürkheim Timo Jordan (parteilos), der ebenfalls zum symbolischen Spatenstich nach Haßloch gekommen war. Mit einem Augenzwinkern lobte er die „Pfiffigkeit“ der Gemeinde. „Man plant zwei baugleiche Kitas, damit ist klar, wie hoch dann auch die Fördersumme ausfallen wird.“
Die erste Kita soll vor allem dazu beitragen, bestehende Provisorien abzulösen. Derzeit sind Gruppen noch in Containerlösungen untergebracht. Diese hätten zwar ihre Berechtigung, sagte Jordan, blieben aber eben Provisorien. „Es ist wunderbar, zu sehen, dass die Kita-Landschaft weiter wächst und dass dann auch die Provisorien wieder zu Teilen aufgelöst werden können.“
Rückläufige Geburtenzahlen
Auch die zweite baugleiche Kita in der Trifelsstraße bleibt Teil der Planung. Wie die Gemeindeverwaltung auf Nachfrage mitteilt, wird der Bedarf nach jetzigem Kenntnisstand auch im Kindertagesstättenbedarfsplan 2026/2027 des Landkreises Bad Dürkheim formal festgestellt. Er ergibt sich demnach im Wesentlichen aus den ausgewiesenen Neubaugebieten innerhalb der Gemeinde Haßloch. Wann die zweite Einrichtung konkret umgesetzt wird, hängt laut Verwaltung maßgeblich davon ab, wie sich diese Gebiete tatsächlich entwickeln und bebaut werden. Zusätzlich werde die Entwicklung der Geburtenzahlen in Haßloch fortlaufend berücksichtigt. Beide Faktoren würden regelmäßig überprüft, um mögliche Auswirkungen auf das Projekt frühzeitig zu erkennen und entsprechend reagieren zu können.
Jordan ordnete diese Perspektive grundsätzlich ein. „Wir sind sehr stolz darauf, dass Haßloch hier so einen Bau tätigen wird“, sagte er. Zugleich verwies er darauf, dass die Geburtenzahlen in nächster Zeit voraussichtlich wieder zurückgehen werden. In einigen Kommunen gebe es bereits Überkapazitäten. Das sei einerseits schwierig, weil mit den Gebäuden Werte geschaffen worden seien. Andererseits böten solche Einrichtungen gerade in der Jugendpolitik viele Möglichkeiten für andere Nutzungen. Deshalb sei jeder investierte Euro ein wichtiger Euro – „für die Kleinsten und vielleicht auch für die etwas Älteren“.
Bürgermeister Tobias Meyer (CDU) erinnerte daran, dass Haßloch bereits im vergangenen Jahr viele Betreuungsplätze geschaffen habe, teilweise auch in Provisorien. Vorrangig sei gewesen, alle Kinder versorgen zu können. „Nun ist es an der Zeit, dafür zu sorgen, dass das alles in gute Bahnen läuft“, sagte Meyer. Grundsätzlichen Dissens gebe es bei solchen Projekten in Haßloch kaum. Man sei sich einig, „dass wir für unseren Nachwuchs die besten Voraussetzungen schaffen wollen, die möglich sind, um ihnen hier bei uns einen guten Start ins Leben zu ermöglichen“.