Neustadt
VHS startet Kurs für pflegende Angehörige von Demenzerkrankten
Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz, der Barmer-Ersatzkasse, die auch die Kosten für die Teilnehmer übernimmt, und der VHS. „Etwa drei Viertel aller an Demenz erkrankten Menschen werden von Angehörigen im häuslichen Umfeld gepflegt“, sagt Claudia Krack, Vorstandsmitglied der Alzheimer Gesellschaft und Verantwortliche für die Weiterentwicklung der Schulungsinitiative.
Über Verhaltensweisen Demenzerkrankter
Krack spricht von einer enormen Belastung in den Familien, die mit der Pflege Demenzerkrankter einhergehe. Deshalb sei es notwendig, frühzeitig mit der Hilfe zum Helfen zu beginnen. In der Schulung wird zunächst über die Krankheit informiert, bevor erklärt wird, welche Verhaltensweisen typisch für Erkrankte sind. „Die Kurse sollen dabei unterstützen, dass die Angehörigen das veränderte und zum Teil auch aggressive Verhalten der dementen Angehörigen nicht persönlich nehmen“, sagt Anette Krumhaar, die Projektmanagerin der Schulungsinitiative ist und sowohl Inhalte als auch Referenten organisiert. Manchen Pflegenden seien die Veränderungen sogar peinlich, was zur Folge habe, dass sie sich zurückziehen – ein fataler Schritt, so Krumhaar.
In der Schulung werde über Pflegestützpunkte und Pflegeversicherung informiert. Sowohl rechtliche als auch finanzielle Aspekte stehen im Vordergrund. „Wir wollen Entlastungsmöglichkeiten aufzeigen, die die Angehörigen in Anspruch nehmen können und sollen. Denn die Pflege von dementen Menschen ist noch herausfordernder, als die Pflege von Kranken ohnehin sein kann“, sagt Krack. Es sei wichtig, sich möglichst schnell Hilfe ins Haus zu holen. „Die Gefahr eines Burn-outs oder der Depression bei Angehörigen ist hoch.“ Zumal gerade in der Corona-Zeit sich viele Angehörige noch weiter zurückgezogen hätten. Jeder Pflegende müsse aber darauf achten, auch sich selbst zu pflegen, einigermaßen die innere Balance zu finden, sagt Krack.
Geschützter Raum für Betroffene
Der Kurs biete neben der Wissensvermittlung zudem die Möglichkeit des Austauschs mit Gleichbetroffenen, sagt Krumhaar. „Die Kurse sind erfahrungsgemäß häufig die Grundlage für den Start in eine Selbsthilfegruppe.“ Während der Schulung befinden sich die Teilnehmer laut Krack in einem „geschützten Raum“, können also offen über ihre Erfahrungen und Gefühle sprechen, ohne dass sie den Kursraum verlassen.
Auch wenn die sieben Module, die die Schulung umfasse, zunächst viel erscheine, sei es in Anbetracht der kommenden Herausforderung doch eine geringe Zeitspanne. Feinfühlig angesprochen werde in den Kursen ebenso die Möglichkeit, in den meisten Fällen sogar die Notwendigkeit, den Demenzerkrankten in ein Heim zu geben. „Das ist natürlich ein schwerer Schritt, den Ehemann, die Ehefrau oder die Eltern in ein Heim zu geben“, weiß Krack. Doch ist es aufgrund der enormen Herausforderung, die die Pflege mit sich bringe, manchmal der beste Weg. „Besonders dann, wenn bei den Angehörigen der Schlafentzug hinzukommt und die Belastungsgrenzen überschritten werden, ist es gut, die Erkrankten in guten Händen zu wissen. Die Besuche können dann entsprechend entspannt verlaufen und man kann sich wieder auf Schönes konzentrieren“, sagt Krack. Auf was man bei der Wahl des Heims achten müsse, dazu werden ebenfalls Tipps gegeben.
Die Schulung wird als Präsenzveranstaltung stattfinden. Eine Anmeldung ist noch möglich.