Maikammer
Versorgungslücke geschlossen: Neues Therapiezentrum für Ergotherapie und Logopädie
Das Therapiezentrum Möller, das drei Physiozentren und Gesundheitstrainings in Kandel, Hagenbach und Freckenfeld betreibt, eröffnete im April eine Praxis für Ergotherapie und Logopädie im Ärztehaus in Maikammer. Auf 350 Quadratmetern mit insgesamt zehn Behandlungsräumen, die dem individuellen Bedarf angepasst sind, behandeln die Ergotherapeutin Maren Surau und der Logopäde Ruben Hamacher Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern.
Der Bedarf an ergotherapeutischer und logopädischer Unterstützung ist in der Bevölkerung hoch und wächst weiter. Bei Störungen in der Kindesentwicklung, nach Unfällen und bei bestimmten Krankheitsbildern helfen Logopäden und Ergotherapeuten, den Alltag besser zu meistern, Lücken zu schließen und Entwicklungsverzögerungen zu verringern.
Allgemeiner Bewegungsmangel
Die Hauptgruppe der Patienten im Therapiezentrum Möller bilden derzeit noch Kinder und Jugendliche. Das ist nicht ungewöhnlich, denn bei Kindern werden Auffälligkeiten in der Entwicklung und im Verhalten schneller erkannt. Die Bereitschaft, sich Hilfe zu holen, ist bei Eltern hoch. Heiko Möller, Inhaber des Therapiezentrums, sieht eine Ursache im allgemeinen Bewegungsmangel der Kinder, der sich in motorischen Störungen, in gering ausgeprägten sportlichen Fähigkeiten und schließlich auch in psychischen Auffälligkeiten widerspiegelt. Die Konzentrationsfähigkeit lasse nach, sagt er. Die Kinder seien häufig unruhig und stressanfällig. „Spätestens vor der Einschulung fallen die Defizite auf und die Kinder werden zu uns geschickt“, sagt Maren Surau.
Die Ergotherapeutin arbeitet gerne mit ihrem Therapiehund, der den Leistungsdruck aus der Behandlung nimmt und so eine entspannte Atmosphäre schafft. Bei jungen Patienten, die nur schwer still sitzen können, wirkt der Körperkontakt zum Hund beruhigend. „Natürlich klären wir ab, ob das Kind die Nähe des Tieres möchte und nicht ängstlich reagiert“, so Surau.
Im Therapiezentrum wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, sodass bei Bedarf auch der Logopäde hinzugezogen werden kann. „Wenn Laute nicht problemlos artikuliert werden können, ein Stottern vorliegt oder Essen und Schlucken Schwierigkeiten bereiten, ist die Logopädie gefragt“, sagt Hamacher. Eine nicht ausgereifte Mundmotorik könne dazu führen, dass die Zunge gegen die Zähne drückt und Fehlstellungen entstehen.
Sehr individuelle Fälle
Wenn Kinder nicht sprechen wollen, obwohl sie dazu in der Lage sind, kann eine psychisch bedingte Kommunikationsstörung vorliegen, die Mutismus genannt wird. Es handelt sich um eine selektive Angststörung, die behandelt werden muss, da die Sprachlosigkeit keine Trotzreaktion ist. Sie beginnt meist im Alter zwischen zwei und fünf Jahren. Ein anderer Fall sind Kinder, die zum Schreien neigen, was darauf hindeuten kann, dass sie sich nicht ausreichend wahrgenommen fühlen. Auch bei Stimmstörungen durch falsches Sprechen, etwa anhaltender Heiserkeit oder Kraftlosigkeit, hilft die Logopädie.
Besonders bei neurologischen Erkrankungen wie Demenz, Parkinson, Multipler Sklerose oder nach einem Schlaganfall sind sowohl Logopädie als auch Ergotherapie erforderlich. Da die Fälle sehr individuell sind, ist ein intensives Vorgespräch notwendig: Welche Schwierigkeiten bestehen aktuell, welche Ziele sollen erreicht werden und welche Aspekte stehen im Vordergrund? Liegt eine Sprach- und Wortfindungsstörung vor, ist ein Hirnleistungstraining erforderlich oder sind motorische Probleme belastend?
Die Praxis verfügt über unterschiedlich ausgestattete Räume, darunter ein Werkraum, ein kindgerechter Raum und eine Küche, um Abläufe im häuslichen Umfeld zu simulieren.
Praxen sind rar
„Die Logopädie und Ergotherapie zählen zu den Mangelberufen“, sagt Heiko Möller. Lange mussten Auszubildende die Ausbildung selbst finanzieren. In Rheinland-Pfalz ist sie inzwischen kostenfrei, wodurch die Schülerzahlen gestiegen sind. In vielen anderen Ländern – außer Deutschland, Österreich und der Schweiz – ist für die Ausübung dieser Berufe ein Studium erforderlich.
Noch sind die Praxen bundesweit rar, und Patienten nehmen weite Wege in Kauf, um Termine zu bekommen. Mit der Praxis im Ärztehaus in Maikammer erweitert Möller sein Angebot, da er sich an den bisherigen Standorten auf Physiotherapie und Gesundheitstraining konzentriert hat. „Es ist der ganzheitliche Ansatz, den wir auch in unserem Unternehmen verfolgen“, betont Möller.