Neustadt Verkündigung in Klang und Text

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Neustadt. Kirche und Kultur – diese Verbindung ist keine Erfindung des Neustadter Pfarrers Frank Schuster. Es ist allerdings eine, die ihm besonders am Herzen liegt. Bereits an seiner früheren Wirkungsstätte, der Versöhnungskirche in Kaiserslautern-Bännjerrück, hatte er eine besondere Reihe von Abendveranstaltungen geschaffen. Daran knüpft der 50-Jährige jetzt in der Martin-Luther-Gemeinde an. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es hier in der Martin-Luther-Kirche die Premiere für eine neue Soiree-Reihe. Den Auftakt gestalten Kerstin Bachtler und die „Allstar-Bigband“.

Ihren Anfang nahmen die Soireen in der Westpfalz 1994, als Schuster dort gerade sein Pfarrhaus bezogen hatte und dabei feststellen musste, dass wie fast überall die Resonanz auf die Gottesdienste am jeweils zweiten Feiertag der christlichen Hochfeste Weihnachten, Ostern und Pfingsten ziemlich verhalten ausfiel. „Es musste etwas Neues her. Wir wollten aber den zweiten Feiertag nicht unbesetzt lassen, denn sonst verliert er seinen Wert“, erinnert sich Schuster. Dabei hat der protestantische Theologe durchaus Verständnis dafür, dass die Gläubigen diese Tage nicht zu einem weiteren Kirchgang nutzen. „Eine Predigt an Gründonnerstag, eine an Karfreitag, eine am Ostersonntag. Und dann nochmals am Montag? Nein, das ist den meisten zu viel. Und diejenigen, die trotzdem kommen, machen es aus Mitleid mit dem Pfarrer.“ Allerdings wollte er den Kirchenraum am zweiten Tag der hohen Kirchenfeste auch nicht einfach leer lassen. So startete er an Weihnachten 1994 die erste Soiree mit Musik für Flöte, Orgel und Gesang mit weihnachtlichen Weisen von Bach. Das Programm war schon damals genau getaktet. Fünf Lesungen, sechs Musikstücke. Maximal 60 Minuten. Das sei wichtig, so Schuster, die Besucher sollten genau abschätzen können, wie viel Zeit sie einplanen müssen. Schließlich wollten die Gäste ja meist noch etwas anderes unternehmen. Das Konzept ging auf, und mit der Zeit kamen immer prominentere Musiker, Autoren, Schauspieler. Wie etwa 2006 der Schiedsrichter Markus Merk. Damals stand schließlich die Weltmeisterschaft vor der Tür, mit Kaiserslautern als WM-Spielort. Weil Merk aber bereits zu Pfingsten im Fifa-Trainingslager kaserniert war, stellte er sich am Ostermontag auf die Kanzel. Schuster lobt: „Merk hatte sich richtig gut vorbereitet und Geschichten zusammengetragen, in denen es um Fußball und Glauben ging.“ Schuster ließ in den zwei Jahrzehnten Raum für alle Arten von Musik, ob Jazz, Klassik oder mittelalterliche Weisen. Manchmal gestalteten auch Grundschulkinder den musikalischen Part, Musikstudenten oder kleinere Ensembles. „Das Format kommt denjenigen entgegen, deren Repertoire nicht für ein zweistündiges Konzert ausreicht, die aber einmal vor einem größeren Publikum auftreten wollen“, erkannte er. Den Mitwirkenden lässt der Pfarrer dabei vollkommen freie Hand bei der Auswahl ihrer Musikstücke und der Texte. Er gibt lediglich die Richtung vor. So auch jetzt für die „Allstar-Bigband“ und die SWR-Moderatorin Kerstin Bachtler. Es müsse sich thematisch zu Weihnachten hin orientieren, etwa bei Stichworten wie Licht, Wärme, Menschwerdung und Frieden. Die Verbindung zur Bigband ist zweigleisig entstanden. Zum einen dürfen die jungen Musiker das Martin-Luther-Haus mietfrei für ihre Proben benutzen, zum anderen ist der musikalische Leiter der Bigband, Jonas Jung, ein Sohn von Gemeindediakonin Elke Jung. Der 24-Jährige wurde in der Martin-Luther-Gemeinde getauft und konfirmiert. Er werde nicht in voller Besetzung mit seinen Musikerkollegen die Soiree bestreiten, sondern eine Art „Combo“ ausgliedern, wie Frank Schuster erklärt. Bei Kerstin Bachtler indes kristallisierte sich erst bei der Planung eine Verbindung zur Gemeinde heraus. Die 47-Jährige wurde ebenfalls in der Martin-Luther-Kirche konfirmiert. Noch kennt Schuster selbst nicht die einzelnen Programmpunkte. Also erwartet auch die Besucher eine richtige Weihnachtsüberraschung. Nur eines steht fest, und darauf legt der Pfarrer großen Wert. Die Soiree endet nach einer Stunde um 18 Uhr. Und für die kommenden „zweiten Feiertage“ im Kirchenjahr freut er sich auch auf Vorschläge von Künstlern, die musikalisch oder mit ihren Textbeiträgen einen besinnlichen Akzent am späten Nachmittag setzen wollen. Schuster sagt: „Der Glaube kommt aus der Verkündigung. Und das kann auch ein Musikstück, ein Tanz oder ein Text sein.“ Termin Die Soiree mit Musik und Literatur zum Weihnachtsfest findet am Samstag, 26. Dezember, um 17 Uhr in der Neustadter Martin-Luther-Kirche statt. Der Eintritt ist frei. (kle/Archivfoto: lm)

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