Handball
TV Kirrweiler: Wieso die Handball-A-Jugend im Keller im Einsatz ist
Die Mannschaft von Trainer Denis Hartinger renoviert einen Kellerraum unter der vereinseigenen Reblandhalle. „Das war mal ein Besprechungsraum“, sagt Tim Kimmel, Torwart der A-Jugend. „Vielleicht gab’s hier auch mal Partys – das wissen wir aber nicht, das war vor unserer Zeit“, fügt er grinsend hinzu. Sein Teamkollege Fritz Raupp hat Fotos auf seinem Mobiltelefon gespeichert, wie der Raum im Stile der 1970er- und 1980er-Jahre vorher ausgesehen hat: Braun- und Beigetöne dominieren. Die Holzdecke lässt den Raum dunkel und eng wirken.
Raupp und seine Teamkollegen haben die beigefarbenen Bodenfliesen heraus-, die in die Jahre gekommenen Tapeten von den Wänden gerissen, haben eine komplett neue Decke reingezogen. „Die Dämmwolle war von Ratten und Mäusen zerfressen“, erzählen die jungen Männer, betonen zugleich, dass die Tiere schon seit Jahren nicht mehr in dem Keller seien. Die Wände sind inzwischen weiß gestrichen, die Decke gespachtelt.
Vinylplanken für den Boden
Was noch erneuert werden muss: der Boden. „Da kommt erst eine Ausgleichsmasse drauf, die muss dann trocknen“, erzählt Luis Gutting. „Danach legen wir Vinylplanken darauf.“ Viel Zeit haben die Sportler nicht mehr. „Ende der Woche muss der Raum fertig sein“, fordert der Trainer. Aus gutem Grund, sollen seine Schützlinge doch das Handballspielen nicht verlernen. „Dann ist unser Vorbereitungsstart.“
Nur wenige Spieler erlernen ein Handwerk oder arbeiten in einem Handwerksberuf. Luis Gutting ist als Mechatroniker für Kälte und Klimatechnik im Einsatz. Fritz Raupp wird Raumausstatter. „Das ist praktisch“, sagt er schmunzelnd mit Blick auf den fast fertig renovierten Kellerraum. Denis Hartinger, selbst ein Elektroniker, verrät so manchen Blick ins Internet: „Wir haben uns ganz produktive Videos angeschaut.“
Wo ist der Stromkasten?
Größere Probleme habe es während der Arbeiten nicht gegeben, sagen alle unisono. Die größte Herausforderung sei es gewesen, den Stromkasten zu finden, gestehen sie lachend. „Wir mussten deswegen einen Spielerpapa holen, der vor 20 Jahren mal als Feuerwehrmann den damals vollgelaufenen Keller leergepumpt hatte“, gibt der Trainer Einzelheiten preis. „Der wusste noch, wo der Stromkasten ist.“ Nämlich in der Materialgarage hinter einem Schrank. „Wir haben überall geguckt, aber nicht hinter dem Schrank.“
Rund 5000 Euro werde das Gesamtprojekt kosten, schätzt der Trainer. Es seien aber noch nicht alle Angebote eingegangen, betont Fritz Raupp. „Wir haben in der vergangenen Saison Bratwürstchen und Trikots verkauft – da sind 1200 Euro zusammengekommen“, erzählt Denis Hartinger. 300 Euro hätten sie an Spenden bekommen. „Der Rest wird vom Förderverein und Verein bezahlt.“
Stühle restaurieren
Den Bildschirm für spätere Spielanalysen hätten sie bereits. Die alten Tische und Stühle möchten sie restaurieren, berichten die Sportler. Dies sei dann das Letzte, was noch zu erledigen sei. Fast das Letzte. „Die Fenster müssen wohl geputzt werden“, stellt ein Handballer mit Blick auf die verstaubten Scheiben fest.
Die Sportler waren in den vergangenen zwei Wochen nahezu täglich im Keller im Einsatz. „Manchmal waren sechs Leute hier, manchmal nur zwei“, sagen sie. Sogar an Feiertagen hätten sie „sehr unchristlich“ gearbeitet. Die TVK-Männermannschaft habe ihre Hilfe angeboten, „aber wir sind ja genug Leute“. Die Männer fänden die Initiative der Jungs gut und ließen ihnen freie Hand, ergänzt Denis Hartinger. Ihn freut es besonders, welchen Einsatz seine Schützlinge zeigen: „Wir haben über den Mannschaftsrat beschlossen, dass wir mehr für den Verein tun wollen.“ An Ideen hapere es ihnen nicht, fügt er hinzu. „Wir würden gerne einen Kraftraum bauen. Und wir hätten gerne mal ein Lager.“ Das müssten sie aber zunächst mit dem Verein absprechen. Und zudem steht ja nun die Saisonvorbereitung an.
Ein Mangel an Einsatzwillen steht weiteren Projekten jedoch nicht im Weg. „Es hat Spaß gemacht“, sagt Tim Kimmel. „Ich würde es noch mal machen.“