Handball RHEINPFALZ Plus Artikel TSG Haßloch: Teammanager Peter Wingerter über den Aufstiegskrimi und die Zukunft

Abschied auf Raten: TSG-Torfrau Selina Renner will bei Bedarf noch zur Verfügung stehen.
Abschied auf Raten: TSG-Torfrau Selina Renner will bei Bedarf noch zur Verfügung stehen.

Ein Zittern bis zum Abpfiff: Erst die 29:30-Niederlage des HC Schmiden/Oeffingen führt die TSG Haßloch in Liga drei. Ein Interview mit Teammanager Peter Wingerter.

Kommt der Aufstieg der TSG Haßloch für Sie jetzt überraschend?
Definitiv. Nach unserer Niederlage gegen den HC Schmiden/Oeffingen vor einer Woche bestand bei mir nur eine winzige Hoffnung, dass wir mit Schützenhilfe von Frisch Auf Göppingen den Aufstieg als Zweitplatzierter der Aufstiegsrunde noch schaffen. Umso mehr bin ich jetzt glücklicher, dass es für unsere Mädels gereicht hat.

Ihnen stehen die Tränen in den Augen …
Die Meisterschaft in der Regionalliga und der Aufstieg in die Dritte Liga – ich kann es noch nicht glauben, gerade jetzt, so wie es gelaufen ist. Das war ein Krimi, der hätte nicht schlimmer sein können. Wäre der Siebenmeter von Schmiden reingegangen, wären wir weg gewesen. Jetzt ist es einfach so, wie wir es uns gewünscht hatten. Nach zehn Jahren seit der Gründung der Frauen-Handball-Mannschaft sind wir künftig in der Dritten Liga vertreten. Die Mädels haben Vereinsgeschichte geschrieben.

Aber das wäre ohne Ihr Engagement auch nicht möglich gewesen. Zusammen mit Bruno Spieß gehören Sie zu den Protagonisten, die vor zehn Jahren den Grundstein für diese Erfolgsgeschichte gelegt haben.
Ja, das war so. Bruno und ich haben immer noch große Lust, diesen Weg weiterzugehen. Auch in verschiedenen Funktionen. Ich habe als Co-Trainer, sportlicher Leiter, Teammanager und jetzt auch als stellvertretender Abteilungsleiter Handball bei der TSG viele Aufgaben übernommen, es war immer ein Miteinander aller Beteiligten. Dazu gehört das Team um die Mannschaft vom Ausschank bis hin zum Fanshop sowie die Leiterin der Frauen, Isabell Blass.

Dabei waren Sie ja selbst kein Handballer.
Das stimmt. Vielleicht war das auch ein Vorteil, mit einem anderen Blick an die Aufgaben heranzugehen. Zum Handball bin ich wegen meiner Tochter, aber auch meiner Stieftochter, die einige Jahre in der Mannschaft gespielt hat, gekommen. Und diese Begeisterung hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.

Mit der Schützenhilfe von Göppingen hat die Party am Sonntag erneut begonnen.
Ich habe einen Riesenrespekt vor Göppingen, dass sie trotz vorzeitigem Aufstieg und der „Nachbarschaft“ zu Schmiden/Oeffingen die Partie ernst genommen und nicht abgeschenkt haben. Damit hatten viele nicht gerechnet. Ich ziehe den Hut davor, denn viele glaubten, Göppingen würde in der kommenden Saison lieber nach Schmiden als nach Haßloch fahren. Eine Party hat es am Sonntag ohne mich gegeben. Ich bin jetzt einfach leer. Die Mädels sind sicherlich wieder in Feierlaune und werden es krachen lassen. Erst der verpasste vorzeitige Aufstieg in der eigenen Halle, dann das nicht erwartete Glück mit der Schützenhilfe von Göppingen. Das muss ich erst einmal sacken lassen, bevor es in ein bis zwei Wochen mit den weiteren Planungen in Richtung neue Saison weitergeht.

Es war nicht der Plan, nach dieser Saison aufzusteigen, oder?
Nach dem vierten Platz in der vergangenen Saison haben wir uns eine bessere Platzierung vorgenommen, aber von der Meisterschaft und gar von einem Aufstieg war keine Rede. Eine Saison muss erst einmal gespielt werden. Und da kann sehr viel passieren. In der Rückrunde wurde uns schon klar, dass wir um Platz eins und zwei spielen können.

Worin sehen Sie den Schlüssel für diesen Erfolgsweg?
Die Mannschaft ist in den letzten Jahren sportlich Schritt für Schritt gewachsen. Aber ganz entscheidend sei aus meiner Sicht der Teamgeist, der in dieser Mannschaft herrscht. Auch haben wir beim Trainerteam Kontinuität bewahrt, sodass das Projekt Frauen-Handball bei der TSG wachsen konnte.

Und die Handball-Fans bleiben in Haßloch nicht aus. Wie groß ist deren Anteil an dieser Erfolgsgeschichte?
Ohne unsere großartigen Fans wäre das alles nicht machbar. Sie haben einen sehr großen Anteil, sie sind als achter Mann stets dabei und sorgen auch für die Atmosphäre, die unsere Mädels sich wünschen. Aber das ist nur möglich, weil es bei uns sehr familiär zugeht und wir unsere Bodenhaftung stets bewahren.

Befürchten Sie, dass das in der Dritten Liga verloren geht?
Nein, da mache ich mir keine Sorgen, ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unseren Weg auch in der Dritten Liga finden werden und es schaffen können, sich dort zu etablieren.

Sie sagten noch vor wenigen Wochen, es sei besser aufzusteigen, als in der Regionalliga zu bleiben. Was meinten Sie damit?
Aus wirtschaftlicher Sicht ist für uns die Dritte Liga interessanter, weil wir in vielen Gesprächen mit unseren Sponsoren und mit denjenigen, die dazukommen könnten, gespürt haben, dass sie in der Dritten Liga bereit wären, das Budget zu erhöhen oder bei uns einzusteigen.

Sie rechnen mit weiteren Sponsoren?
Wie überall ist die Situation nicht einfach, und wir haben bisher zwei Abgänge. Entscheidend ist, dass wir bei der Sponsorenakquise nicht nur auf den Standort Haßloch beschränken, sondern die gesamte Pfalz bis ins Saarland im Blick haben.

Wie sieht es für die kommende Saison personell aus? Wird Cheftrainer Marc Robin Eisel bleiben?
Die Mannschaft wird sich nicht allzu sehr verändern. Unsere Neuzugänge haben wir frühzeitig und auch unabhängig vom sportlichen Ausgang verpflichtet. Dabei bleiben wir unserer Linie treu, nur punktuell verstärken zu müssen. Und zur Trainerfrage: Auch hier wird es keine Veränderungen geben. Das Team mit Marc Robin Eisel als Trainer, Bruno Spieß als Torwarttrainer, Marvin Gerdon als Sportlicher Leiter und Benedikt Hettich als Leiter der Physiotherapie bleibt uns auch in der nächsten Saison ebenso erhalten. Lediglich einen B-Lizenztrainer werden wir noch verpflichten.

Wer kommt, wer geht?
Von den Kurpfalz-Bären in Ketsch kommen Viviane Schranz und Janneke Geigle sowie von der HSG Walzbachtal Julia Zengerle (Tor). Im Gegenzug wechselt Lydia Bachtler zur HG Oftersheim/Schwetzingen, während Gina Schmidt und Leonie Kripp ihre Karriere beenden. Selina Renner hat dagegen signalisiert, auf Abruf noch zur Verfügung zu stehen.

Wird es weitere Verpflichtungen geben?
Das ist aktuell nicht geplant, denn vom Trainerteam gibt es derzeit hierzu keine Hinweise.

Mit dem Aufstieg dürfte auch das Budget für das Personal steigen.
Das ist klar, wir brauchen ein höheres Budget. Die Kosten werden deutlich höher, allein durch die weiteren Auswärtsfahrten und für die Schiedsrichter. Keinesfalls beim Personal, da bleiben wir unserer Linie – wie in den letzten Jahren – treu.

Wann wird es mit der Vorbereitung auf die neue Saison losgehen?
Wir beginnen Mitte Juli mit den ersten Trainingseinheiten für die ab September beginnende Saison.

Die erste Männermannschaft ist aus der Dritten Liga abgestiegen, die Frauen gehen jetzt hoch. Wird es künftig gemeinsame Spieltage, möglicherweise in der Pfalzhalle geben?
Aktuell ist das nicht geplant, denn dies lässt sich organisatorisch nicht stemmen. Und die Pfalzhalle ist für uns keine Option. Auch haben wir derzeit noch keinen Spielplan.

Teammanager der Drittliga-Frauen der TSG Haßloch: Peter Wingerter.
Teammanager der Drittliga-Frauen der TSG Haßloch: Peter Wingerter.
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