Niederkirchen
Trotz Widerstand: Pfälzer Gemeinde verliert letzten Geldautomaten im Ort
Die Befürchtung vieler Niederkirchener VR-Bank-Kunden bewahrheitet sich: Zum 1. April wird sich die Bank komplett aus der Gemeinde zurückziehen. Das teilt die VR-Bank Mittelhaardt in einem Schreiben mit. Grund für den Schritt ist nach Angaben des Instituts unter anderem der technische Defekt des Geldautomaten, der bereits seit Dezember außer Betrieb ist. Die Reparatur habe sich bislang nicht durchführen lassen, da notwendige Ersatzteile fehlten. Gleichzeitig wären in der Niederlassung umfangreiche Investitionen in die Sicherheitstechnik erforderlich gewesen. Vor diesem Hintergrund habe die Bank in den vergangenen Wochen die Wirtschaftlichkeit des Standorts überprüft und schließlich gemeinsam mit dem Aufsichtsrat entschieden, die Filiale zum 1. April zu schließen.
Hinzu kommt nach Darstellung der Bank, dass die Nutzung der verbliebenen Selbstbedienungsgeräte in Niederkirchen zuletzt deutlich zurückgegangen sei. Beratungsgespräche fänden seit der Modernisierung der Filiale in Deidesheim im Jahr 2024 ohnehin fast ausschließlich dort statt. Auch die Bankschließfächer wurden bereits im Sommer 2025 nach Deidesheim verlegt.
Nächste VR-Bank in Deidesheim
Für Kunden bedeutet die Entscheidung vor allem längere Wege: Die nächstgelegene Filiale mit Geldautomat, Kunden-Service-Terminal und persönlichem Service befindet sich künftig in Deidesheim. Dort gebe es Parkplätze direkt am Gebäude und einen barrierefreien Zugang, betont die Bank. Als Alternative verweist das Institut außerdem auf den Bürgerbus, der Fahrten nach Deidesheim ermögliche und von der VR-Bank finanziell unterstützt werde. Für weniger mobile Kunden bietet die Bank zudem an, Bargeld nach Hause zu bringen oder Beratungstermine direkt vor Ort durchzuführen.
Den Verantwortlichen sei bewusst, dass der Rückzug für einzelne Betroffene einen spürbaren Einschnitt bedeute. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, nach wirtschaftlicher Abwägung sehe man jedoch keine tragfähige Alternative. Für das Gebäude in Niederkirchen führt die Bank derzeit Gespräche über eine mögliche Nachnutzung, die dem Ort zugutekommen soll.
Widerstand des Gemeinderats erfolglos
Die Entscheidung kommt für viele Bürger nicht völlig überraschend. Schon seit Monaten wird in Niederkirchen über die Zukunft der Bargeldversorgung vor Ort diskutiert. Der Geldautomat der VR-Bank war bereits rund um die Weihnachtszeit ausgefallen und blieb seitdem außer Betrieb. Ein Schild wies auf den technischen Defekt des Geräts hin und wurde zeitweise zur Projektionsfläche für den Ärger so mancher Kunden.
Im Gemeinderat hatte die FWG deshalb beantragt, sich aktiv für den Erhalt des Automaten einzusetzen. Fraktionsvorsitzender Franz Josef Zech bezeichnete ihn als wichtigen Bestandteil der örtlichen Infrastruktur, insbesondere für ältere Menschen, Gewerbetreibende sowie Bürger ohne Online-Banking. Auch Ortsbürgermeister Stefan Stähly (FWG) hatte damals auf die Bedeutung der Bargeldversorgung vor Ort hingewiesen und verwies auf die genossenschaftliche Tradition Niederkirchens.
Gemeinde setzt sich für Erhalt ein
Um den Automaten zu retten, hat die Gemeinde daher den direkten Kontakt zur VR-Bank gesucht, berichtet Stähly. In einem gemeinsamen Gespräch mit dem Ortsbürgermeister, der Beigeordneten Judith Becker (FWG) und dem Kreditinstitut habe die VR-Bank dann erklärt, dass sie unter wirtschaftlichen Aspekten keine Zukunft für den Standort sehe. Grundsätzlich könne er verstehen, dass die VR-Bank wirtschaftlich handeln muss, sagt Stähly. Für die Niederkirchener sei der Rückzug aus der Gemeinde dennoch ein herber Verlust. Besonders ältere Menschen seien nun auf ein Auto angewiesen, um an Bargeld zu kommen. Die Parksituation in Deidesheim sei nicht optimal und der Standort mehrmals im Jahr aufgrund von Feierlichkeiten gar nicht anfahrbar.
„Wir haben uns wirklich bemüht und gekümmert, aber unsere Einflussmöglichkeiten sind leider begrenzt“, sagt Stähly. Auch der Vorschlag der Gemeinde, einen gemeinsamen Automaten für Sparkasse und VR-Bank zu installieren, sei abgelehnt worden. Stattdessen habe sich ein anderer kommerzieller Anbieter bei der Gemeinde gemeldet. „Aufgrund der geringen Marktdurchdringung wäre das für die meisten jedoch mit Gebühren verbunden gewesen und für Niederkirchen daher nicht attraktiv“, erklärt der Ortsbürgermeister. Die Entscheidung der VR-Bank sei unglücklich, müsse man aber akzeptieren.
Mit der Schließung setzt sich damit eine Entwicklung in der Verbandsgemeinde fort: Auch in Ruppertsberg und Forst gibt es bereits keine Möglichkeit mehr zur Bargeldabhebung.