Bad Dürkheim
Transformationen in Stahl: Plastiken von Stefan Forler im Eichhaus
Nach der Premiere im vergangenen Jahr mit Beton-Plastiken der Haßlocher Bildhauerin Gabriele Köbler setzt der Kunstverein Bad Dürkheim seine Ausstellungsreihe im Eichhaus jetzt in Kooperation mit der Künstlervereinigung „Pfälzische Sezession“ mit Werken von Stefan Forler fort. Der in Landau lebende Künstler zeigt Arbeiten aus gebogenem Rundstahl.
Forlers Stahlplastiken sind abstrakt und häufig auch beweglich. In dem nahezu quadratischen, klassizistischen Eichhaus mit seiner Empore und seinen großen Fenstern kontrastieren sie mit den metallenen Relikten aus der Zeit, als dort noch die Winzer ihre Holzfässer eichten. Die Herausforderung der ausstellenden Künstler ist es, die Gerätschaften ästhetisch in die Präsentation zu integrieren. Das gelingt diesmal erstaunlich gut. Die dünnen, hohlen Rohre der alten Eichanlage treten in Dialog mit den aus dickem Rundstahl gebogenen Arbeiten Forlers. Die geraden dünnen Metallgitter des Geländers korrespondieren mit den schlankeren Stäben, die der Künstler ebenfalls mit Biegungen versehen und zu Objekten gemacht hat. Auch die runden Oberlichter „sprechen“ mit den Bögen.
Chaos oder Ordnung, Konflikt oder Kommunikation
Andererseits würde natürlich ein großer, heller, leerer Raum die grafischen Muster, die die reduzierten Kunstwerke in den Raum zeichnen, ohne Ablenkung durch weitere Linien besser zur Geltung kommen lassen. Forler, der 1940 in Lindau am Bodensee geboren wurde, aber in Landau in der Südpfalz aufwuchs, wo er mit einem Meisterbrief als Kunstschmied in der Tasche 1972 auch sein Atelier eröffnete, sieht es gelassen. Er pflegt einen spielerischen Zugang zu seinen Schöpfungen. An einem Objekt, das aussieht wie ein Seil, das mit zwei Augen übereinanderliegt und bei dem dann das obere Auge im 30 Grad-Winkel nach oben klappt, demonstriert er, dass man das 20 Kilogramm schwere Gebilde durchaus auch in einer anderen Position aufstellen könnte. Tatsächlich wirkt es dann anders, das „lose“ Ende, auf dem die Plastik zuvor ruhte, zeigt dann nach oben, wie ein Symbol für Hoffnung. Die „Schlingen“ wirken dynamisch.
Bewegen darf man auch das im Eingangsbereich stehende Kunstwerk: Neun beweglich angebrachte, dünne, gerade Stäbe sind jeweils am oberen Ende gleichförmig leicht gebogen. Sie sind an einer kreisrunden bodennahen Konstruktion angebracht wie Gräser, die in einem runden Beet an der Umrandung angepflanzt sind. Die „Stengel“ sind beweglich. „Manche Menschen drehen die Bögen nach innen, dann wirkt das wie eine Krone“, erzählt der Künstler. Je nach Ausrichtung der gebogenen Enden, ob sie nach innen oder außen zeigen, ob man sie alle gleich oder „chaotisch“ durcheinander anordnet, schafft man unterschiedliche Atmosphären: Konflikt oder Kommunikation, Chaos oder Ordnung.
Bei einem anderen Werk liegt ein dicker Stahlwulst in Schlingen übereinandergelegt auf einem Sockel. Eine Schlaufe steht über, in ihr ist ein dünnerer, gebogener Stab eingehängt. Auch diesen darf man bewegen. Wenn er an den Metallsockel schlägt, erzeugt er blecherne Töne. Forler arbeitet bei Installationen und Performances, die in Bad Dürkheim nicht gezeigt werden können, oft mit Klang und Tanz oder nimmt bewusst Bezug auf die Umgebung wie bei seinem Werk „La fortification de Landau“, das abstrahiert die einstige sternförmige Barockfestung des französischen Festungsbaumeisters Vauban darstellt.
Langjährige Erfahrung mit Form und Material
In der Ausstellung in Bad Dürkheim werden auch „strichförmige“ Plastiken aus dünneren Stäben gezeigt. In einem Objekt könnte man ein Fabeltier sehen, das wie in Kranich auf einem Bein steht und zwei Fühler wie ein Insekt oder Hörner aufweist. Man könnte sie aber auch einfach als abstrakte Linien im Raum deuten. Verschiedene Lesarten sind möglich. Das macht es so interessant. Oder, wie Annette Reich, die stellvertretende Direktorin und Leiterin der Skulpturensammlung des Museums Pfalzgalerie in Kaiserslautern, es beschreibt: „Stefan Forlers souveräne Transformationen in Stahl spiegeln dessen langjährige Erfahrung mit Form und Material wider. Er hinterfragt mit seinen Werken die Wahrnehmung als solche. Außerdem gibt er einen Anstoß, Sichtbares nicht als gegeben hinzunehmen, sondern tiefer und möglichst immer auch aus anderen Perspektiven zu schauen, Phantasie einzusetzen sowie eigene Gedanken und Emotionen zuzulassen. Sicherlich erschließen sich dadurch andere, vielseitige Betrachtungsebenen, die den Blick für Neues öffnen und schärfen.“
Die Ausstellung
Die Ausstellung mit Stahl-Plastiken von Stefan Forler wird am Sonntag, 10. Mai, um 11 Uhr im Eichhaus in der Gerberstraße nahe der Isenach in Bad Dürkheim eröffnet. Zur Einführung spricht Roger Klink, der Vorsitzende der „Pfälzischen Sezession“ aus Bad Dürkheim. Die Schau ist bis 25. Mai zu sehen – und zwar an Christi Himmelfahrt, 14. Mai, 11 bis 17 Uhr, am Wochenende 16./17. Mai von 11 bis 16 Uhr und am Pfingstwochenende, 23.-25. Mai, am Samstag von 15 bis 17 Uhr sowie am Sonntag und Montag 11 bis 15 Uhr.