Neustadt Tiefe Geothermie: Bürgerinitiative zieht Bilanz und informiert

Förderpumpen des Erdwärmekraftwerks von Vulcan in Insheim.
Förderpumpen des Erdwärmekraftwerks von Vulcan in Insheim.

Der erste Geburtstag soll Anlass für eine erste Bilanz sein: Die Bürgerinitiative gegen Tiefe Geothermie in Geinsheim (BIGG) plant für Donnerstag, 12. Oktober, eine Infoveranstaltung und verspricht auch neue Erkenntnisse.

Dass die Karlsruher Firma Vulcan Energie Ressourcen GmbH Ende September 2022 bei einer Veranstaltung in Geinsheim über ihre Pläne informierte, war die Geburtsstunde für die Bürgerinitiative gegen Tiefe Geothermie in Geinsheim (BIGG). Die Gruppe ist seither sehr rege und bündelt den Protest im Weindorf sowie der näheren Region gegen die Vulcan-Pläne. Vor einem Jahr hieß es, auf Geinsheimer Gemarkung solle ein Bohrplatz samt Geothermiekraftwerk und Lithium-Extraktionsanlage entstehen. Der dafür angesetzte Flächenverbrauch von 7,5 Hektar schreckte Bürger auf und führte zusammen mit der Sorge um die Wohnqualität zur BIGG-Gründung. Im Juni 2023 sprachen Vulcan-Vertreter im Neustadter Stadtrat dann davon, dass in Geinsheim nur noch ein Bohrplatz geplant werde, der eine Fläche von 2,5 Hektar beanspruche.

Dietmar von Blittersdorff vom BIGG-Vorstand kennt all diese Angaben – und traut ihnen nicht. Er bemängelt insbesondere die Sprunghaftigkeit in den Vulcan-Aussagen. „Das hat jetzt auch der Stadtrat begriffen“, so von Blittersdorff. Er wisse aktuell nicht: „Worauf können wir uns verlassen, was kommt vielleicht noch auf uns zu.“ Von Blittersdorff betont dabei: „Wir sind nicht gegen Erdwärme und haben das so auch bei der Übergabe unserer Petition an Stadtrat und Stadtspitze im Juli verdeutlicht.“ Dass rund 1900 Bürger die Petition unterzeichnet haben, sei Beleg für die breite Unterstützung in der Bevölkerung – und für die dortigen Sorgen. Um Erdwärme nutzen zu können, müsse man nur etwa 1500 bis 2000 Meter tief bohren, sagt von Blittersdorff. Für die Lithiumgewinnung seien es 4000 bis 5000 Meter – mit höherem Risiko. „Wobei uns klar ist, auch eine Bohrung in 2000 Metern Tiefe ist nicht ohne Risiko und muss hochprofessionell gemacht werden“, so der BIGG-Sprecher.

„Stadt soll sich positionieren“

Außerdem stellen er und seine Mitstreiter infrage, dass Lithium dauerhaft eine so große Rolle bei Batterien spielen werde. „Der Markt ist dynamisch, und das Thema Recycling wird wichtiger werden“, meint von Blittersdorff. Für ihn stelle sich daher die Frage: „Was macht Vulcan, wenn es keine Nachfrage nach Lithium mehr gibt, wir wollen in Geinsheim keine Industrieruine.“ Grundsätzlich fordert die BIGG, dass das Thema Wärmegewinnung in die kommunale Hand gehöre und sich die Stadt mit einem Antrag auf eine Lizenz und Vorarbeiten hinter den Kulissen positionieren solle. „Es kann ja nicht sein, dass eine Stadt wie Neustadt eine Wärmeplanung erstellen muss, bei der dann Erdwärme eine Rolle spielt. Aber an die Erdwärme kommt sie selbst nicht ran“, so von Blittersdorff. Auch Forschungen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) widersprächen den optimistischen Vulcan-Annahmen und hinterließen bei der BIGG Zweifel. So vermisse er einen Nachweis, dass die von Vulcan skizziere Lithium-Extraktion tatsächlich funktioniere.

Im Sinne der Sache will BIGG auch den ersten Geburtstag nutzen – mit einem Infoabend: am Donnerstag, 12. Oktober, ab 19 Uhr, im MGV-Sängerheim. „Es wird die erste große Veranstaltung unter BIGG-Regie sein, davor hatten Stadt und Ortsvorsteherin eingeladen“, so von Blittersdorff. Er und sein Team haben ein gut zweistündiges Programm ausgearbeitet. Dabei geht es in Kurzreferaten um eine kleine BIGG-Bilanz, die „sprunghafte Planung“ von Vulcan sowie allgemein um Lithium und Tiefe Geothermie. BIGG lädt auch Betroffene ein, die über Rüttelschäden an ihren Häusern und die Schadensregulierung berichten. Rund um die Beiträge gebe es jeweils Gelegenheit, Fragen zu stellen, versichert von Blittersdorff.

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