Haßloch RHEINPFALZ Plus Artikel Theater im Hof zeigt „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweiler“

Derzeit wird noch eifrig geprobt, bevor sich am 12. Juni zum ersten Mal der imaginäre Vorhang hebt.
Derzeit wird noch eifrig geprobt, bevor sich am 12. Juni zum ersten Mal der imaginäre Vorhang hebt.

Eine Goethe-Posse findet ab 12. Juni mit dem Theater im Hof und in der sinnträchtigen Kulisse des Ältesten Hauses in Haßloch statt.

Hinter dem mächtigen Holztor im Hof des Ältesten Hauses in der Haßlocher Gillergasse herrscht geschäftiges Treiben – Requisiten werden beigeschafft, die Damen tauschen Jeans und Top gegen Rüschenbesetztes, das bis zu den Füßen reicht. Ein bisschen fühlt es sich an wie die lebensfrohe Anarchie der Gaukler. Und ein wenig Premierenfieber ist auch schon spürbar in der Luft an diesem schweißtreibend heißen Probenabend inmitten der ersten Hochsommerwelle des Jahres.

Am 12. Juni wird sich der imaginäre Vorhang des Theaters im Hof erstmals heben, um die aktuelle Produktion „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweiler“ in Regie und unter Mitwirkung von Armin Jung der Publikumsgunst anheim zu stellen. Es handelt sich dabei um eine Posse, die der 24-jährige Johann Wolfgang Goethe (damals noch ohne das „von“) wohl unter dem Eindruck verschiedener Handelsmessen, die er unter anderem in Leipzig besucht hatte, für Weimar geschrieben hat. Eine zweite, überarbeitete Fassung von 1778 kam dann im Folgejahr in Schloss Ettersberg zur Uraufführung. Und dabei verkörperte Goethe selbst gleich drei der Bühnenrollen.

Kulissen quasi überflüssig

Peter Hacks, lange Zeit einer der meistgespielten Autoren auf deutschen Bühnen, hat sich Anfang der 1970er Jahre des Stoffs bearbeitend angenommen, nicht ohne die Verhältnisse seiner DDR-Heimat behutsam verklausuliert darin zu streifen. Und auch Armin Jung, der sich für eben diese Fassung entschieden hat, nahm noch die eine oder andere kleine Korrektur vor. „Was mir unter anderem gefällt an diesem Stück, ist das Spiel im Spiel“, so der Regisseur. „Die Rahmenhandlung, ein Gaukler- und Schaustellerfest auf dem Lande, passt vorzüglich in die Atmosphäre unseres Spielortes, diesem Hof mit seinen Fachwerkfassaden, der jede Kulisse fast überflüssig macht.“

Und da, sozusagen im Souterrain des Geschehens, herrscht das pralle, das bodenständige Leben. Da geben sich Magister, Gendarm, Amtsdiener, das Jungfräulein und die Muhme, aber auch zwei Strolche und eine Silhouettenschneiderin, nicht zuletzt der Bänkelsänger turbulente Stelldicheins. Da geht es locker-leicht, zuweilen auch etwas frivol zur Sache – Volkes Stimme, ganz ungeschminkt. Und zuweilen in fröhlichem Bänkel- und Moritatengesang auch musikalisch aufbereitet. Im lokalen Zentrum des Geschehens freilich ist ein Podium platziert. Und da wirbt eine Schaustellertruppe für ihr durchaus ernstes Bühnenspektakel um die Gunst des Jahrmarktspublikums.

Gespielt wird eine alttestamentarische Geschichte, und es geht um Esther, die schöne Königin und Ehefrau des persischen Königs und Emporkömmlings Ahasverus, die im Kampf gegen den intriganten Günstling Haman den aufrechten Mordechai unterstützt und letztlich ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung abzuwenden weiß.

Schaustellerische Wundertüte

„Peter Hacks hat Goethes Sprache – sagen wir: für heutige Ohren etwas goutierbarer, diesseitiger gemacht. Die Jahrmarktszenen sind ebenfalls abgewandelt“, erläutert Armin Jung, „es fügt sich zu einer herrlichen Mischung aus Ernsthaftigkeit, etwas „Sturm und Drang“ und bodenständigem Humor. Im Grunde eine schaustellerische Wundertüte in der prickelnden Ambivalenz zwischen Tragödie und Komödie.“ Was am Ende die Oberhand behält, bleibt bei Goethe offen, ungeachtet dessen, dass die biblische Schilderung im Buch Esther gut ausgeht.

Ein gutes Dutzend weiblicher und männlicher Akteure ist im Stück besetzt. „Dank unserer sehr gut bestückten Märchenbühne lassen sich auch immer wieder junge Talente ins Erwachsenentheater hinübernehmen“, lobt Armin Jung. Und mit Technik, Kulissenbauern, Kostüm- und Maskenbildnerinnen arbeitet ein ganzes Heer von ehrenamtlichen Theater-Freaks im Hintergrund dem Bühnengeschehen zu. Der Zuschauerraum sei nochmals erweitert worden, so dass 180 bis 200 Sitzplätze zur Verfügung stehen an den diesmal drei Aufführungswochenenden. Dass er ursprünglich die „Mutter Courage“ des vor 70 Jahren verstorbenen Bertold Brecht im Blick hatte, erwähnt Armin Jung am Ende. „Aber die ist nur zurückgestellt, auch die wird noch kommen“, verspricht er.

Termin

Premiere von „Der Jahrmarkt zu Plundersweiler“ ist am Freitag, 12. Juni, 20.30 Uhr. Weitere Termine sind am 13., 26., 27. Juni sowie 3. und 4. Juli, jeweils 20.30 Uhr. Tickets gibt es bei Chaoskeller, Jahnplatz 6, sowie unter www.kulturverein-hassloch.de.

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