Gesundheitssport
SV Meckenheim bietet onkologischen Rehasport an: Lachen ist erwünscht
Der genaue Termin, wann es losgeht, steht noch nicht fest. Tatsache ist aber: Der SV Meckenheim startet im Mai mit einem neuen Angebot, mit einer onkologischen Rehasportgruppe. Monique Zabel wird die Gruppe mit maximal 15 Teilnehmern betreuen.
Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum erkranken in jedem Jahr etwa 493.200 Menschen in Deutschland an Krebs (Stand 2020). 2021 starben insgesamt 227.890 Menschen an dieser Krankheit. Krebskranke Männer sind demnach vor allem von Prostatakrebs betroffen (25,1 Prozent), Frauen von Brustkrebs (30,5 Prozent). In der Meckenheimer onkologischen Rehasportgruppe ist es indes egal, welche Krebsart ein Patient hat. „Auch das Alter spielt keine Rolle“, betont Monique Zabel. „Es darf jeder kommen, egal, wie lange die Krebserkrankung auch her ist.“ Auch Krebspatienten, die noch in einer Chemo- oder Strahlentherapie seien, seien willkommen. Ebenso solche, die vor ihrer Erkrankung noch keinen Sport getrieben hätten.
Angekratztes Selbstwertgefühl
Zabel macht vor allem Männern mit Prostatakrebs Mut, in die Gruppe zu kommen und sich gemeinsam zu bewegen. „An Brustkrebs erkrankte Frauen gehen eher in solche Gruppen, weil Brustkrebs kein Tabuthema mehr ist“, weiß die gelernte Physiotherapeutin. Anders sei das bei Männern mit Prostatakrebs, die meist unter Inkontinenz litten. Zabel weiß: „Das Selbstwertgefühl ist bei jedem angekratzt.“
Deshalb geht es der Meckenheimerin in den Übungseinheiten nicht alleine darum, die körperliche Situation zu verbessern, sondern auch zu merken, „dass man mit Krebs nicht alleine ist“. Der Austausch in der Gruppe sei da, verspricht sie. Der Vorteil eine Rehasportgruppe: Es gebe keine reine Funktionsgymnastik. „Ich will Menschen mit Sport und Spiel und Freude in Bewegung bringen“, kündigt die 40-jährige Mutter zweier Kinder an. „Es gibt wirklich kleine Bewegungsspiele.“
Lachen ist erwünscht
Zabel hat zuvor die 50-plus-Gruppe im SV Meckenheim für Menschen über 50 Jahre betreut. Eine Frau dort habe sich einmal bei ihr entschuldigt, weil sie in der Übungsstunde so viel gelacht hätten – sie nähmen die Übungen schon ernst, erinnert sich Monique Zabel schmunzelnd. „Wenn ihr hier rausgeht und mindestens einmal gelacht habt, bin ich zufrieden“, hatte Zabel seinerzeit geantwortet.
Die Physiotherapeutin am Klinikum in Ludwigshafen betont, dass es inzwischen nachgewiesen sei, dass die Nebenwirkungen von Chemo-, Strahlen- oder Antihormontherapie sich bei regelmäßiger Bewegung reduzierten, ebenso das Risiko einer Neuerkrankung. In früheren Zeiten habe ein Krebskranker Ruhe verordnet bekommen. Sportwissenschaftler Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln habe als einer der Ersten Versuche mit einem Bewegungsprogramm für Krebspatienten gestartet, erzählt Zabel. In einem Interview mit dem Deutschland-Funk hatte der Leiter der AG Onkologische Bewegungsmedizin der DSHS und der Uni Köln darauf hingewiesen, dass Bewegung Nebenwirkungen verhindern oder lindern könne, wie etwa das Erschöpfungssyndrom bei einer Chemotherapie.
Studie mit Brustkrebspatientinnen
Monique Zabel erzählt von einer Studie, in der es darum gegangen sei, ob für Brustkrebspatientinnen eine Therapie zum Entspannen oder eine mit Krafttraining besser sei. Das Ergebnis: In beiden Versuchsgruppen hätten sich die Teilnehmerinnen sehr positiv über ihre Therapie geäußert.
Das Klinikum in Ludwigshafen habe mit der DSHS zusammengearbeitet. Mit ihrer Kollegin Anke Lang habe sie für Patienten in der Tagesklinik ein Programm zur onkologischen Trainings- und Bewegungstherapie (OTT) entwickelt, in dem es um Krafttraining, allgemeine Beweglichkeit, Atmung und Entspannung gehe. „Wir haben es Onkoletics genannt“, verrät Monique Zabel, die dann in Elternzeit gegangen ist.
Zuerst im Kinderturnen
„Ich konnte mir aber nicht vorstellen, gar nichts zu machen“, gesteht die zweifache Mutter und lacht. Früher habe sie ebenfalls Übungsstunden in einem Fitnessstudio gegeben. „Ich wollte in der Elternzeit was mit Bewegung machen.“ Sie habe Menschen dazu animieren wollen, sich freiwillig zu bewegen. „Ich bin dann erst mal zum Kinderturnen gekommen“, sagt Zabel. Es folgte Gymnastik für junge Mütter mit Schwerpunkt Beckenboden und Muttersein. Als die 50-plus-Gruppe gedroht habe auszulaufen, „bin ich da eingestiegen“. Dabei habe sie im Sportverein mitbekommen, dass das in der Corona-Zeit weggebrochene Thema Rehasport wieder aufgekommen sei. Vor der Pandemie hatte der SV Meckenheim verschiedene Rehasportgruppen. Inzwischen hat Monique Zabel eine Fortbildung für Rehasport absolviert.
Starttermin noch offen
„Die klassischen Physiotherapie wird Patienten kaum aufgeschrieben, weil sie zu teuer ist“, weiß die Physiotherapeutin. Rehasport hingegen sei eine kostengünstigere Alternative. „Man bekommt vom Arzt die ärztliche Verordnung für Rehabilitationssport Nummer 56 – die muss man seiner Krankenkasse zur Kostenzusage vorlegen“, erklärt Zabel das Prozedere. Teilnehmer am Rehasport im SV Meckenheim müssten keine Vereinsmitglieder sein. Aus versicherungstechnischen Gründen würden sie zwar Mitglieder, „müssen aber mit der Verordnung Nummer 56 keinen Beitrag zahlen“. Lehne eine Krankenkasse die Kostenübernahme für den onkologischen Rehasport ab, „haben wir noch das Angebot, als Vereinsmitglied mitzumachen“ – allerdings gegen eine zusätzliche Gebühr. Dass der SV Meckenheim noch nicht den genauen Starttermin der onkologischen Rehasportgruppe nennen kann, hängt übrigens damit zusammen, dass der dazu nötige Antrag des Vereins noch beim Behindertensportverband liegt, erklärt Zabel. Geplant sei das neue Angebot künftig ab Mai dienstags von 10.30 bis 11.15 Uhr in der Meckenheimer Verbandsgemeinde-Sporthalle an der Rödersheimer Straße.
Monique Zabel ist von der positiven Wirkung von Bewegung überzeugt. „In Onkoletics haben wir den Patienten vor jeder Bewegungsstunde einen Fragebogen zum Ausfüllen gegeben: Hast du Schmerzen? Wie ist deine Gefühlslage? Gibt’s Bewegungseinschränkungen?“ Direkt nach der Stunde hätten die Teilnehmer diesen Fragebogen noch einmal ausfüllen müssen. „Nach einer Bewegungseinheit hatten sich die Schmerzen reduziert, hatte sich die Stimmung des Einzelnen verbessert“, berichtet die Physiotherapeutin begeistert vom verbesserten subjektiven Empfinden der Teilnehmer. „Der größte Punkt ist: Ich habe mir jetzt was Gutes getan“, sagt sie zur Bedeutung des Rehasports. Somit stärke man seinen Selbstwert. Und seine Laune, hofft Zabel doch darauf, dass im onkologischen Rehasport des SV Meckenheim ebenfalls viel gelacht wird. „Auch für einen Krebspatienten ist es wichtig, dass er einmal seine Situation vergisst.“
Kontakt
- Wer sich für die onkologische Rehasportgruppe des SV Meckenheim interessiert oder dafür bereits anmelden möchte, mailt an Monique Zabel, m.zabel@sv05meckenheim.de.
Wer mitmachen möchte, braucht vom Arzt die Verordnung Nummer 56 – diese muss man seiner Krankenkasse zur Genehmigung vorlegen. In der Sportstunde selbst benötigen die Teilnehmer bequeme Kleidung, Hallenschuhe, etwas zu trinken, ein Handtuch und eine Gymnastikmatte.