Lindenberg
Survival-Kurse im Pfälzerwald: Worauf es beim Überleben in der Natur ankommt
Herr Prokasky, als Survival-Fan versuchen Sie, mit möglichst wenig Ausrüstung in der Natur zu überleben. Warum tut man sich das freiwillig an?
Mich hat das Thema schon als Kind fasziniert. Ich fand es immer spannend, dass Tiere in der Natur selbstverständlich zurechtkommen, während wir Menschen viele dieser Fähigkeiten verloren haben. Mitte zwanzig habe ich dann angefangen, mich intensiver damit zu beschäftigen, viel zu recherchieren und mich zu fragen, was man wirklich braucht, um draußen klarzukommen. Irgendwann wollte ich das nicht nur theoretisch verstehen, sondern praktisch ausprobieren und habe mit zwei Freunden den ersten mehrtägigen Trip gemacht. Danach war für mich klar: Es kann funktionieren, aber nur, wenn man bereit ist, viel zu lernen.
Was reizt Sie daran? Naturverbundenheit oder Grenzerfahrung?
Ich würde sagen: beides. Zum einen bin ich einfach unglaublich gern draußen. Ich mag diese Ruhe, dieses Reduzierte, dieses Direkte. In der Natur wird vieles klarer, weil man sich auf das Wesentliche konzentriert. Zum anderen spielt natürlich auch die persönliche Herausforderung eine große Rolle. Mich hat schon immer interessiert, wo die eigenen Grenzen liegen, wie man mit Unsicherheit umgeht und ob man in einer ungewohnten Situation handlungsfähig bleibt. Survival ist für mich deshalb nicht nur Naturerlebnis, sondern immer auch ein Test: Wie handlungsfähig bleibe ich? Wie gut kann ich Probleme lösen? Und wie weit komme ich mit dem, was ich weiß und kann?
Wann wurde aus dem eigenen Abenteuer das Unternehmen „Pfalzventure“, mit dem Sie heute auch Kurse für andere anbieten?
Das hat sich ganz organisch entwickelt. Irgendwann haben Freunde und Bekannte gefragt, ob ich sie mal mitnehme oder ihnen etwas zeige. Da habe ich gemerkt, dass Interesse da ist, und dass es mir großen Spaß macht, Wissen weiterzugeben. Der entscheidende Schritt kam dann mit einem geeigneten Grundstück in Lindenberg, das wir in der Familie haben. So konnte ich das Ganze auf eine feste Basis stellen und meine Kurse professioneller aufbauen mit Basecamp und umliegender Natur.
Wie gut eignet sich der Pfälzerwald für ein Survival-Training?
Der Pfälzerwald hat einige Vorteile. Hier gibt es keine Tiere, die einem ernsthaft gefährlich werden könnten, wenn man mal von Zecken absieht. Wildtiere wie Wildschweine können zwar problematisch sein, aber meist nur, wenn man sich falsch verhält oder sie überrascht. Mit dem richtigen Verhalten lassen sich solche Risiken gut vermeiden. Auch bei den Pflanzen ist es vergleichsweise überschaubar. Es gibt zwar giftige Arten, aber die meisten werden erst beim Verzehr gefährlich. Insgesamt ist die Region gut handhabbar, auch klimatisch. Für Kurse ist der Pfälzerwald deshalb ideal, weil man viel zeigen und üben kann, ohne die Teilnehmer direkt in extreme Situationen zu bringen.
Sie unterscheiden zwischen Survival und Bushcraft. Wo liegen die Unterschiede?
Survival und Bushcraft hängen eng zusammen, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Beim Survival geht es darum, in einer Notsituation mit dem auszukommen, was vorhanden ist – also etwa Wasser zu finden, Wärme zu sichern, sich vor Kälte oder Nässe zu schützen und die Orientierung zu behalten. Bushcraft dreht sich stärker ums Bauen, Herstellen und Improvisieren mit natürlichen Materialien, zum Beispiel für einen Unterschlupf oder einfache Hilfsmittel. In meinen Kursen greift beides oft ineinander. Denn wer mit wenig Ausrüstung unterwegs ist, muss sich vieles selbst schaffen.
Das klingt ziemlich abenteuerlich. Für wen eignen sich die Kurse?
Viele verbinden Survival sofort mit Extremen. Dabei sind grundlegende Fertigkeiten wie Feuer machen, Erste Hilfe, Wasser sicher aufbereiten oder ein einfacher Wetterschutz eigentlich Dinge, die jeder beherrschen sollte. Meine Kurse sind deshalb so aufgebaut, dass auch Einsteiger gut mitkommen. Es gibt einfache Einstiegsformate ohne Übernachtung, in denen Grundlagen vermittelt werden, ohne dass man gleich an die eigene Grenze gehen muss. Daneben biete ich intensivere Kurse mit Übernachtung und Szenario an, die sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet sind. Wie anspruchsvoll es wird, steuere ich vor allem über die Ausrüstung. Für Teilnehmer mit Vorerfahrung gibt es außerdem mehrtägige Kurse, die bewusst anspruchsvoller angelegt sind.
Sie sind viel im Wald unterwegs. Was unterschätzen Menschen in der Natur am häufigsten?
Vor allem unterschätzen viele, wie wichtig es ist, Ruhe zu bewahren. In einer echten Notsituation ist der erste Impuls oft: sofort loslaufen, sofort irgendetwas tun. Aber genau das ist häufig der falsche Weg. Das Wichtigste ist erst einmal, einen klaren Kopf zu behalten, kurz innezuhalten und sich zu fragen: Was ist gerade eigentlich das Problem? Welche Möglichkeiten habe ich? Was hat jetzt Priorität? Diese Reihenfolge ist entscheidend.
Welche Dinge sollte man unterwegs immer dabei haben?
Das Wichtigste ist der Kopf. Wer draußen ruhig bleibt, hat schon viel gewonnen. Zur Ausrüstung gehören für mich ein Messer, ein Feuerzeug, Schnur, ein Erste-Hilfe-Set und natürlich ein Handy. Gerade das Handy wird oft belächelt, kann im Notfall aber enorm wichtig sein. Auch eine Rettungsdecke kann Gold wert sein, weil sie sehr vielseitig einsetzbar ist. Im Ernstfall geht es nicht darum, möglichst romantisch auszusehen, sondern handlungsfähig zu bleiben.
Was war das Längste, das Sie selbst bisher im Wald „überlebt“ haben?
Im Pfälzerwald waren es, glaube ich, etwa drei Tage. Im Ausland waren es sieben Tage, länger habe ich es bisher nicht ausgereizt. Mir ging es dabei auch nie darum, einfach nur einen Rekord aufzustellen. Entscheidend war für mich eher die Frage: Funktioniert das, was ich mir erarbeitet habe, auch wirklich in der Praxis. Wenn Wasser, Feuer, Schutz und Orientierung gesichert sind, dann merkt man irgendwann, dass der schwierigste Teil geschafft ist. Danach geht es vor allem ums Durchhalten und um Nahrungsbeschaffung.
Gab es Momente, in denen es wirklich kritisch wurde?
Ja, gerade am Anfang gab es solche Momente. Vor allem bei essbaren Pflanzen kann man sich schnell täuschen oder etwas mit einem giftigen Doppelgänger verwechseln. Das ist mir selbst passiert, und ich habe das deutlich zu spüren bekommen. Beim Survival geht es um Wissen, Übung und Respekt vor der Natur. Dazu gehört auch, keine Spuren zu hinterlassen, Pflanzen nicht unnötig zu schädigen und bewusst mit Feuer und Gelände umzugehen. Wer draußen unterwegs ist, sollte die Natur nicht beherrschen wollen, sondern lernen, sich verantwortungsvoll in ihr zu bewegen.
Info
Die Survival- und Bushcraft-Kurse finden jeweils in Lindenberg statt. Weitere Informationen gibt es unter www. pfalzventure.de.
Zur Person
Robert Prokasky ist 37 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Neustadt. Hauptberuflich arbeitet er als Elektroingenieur in der Automobilbranche, nebenberuflich bietet er mit seinem Unternehmen „Pfalzventure“ Survival-Kurse im Pfälzerwald an. Erfahrung als Trainer bringt er auch aus einem anderen Bereich mit: Seit rund 15 Jahren leitet er die Parkour-Abteilung des TuS Haardt.
