Bockenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Stimme des Himmels: Konzertreihe feiert Jubiläum der Walcker-Orgel in der Lambertskirche

Timo Benß an „seiner“ Walcker-Orgel in Bockenheim.
Timo Benß an »seiner« Walcker-Orgel in Bockenheim.

Ihren 100. Geburtstag feiert in diesem Jahr die schöne, spätromantisch disponierte Walcker-Orgel in der Lambertskirche in Bockenheim – für die beiden „Hausorganisten“, Simone Schatto und Timo Benß der Anlass zu einer kleinen Reihe von zwölf Kurzkonzerten zu verschiedenen Themenschwerpunkten, die übers Jahr immer am zweiten Montag des Monats stattfinden sollen. Den Auftakt dieser „Bockenheimer Serenaden“ in der kommenden Woche übernehmen die beiden selbst.

„Es handelt sich um kurze Abendkonzerte in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs Serenade“, erklärt Benß, der sich auch als Presbyter in der Kirchengemeinde engagiert, seine Brötchen aber als Redakteur der RHEINPFALZ in Ludwigshafen verdient. Bei den jeweils etwa halbstündigen Konzerten mit wechselnden Interpreten sollen die Besonderheiten und Vorzüge des von der renommierten Ludwigsburger Orgelbaufirma Walcker gefertigten Instruments ins richtige Licht gerückt werden, das mit zwölf Registern zwar eher klein, aber durchaus auch konzertant sehr gut einsetzbar ist. Schon im Jahresbericht der Kirchengemeinde von 1925, dem Jahr, in dem die Orgel am Karfreitag eingeweiht wurde, heißt es: „Die Gemeinde Großbockenheim hat eine Orgel erhalten, welche nicht nur den gottesdienstlichen Bedürfnissen vollauf genügt, sondern zugleich auch als Konzertinstrument gesteigerte Ansprüche befriedigen kann.“

Orgel kombiniert mit DJ-Klängen? Kein Problem!

Beim ersten Konzert am kommenden Montag wollen Benß und Schatto „ihre“ Orgel und deren Technik zunächst einmal mit Klangbeispielen und kurzen Stücken vorstellen. Im weiteren Jahresverlauf gibt es thematische Konzerte zur deutschen und französischen Romantik, aber auch Experimente wie die Kombination mit Schlagzeug oder Gitarre, bei denen es dann durchaus auch in Richtung Jazz oder Folk gehen kann. Die Grünstadter Bezirkskantorei Katja Gericke-Wohnsiedler widmet sich am 14. April speziell Kompositionen aus dem Einweihungsjahr 1925. Schon im März stellt Simone Schatto in Kooperation mit dem Gesangverein Bockenheim die Orgel als Begleitinstrument für Gesang vor. Im Juni wird das altehrwürdige Instrument mit ungewohnt neuen Klängen kombiniert, wenn Benß gemeinsam mit DJ Olde auftritt, der seit über zehn Jahren in Clubs und auf Partys in ganz Europa auflegt. Hinter dem Künstlernamen verbirgt sich der Speyerer Jannis Schreiner, der als IT-Administrator für die evangelische Landeskirche arbeitet. Und zum Abschluss am 8. Dezember geht es unter dem Titel „Voix celeste: Die Stimme des Himmels“ um eine Besonderheit der Bockenheimer Orgel, das Register „Vox coelestis“, mit dem sich ein besonders schwebender Klang erzeugen lässt.

Für ihr Alter ist die Jubilarin übrigens noch in beeindruckend gutem Zustand. Sie wurde 2016/17 restauriert, doch bis auf Verschleißteile konnte damals fast alles erhalten werden. Von ihrem Klangbild her weise die Orgel ohnehin auf noch ältere Zeiten zurück, erklärt Benß. Weil gerade solche spätromantischen Orgeln vielerorts später „kaputtsaniert“ wurden, ist man in Bockenheim umso froher über den Schatz.

Noch Fragen?

Die Konzerte der „Bockenheimer Orgelserenade“ finden am 13. Januar, 10. Februar, 10. März, 14. April, 12. Mai, 9. Juni, 14. Juli, 11. August, 8. September, 13. Oktober, 10. November und 8. Dezember jeweils ab 19 Uhr in der protestantischen Lambertskirche in Bockenheim statt. Der Eintritt ist frei. Spenden kommen der kirchenmusikalischen Arbeit zugute.

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