Neustadt
Serie: Familiensache Politik – Wie funktioniert ein SPD/FDP-Haushalt?
Kommunalpolitik prägt das eigene Leben. Die Engagierten bekommen Einblicke in die Abläufe hinter den Kulissen und können Entwicklungen gestalten. Bei Ute Jausel und Pascal Bender brachte ihr Ehrenamt eine ganz besondere persönliche Wendung, die bis zur Hochzeit und einer gemeinsamen Familie führte. „Wir haben uns in der Kommunalpolitik kennengelernt“, sagt Ute Jausel. Sie ist FDP-Mitglied, gehörte bis zur Wahl im Juni 15 Jahre lang dem Stadtrat an und ist seit 1999 zudem Ortsbeirätin in Hambach. Im Stadtrat saß sie kurioserweise im Halbrund direkt ihrem Mann gegenüber. Pascal Bender ist im Stadtrat weiterhin SPD-Fraktionsvorsitzender (2009 wurde er erstmals in den Stadtrat gewählt), zudem ist er seit 2004 Mitglied des Hambacher Ortsbeirats und seit Juni Ortsvorsteher in Hambach. Beide sind überzeugt von ihren Ehrenämtern: „Es geht uns um Hambach und Neustadt, nicht um die übergeordneten Ebenen“, sagt Pascal Bender.
Ute Jausel bekräftigt: „Wir reden kaum über Bundespolitik. Zu Hause haben wir spannendere Themen.“ Zudem hätten sie in ihrem Alltag sehr viele Schnittmengen, die wichtiger seien als Parteibücher. Beide sind selbstständig – Jausel als Anwältin, Bender leitet ein Versicherungskontor. Und auch in der Kommunalpolitik zählten primär die Sachfragen und Themen vor Ort. „Am wichtigsten ist das Verständnis füreinander und für die Termine und Verpflichtungen des anderen“, sagt Jausel. Die seien bei Pascal Bender durch die Übernahme des Ortsvorsteheramtes noch etwas mehr geworden. „Aber ich bin angetan, genieße Vertrauen und Unterstützung“, sagt Bender. „Wichtig ist, dass es dem Ortsbeirat und meinen Stellvertretern um Hambach geht. So können wir gemeinsam etwas bewegen. Das zählt.“
Redepause nach den Sitzungen
Auch den Bruch der Berliner Ampel-Koalition hat das Paar zwar interessiert, aber auch recht gelassen verfolgt. Beide sind gerade im gemeinsamen Jahresurlaub – und den wollen sie sich von der Bundespolitik nicht vermiesen lassen. Beim Plaudern zeigt sich dann, wie ein kommunalpolitischer Ehealltag funktionieren kann – noch dazu, wenn zwei Parteien im Spiel sind. Bender sieht das gelassen und ordnet sich ohnehin der „sozialliberalen Ecke“ zu. Ute Jausel wirft ein: „Wir kriegen uns politisch auch mal in die Wolle.“ Aber das komme sicher bei vielen Paaren vor. Beide hätten vor allem nach Sitzungen einen guten Weg entwickelt, um das Private vom Ehrenamt zu trennen. „Direkt nach Stadtratssitzungen reden wir dann nicht mehr viel über die Themen“, so Jausel. Im Auto grummele man vielleicht mal kurz: „Hättet ihr nicht mal weniger sagen können.“
Speziell nach langen Arbeitstagen und anstrengenden Sitzungen komme das vor. „Immer abhängig auch, wie hungrig man dann ist“, so Jausel augenzwinkernd. Bender beschreibt die Erfolgsformel so: „Ich bin kein Parteiideologe, sie auch nicht.“ Wichtiger sei, dass die Kinder das politische Engagement der Eltern mitgetragen hätten. Da kommen auch mal Fragen zu Themen. „Das freut mich, wenn man Zusammenhänge erklären kann“, sagt Bender. Dass es beim inzwischen erwachsenen Nachwuchs politisches Interesse und auch Bereitschaft, sich selbst einzubringen, gebe, finde er großartig. Bender freut sich, dass ein Sohn SPD-Mitglied ist, Jausel ist stolz, weil der andere Sohn bereit war, auf der FDP-Liste für den Ortsbeirat zu kandidieren. „Ohne Parteimitglied zu sein. Das geht ja auch, es zählt ja das Engagement.“ Zudem engagiert sich die Tochter nun als Weinprinzessin für Hambach. „Sie wollte und kam auf uns zu, warum wir sie nicht fragen“, erinnert sich Jausel. „Ganz am Anfang hatte ich immer Babysitter, um überhaupt zum Ortsbeirat gehen zu können.“
Termine werden montags koordiniert
Allerdings hätten die Kinder auch für den einzigen Moment gesorgt, in dem Jausel und Bender in einer Sitzung mal wirklich unruhig wurden. Die Kinder waren schon groß genug, um allein daheim zu bleiben. „Aber dann kam eine Whatsapp, dass sie sich etwas kochen“, sagt Bender. Er habe sofort durch den Sitzungssaal zu seiner Frau geschaut und gesehen, dass sie plötzlich sehr angespannt war. „Ich bin dann auch mal schnell nach Hause gefahren“, erinnert sich Jausel. Sie achten darauf, an den Wochenenden möglichst keine politischen Termine und Zeit für die Familie zu haben. Solche Freiräume seien für alle sehr wichtig. Dann klappe es unter der Woche auch besser mit den Terminen. „Die koordinieren wir dann meist am Montagmorgen“, so Bender.
Er schätzt seine Frau als wichtige Ratgeberin und Diskussionspartnerin, auch mit Blick auf die Ortsvorsteheraufgaben. Dass es im Stadtrat nun eine Koalition von CDU, FWG und FDP, aber nicht mit der SPD gibt, sehen Jausel und Bender gelassen. „Mir war das schnell klar“, so Bender. Jausel ergänzt: „Ich war ja nicht direkt involviert.“ Ohnehin: Das Thema „haben wir zu Hause ausgespart, denn wir haben Besseres zu tun, als Geheimnisse weiterzutragen“. Bender erinnert sich zudem an die Zeiten der Jamaika-Koalition: „Sie wusste dann halt vieles, was ich nicht wusste. Aber ich habe da auch nicht den Drang, sie auszufragen.“
Was Ute Jausel bei aller Begeisterung für das Ehrenamt Kommunalpolitik und weiteres Engagement – beide Eheleute engagieren sich nämlich über die Politik hinaus unter anderem auch im Reiterverein (Jausel) oder beim Kulturverband (Bender) – ärgert: „Manche sagen dann: Ihr müsst überall dabei sein. Dabei geht es doch darum, Aufgaben zu übernehmen. Jemand muss es machen. Nur meckern reicht nicht.“ Und solange sich niemand anderes finde und sie beide Spaß hätten an ihren Tätigkeiten, bleiben sie auch mit Begeisterung dabei. „Politik ist ein Hobby. Es kann auch mal anstrengend sein. Aber es schön zu sehen, dass man etwas bewegen kann. So wie jetzt mit der Landesgartenschau“, sagt Bender.
Die Serie
Die Kommunalwahlen im Juni haben gezeigt. Es wird für Parteien und politische Gruppen immer schwieriger, politisch Engagierte zu finden. Auffällig ist dabei: Aus manchen Familien kommen gleich mehrere Mandatsträger. In dieser Serie stellen wir sie vor und zeigen auf, wie Politik als Familiensache so funktioniert.