Neustadt
Serie: Familiensache Politik – Ein Ehepaar mit Geheimnissen
Fabienne Gerau-Frisch und Christian Gerau sind echte Neustadter. Sie ist in Lachen-Speyerdorf aufgewachsen, er kommt aus der Kernstadt, hat aber schon immer familiäre und private Beziehungen in den Ortsteil im Nordwesten der Stadt gepflegt. Bekanntschaft miteinander machen die beiden aber erst 2014, als Gerau die Krönung seiner zukünftigen Frau zur Weinprinzessin moderiert. „Damals war ich gerade 18 und habe noch nicht den Mann fürs Leben gesucht“, erklärt Gerau-Frisch. Aber ab da laufen sich die vielfältig Engagierten immer wieder über den Weg.
Als Weinprinzessin kommt Gerau-Frisch mit vielen Lokalpolitikern ins Gespräch und merkt: Ihr macht es Spaß zu diskutieren und in den Runden ihre eigene Meinung zu vertreten. Sie macht sich über die Positionen der kommunalen Parteien kundig und entscheidet sich letztlich für die CDU. Gerau „war schon immer politisch interessiert“, sagt der 36-Jährige. Erste Versuche unternimmt er noch unter SPD-Flagge, nach einer Pause wechselt er zu den Christdemokraten.
„Man diskutiert anders“
Dass da vielleicht mehr zwischen ihnen ist, merken sie bei der Entschärfung einer Granate aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Jahnplatz 2020. Er ist als Teil der Technischen Einsatzleitung der Feuerwehr vor Ort, sie als stellvertretende Ortsvorsteherin. „So richtig gefunkt hat es dann in der Pandemie, da haben wir viel geschrieben“, erinnert sich Gerau-Frisch. In der Zeit lernen sie die Person hinter der amtlichen Funktion kennen. Gerau war bis Mitte dieses Jahres in der Feuerwehr und engagiert sich weiter als Sitzungspräsident des Karnevalclubs Rot-Weiss und als Mitglied des TKS-Aufsichtsrats, Gerau-Frisch als Vorsitzende des Fördervereins Lachen-Speyerdorf und indes als Teil des Elferrats beim KC.
Was Dorf und Stadt bewegt, sei des öfteren Thema am Küchentisch. Ist man als Eheleute immer einer Meinung? „Nö“, sagen beide unisono. Aber man schätze die Perspektive des anderen, die bei Gerau mehr aus der Parteiarbeit heraus, bei Gerau-Frisch mehr von Gesprächen mit Bürgern geprägt sei. „Man diskutiert schon anders, wenn beide Politik machen“, sagt Gerau, der nicht nur als CDU Partei- und Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat Lachen-Speyerdorf, sondern auch als stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbands auftritt. Aus dem Kreisvorstand hat sich seine Frau zugunsten ihrer Tätigkeiten als Ortsvorsteherin und Stadträtin zurückgezogen.
Nicht immer einer Meinung
Obwohl sie in derselben Partei sind, seien sie sich nie in die Quere gekommen, „selbst wenn wir nicht bei allen Abstimmungen einer Meinung sind“, sagt die 30-Jährige. „Davon lebt Politik“, ergänzt ihr Mann, „Wir haben unterschiedliche Ziele und Schwerpunkte.“ Sein Steckenpferd sind Digitalisierung und Sicherheit, ihre Familien sowie Forst und Umwelt. Die Gemeinsamkeiten: die Liebe zur Heimat und den Willen, Verantwortung zu übernehmen. Das sei mit familiären Verpflichtungen nicht immer leicht, wobei digitale Sitzungen seit der Pandemie es für Eltern leichter machten, sich einzubringen.
Beide haben ein Kind mit in die Ehe gebracht, ein gemeinsames folgte. Wie bekommt man Engagement und Familienleben unter einen Hut? „Wir haben einen digitalen Kalender, ohne den ginge gar nichts.“ Ohne die Unterstützung von Familie und Freunden, die auch mal die Kinder hüten, wenn Termine anstehen, wäre es ebenfalls schwer, sind sich beide sicher. Bevor sie sich für bestimmte Positionen entschieden haben, hätten sie sich den Segen von ihrem Umfeld geholt. „Alle ziehen an einem Strang, sonst würde es nicht funktionieren.“ Gerade baut das Ehepaar eine Scheune an seinem Haus zu Wohnraum um, sodass mit Oma und Tante bald ein Mehrgenerationenhaushalt entstehen soll.
Jederzeit ansprechbar sein
Als Ortsvorsteherin ist es Gerau-Frisch wichtig, für Bürger ansprechbar zu sein – und sei es beim Einkaufen im Supermarkt. Ihre Kinder signalisierten ihr aber deutlich, wenn ihnen ein Gespräch zu lange dauere, erzählt sie und lacht. Genug Freiräume für die Familie blieben trotzdem. „Wenn es ab und zu doch zu viel wird, sage ich ihr: Jetzt mach mal das Handy abends aus und schau morgen weiter“, sagt ihr Mann.
Kleine Neckereien gehören trotz aller Verantwortlichkeiten für die beiden dazu. Den Rathausschlüssel hat Gerau-Frisch zum Beispiel zur Sicherheit vor ihrem Mann versteckt – nicht, dass er ihn als KC-Sitzungspräsident schon vor der offiziellen Machtübergabe an die Narren stibitzt. Welche Aufgabe der KC seiner Ortsvorsteherin für die Fastnachtszeit stellen wird, verrät Gerau seiner Frau vorab ebenso nicht. „Ich habe versucht, ihn zu bearbeiten, aber es ist nichts aus ihm herauszukriegen“, sagt die 30-Jährige und grinst. Auch bei politischen Sachverhalten wisse einer amtsbedingt manchmal mehr als der andere. „Wir fragen da nicht nach. Die Verschwiegenheit ist wichtig, auch in der Ehe“, sagt Gerau-Frisch. „Dafür habe ich einen Eid geleistet.“
Die Serie
Die Kommunalwahlen im Juni haben gezeigt. Es wird für Parteien und politische Gruppen immer schwieriger, politisch Engagierte zu finden. Auffällig ist dabei: Aus manchen Familien kommen gleich mehrere Mandatsträger. In dieser Serie stellen wir sie vor und zeigen auf, wie Politik als Familiensache so funktioniert.
Die bisher erschienenen Serienteile: