Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Serie Familiensache Politik – Das Motto von Mutter und Sohn Fillibeck: Machen, nicht meckern

Jutta Fillibeck freut sich, dass sich auch ihr Sohn Felix nun politisch engagiert.
Jutta Fillibeck freut sich, dass sich auch ihr Sohn Felix nun politisch engagiert.

Bei den Fillibecks wusste der Sohnemann: Montagabends ist die Mama nie da. Für ihn war das normal. Warum sich Jutta Fillibeck schon seit vielen Jahren im Stadtrat engagiert, und wie nun auch ihr Sohn Felix den Weg in die Politik gefunden hat.

Jutta und Felix Fillibeck sind überzeugte Haardter. Und sie gehören zu den Menschen, die helfen und sich einbringen und nicht nur beobachten und meckern. „Ich war in Schule und Kita engagiert und immer als Helferin dabei. Da hat mich Dieter Klohr angesprochen, ob ich nicht Interesse am Ortsbeirat hätte“, erinnert sich Jutta Fillibeck (58) an ihre politischen Anfänge. Klohr habe potenzielle Neulinge immer geschickt angesprochen und sie dann Schritt für Schritt an die Aufgaben herangeführt. So ging es auch bei Jutta Fillibeck: Eine Wahlperiode saß sie im Ortsbeirat Haardt, „dann kam bei einer weiteren Frage von Klohr noch der Stadtrat dazu“. In diesem ist sie nun in die vierte Wahlperiode gestartet. Sie ist dann auch zeitig damals der CDU beigetreten, „das hat für mich politisch gepasst“.

Macht Politik also Spaß, wenn man nach so vielen Jahren immer noch kandidiert? Jutta Fillibeck antwortet ganz offen: Spaß sei der falsche Ausdruck. „Wenn ich Spaß haben will, gehe ich auf ein Weinfest.“ Aber sie empfinde die Politik als spannende Herausforderung, „weil man ein bisschen mitgestalten kann, das bereitet Freude“. Aber, so stellt sie auch klar: Wer sich einbringen wolle in der Kommunalpolitik, „muss sich dafür auch Zeit nehmen“. So ganz nebenbei lasse sich das alles nicht machen. Seit ihrem Stadtratseinzug sind bei Jutta Fillibeck die Montagabende heilig, denn da bespricht sich die CDU-Stadtratsfraktion. Sohn Felix (25) weiß noch: „Montags war die Mama nie da. Das war halt so, das haben wir nie hinterfragt.“ Aber familienintern hat die Mutter mit ihrem Engagement nie abschreckend gewirkt, sondern eher vermittelt: Es ist wichtig, sich einzubringen und zu helfen.

Wenn Feuerwehrfreunde fragen

Daher duckte sich auch Felix Fillibeck nicht weg, als sein Einsatz gefragt war. Seit 2016 ist er bei der Haardter Feuerwehr, Haardter Herzog war er auch schon. „Und als letzte Komponente hat noch die Politik gefehlt.“ Das hat sich im Juni mit seinem Einzug in den Haardter Ortsbeirat aber geändert. Der Name von Felix Fillibeck stand auf der CDU-Liste: „Ich bin noch kein Parteimitglied. Aber die Haardter CDU ist sehr jung, das hat für mich am besten gepasst.“ Er sei angetan von seinen ersten kommunalpolitischen Erfahrungen. Im Ortsbeirat werde ernsthaft und offen um Lösungen gerungen. „Im Moment schnuppere ich noch rein“, sagt Fillibeck. Aber eines zeichne sich schon ab: der baldige CDU-Eintritt. Seine Mutter hat übrigens „nur noch“ ein Mandat im Stadtrat. Ihr Mandat für den Ortsbeirat hat sie weitergegeben: „Denn als Stadträtin kann ich eh zur Sitzung kommen und mitreden“, sagt Jutta Fillibeck.

Dass nun auch ihr Sohn in der Kommunalpolitik mitmischt, freut sie natürlich. Denn eine gewisse Vorbildfunktion haben Eltern ja: „Ich freue mich, dass ich das meinem Sohn gut vorgelebt habe.“ Dabei war es gar nicht die Mutter, die den letzten Ausschlag gegeben hat. Er habe mit der Feuerwehr begonnen, „weil man nicht nur nehmen kann, sondern auch geben und machen muss“. Das sei zwar immer mit Arbeit verbunden und ein Brandeinsatz an Heiligabend beispielsweise nerve auch mal, wenn man dann weg muss, „aber hinterher hat man immer ein gutes Gefühl, wenn man etwas Gutes gemacht hat“. Daher habe er auch nicht lange gezögert, als ihn Feuerwehrfreunde wegen der Kandidatur für den Ortsbeirat gefragt haben. Für ihn sei der Schritt schlüssig, und „über meine Mama war der Bezug zur Politik ja da“.

Sorgen um Weinfeste

Und wie reagiert das Umfeld, wenn man sich mit Mitte 20 so stark engagiert? „Im Freundeskreis wird das schon oft belächelt, dass ich bei der Feuerwehr bin oder jetzt im Ortsbeirat sitze. Aber mir ist das egal. Ich mache meine Sachen für mich und nicht für andere“, betont Felix Fillibeck. Drei Sitzungen hat er inzwischen miterlebt und dabei schon vieles über die Hintergründe von Entscheidungen oder Projekte gelernt. Das sei sehr wichtig. „Denn viele sehen nur sich und ihre Bedürfnisse und meckern, wenn dafür nichts gemacht wird“, ergänzt Jutta Fillibeck. Man müsse aber schon das Ganze in den Blick nehmen. Besonders ärgere sie sich in Diskussionen dann, wenn man Meckerer anspreche und auffordere, sich selbst einzubringen, „denn dann wehren sie alles ab“.

Hat ein junger Mann konkrete Ideen, was er politisch gestalten will? Das sei gar nicht so einfach zu benennen, sagt Felix Fillibeck. Mit Blick auf die Haardt sei es eine Herausforderung, dass alle Feste erhalten bleiben. „Denn alle wollen vor die Theke, aber niemand dahinter“, meint er. Die Jungen kommen gerne zum Feiern, „aber ganz ohne Hilfe geht halt nichts“. Diese Aufgaben seien zu lösen. Das gelte ebenso für das ehrenamtliche Engagement Älterer bei der Pflege von Plätzen oder Bereichen in Haardt. Viele könnten so langsam altersbedingt nicht mehr. „Da muss man schauen, wie man das neu organisieren kann. Denn alle wollen ja, dass es gepflegt und schön aussieht, sehen die Arbeit dafür aber nicht“, beklagt Fillibeck.

Die Serie

Die Kommunalwahlen im Juni haben gezeigt. Es wird für Parteien und politische Gruppen immer schwieriger, politisch Engagierte zu finden. Auffällig ist dabei: Aus manchen Familien kommen gleich mehrere Mandatsträger. In dieser Serie stellen wir sie vor und zeigen auf, wie Politik als Familiensache so funktioniert.

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