Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Schimmel, Kündigung, Kosten: So will der Mieterschutzverein helfen

Der Mieterschutzverein hilft bei Fragen zu den Betriebs- und Nebenkosten einer Wohnung.
Der Mieterschutzverein hilft bei Fragen zu den Betriebs- und Nebenkosten einer Wohnung.

Der Mieterschutzverein kümmert sich um die Belange von 5000 Mietern rund um Neustadt. Wie er den Wohnungsmarkt bewertet, und warum er interne Abläufe verändert hat.

Wohnen ist eines der großen Themen, denn immer mehr Menschen gelingt es nicht, bezahlbare und vernünftige Wohnungen zu finden. Deutschlandweit gibt es Mieterschutzvereine, die als Interessenvertretungen von Mietern gegenüber Vermietern agieren. In Neustadt ist Roland Kronauer der Vorsitzende des Mieterschutzvereins, der die Stadt selbst, aber auch die umliegende Region abdeckt. 5000 Mitglieder gibt es aktuell.

Roland Kronauer, der den Verein seit 2017 führt, ist Realist und sagt: In Sachen Wohnungen und Mieten „ist in Neustadt noch heile Welt“ und nicht mit der Situation in Großstädten vergleichbar. „Dort erleben wir einen regelrechten Kampf um Wohnungen.“ Kronauer sagt das so deutlich, um die Situation einzuordnen. Auch das Verhältnis zu Vermietern sei in der Region gut. Man arbeite mit den allermeisten und auch deren Interessenvertretung Haus und Grund gut und vernünftig zusammen. Da gebe es keine grundlegenden Konflikte. Das gelte auch für die Neustadter Wohnungsbaugesellschaft WBG: „In vielen Städten sind Wohnungsbaugenossenschaften ein Problem. Neustadt bildet da eine Ausnahme, wir arbeiten gut mit der WBG zusammen.“

Auch kleine Betriebe im Verein

Diese Einordnungen sind Kronauer wichtig. Denn auch in dem positiven Rahmen gebe es immer noch jede Menge Themen, um die sich der Mieterschutzverein für seine Mitglieder kümmere. Die Stichworte dafür sind Schimmel in den Wohnungen, Unstimmigkeiten bei der Nebenkostenabrechnungen, allgemeine Mängel wie defekte Rollläden oder Heizungen, aber auch Konflikte, wenn Wohnungen wegen Eigenbedarf gekündigt werden. „Unser Ziel ist es, unseren Mitgliedern bei diesen Fragen und Problemen Hilfestellung und Beratung zu geben“, verdeutlicht Kronauer den Vereinszweck. Was für viele die Mitgliedschaft interessant mache, sei die Möglichkeit, bei allen strittigen Themen eine Rechtsberatung zu bekommen. Dafür arbeitet der Mieterschutzverein mit zwei Rechtsanwälten zusammen.

Das neue Türschild in der Landauer Straße.
Das neue Türschild in der Landauer Straße.

Lilo Metz verantwortet seit Jahren als Büroleiterin die Arbeit in der Geschäftsstelle. Es gebe Mieter, die schon seit 50 Jahren Mitglied seien. Angesichts der aktuellen Lage auf dem Wohnungsmarkt verzeichne man aber auch einen kontinuierlichen Zuwachs bei den Mitgliedern. Vielen sei die Absicherung über den Verein wichtig, so Metz. Im Prinzip könne jeder Mitglied werden, der sich in einem Mietverhältnis befinde. Oft seien das Privatpersonen. „Aber es sind auch kleine Betriebe wie Handwerker dabei, die ihre Geschäftsräume angemietet haben“, erläutert Metz.

Neue Adresse für Geschäftsstelle

Der Mieterschutzverein in Neustadt wurde zwar schon 1949 gegründet, habe sich in den vergangenen Jahren aber einem Modernisierungsprozess unterworfen, um auch in Zukunft die Interessen seiner Mitglieder gut vertreten zu können, betont Kronauer. Am deutlichsten erkennbar ist das mit Blick auf die Geschäftsstelle. Gut 60 Jahre lang war die Karolinenstraße 35 die Anlaufstelle für alle, die Beratung suchten. Doch die dort vorhandenen 60 Quadratmeter seien für die vier Festangestellten und die Aushilfe in der Geschäftsstelle zu klein geworden. Man habe dort viel improvisieren müssen. Daher sind Kronauer und Metz froh, dass sie nun neue Räume in der Landauer Straße 15 beziehen konnten. Vom vierten Stock aus gibt es nicht nur eine tolle Aussicht über Neustadt, sondern auf den nun 150 Quadratmetern auch ausreichend Platz, um vernünftig arbeiten zu können. Metz ist das neue und moderne Ambiente sehr wichtig, denn es kämen täglich auch viele Mitglieder, um direkt in der Geschäftsstelle Informationen und Tipps zu bekommen. Ein Lob gibt es vom Vorstand für die örtlichen Handwerksbetriebe, die beim Umbau der neuen Geschäftsstelle einen prima Job gemacht hätten.

Für Kronauer ist der Umzug der logische Schritt nach einem jahrelangen Modernisierungsprozess. Er begann mit neuen Bürostühlen, führte über die Installation einer neuen Telefonanlage sowie später der Modernisierung der Software bis hin zur „kompletten Digitalisierung“ der Arbeitsweise bei der Mitgliederverwaltung und den Finanzen. Kronauer betont, dass Metz diesen Bereich stark geprägt und stabilisiert habe. Man habe immer wieder Probleme mit Mitgliedern gehabt, die keine Beiträge bezahlt hätten. Inzwischen habe man nur noch rund 50 solcher Problemfälle, die man dann einem Dienstleister melde. Diese Strenge sei erforderlich, da der Verein sein Angebot nur machen könne, wenn alle auch ihren Beitrag dafür leisteten, so Kronauer.

Metz sorgt sich derweil, weil die Erlebnisse zum Teil immer extremer werden. Dies gelte für Menschen, die bei Problemen oft schnell aggressiv oder unbeherrscht würden („leider haben wir auch Fälle bei unseren Mitgliedern“), bis hin zu Erfahrungen, „dass sich Mitglieder, die seit Jahrzehnten dabei sind, heulend melden, weil ihnen die Wohnung gekündigt wurde oder sie wegen der kleinen Rente die Mitgliedsbeiträge nur noch schwer bezahlen können und man für sie dann Lösungen entwickelt“. Am Ende motiviere aber die Perspektive, dass sie ganz vielen Menschen in kniffligen Situationen helfen könnten.

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