Maikammer
René Weintz in Maikammer: Mit Selbstironie und Improvisationstalent
Er sezierte in seinem Comedy-Programm lustvoll Ehe, Erotik und das männliche Selbstbild in der Lebensmitte. Das Publikum lachte, klatschte, erkannte sich wieder und feierte einen Premierenabend, der ebenso entlarvend wie herzlich war.
„Ehepaare kommen in den Himmel – in der Hölle waren sie schon“ hieß das von Stephan Bauer getextete Programm, mit dem René Weintz sein Debüt als Stand up-Comedian gab. Früher, so lernte man an diesem Abend, gab es keinen Sex vor der Ehe. Heute? Keinen in der Ehe. Allein für diesen Satz hätte sich das Gastspiel im ausverkauften Bürgerhaus Maikammer schon gelohnt. Doch der erfahrene Boulevardschauspieler, seit drei Jahrzehnten im Boulevardtheater Deidesheim zu Hause, hatte bei seinem ersten Soloprogramm deutlich mehr im Gepäck als ein paar bewährte Ehekalauer.
Frühlingsgefühle im Urin
„Ehepaare kommen in den Himmel – in der Hölle waren sie schon“ ist ein Programm über Langzeitbeziehungen und deren größte Bedrohung: sexuelle Perspektivlosigkeit. Über Erotik, die „vor die Hunde geht“, über Frühlingsgefühle, die man heute nicht mehr im Bauch, sondern daran erkennt „dass das Pipi nach Spargel riecht“. Das Publikum lachte – wissend, zustimmend, manchmal ein wenig ertappt.
Weintz sprach über Männer in der Lebensmitte, deren Selbstbild irgendwo zwischen Löwe und WC-Ente pendelt. Über Männlichkeit, die sich fragt, ob sie noch brüllt oder schon nur noch schwimmt. Über geschlechtliche Identität, die mit zunehmendem Alter ins Rutschen kommt – nicht aus ideologischen Gründen, sondern schlicht aus Erschöpfung. „veni, vidi, violini – er kam, sah, vergeigte“ lautet eine der bitter-süßen Formeln des Abends.
Schrottwichteln für Notgeile
Auch moderne Partnersuche bekam ihr Fett weg – Tinder etwa, das „Schrottwichteln für Notgeile“. Der Saal tobte, wohl weil sich viele der meist älteren Zuschauer sehr sicher waren, dort ganz bestimmt nie landen zu müssen. Im Publikum saßen vor allem Paare, die das Beziehungsleben nicht aus Ratgebern kannten – eines feierte an diesem Premierenabend sogar seine goldene Hochzeit. Ein lebender Beweis dafür, dass Himmel offenbar doch erreichbar ist.
Das Programm stammt aus der Feder von Stephan Bauer. Manche Gags klangen vertraut, als hätten sie schon einmal im karnevalistischen Kontext funktioniert. Doch Weintz machte sie sich zu eigen: mit Tempo, Präsenz und der Fähigkeit, auch unrunde Stellen charmant zu umarmen. Die Vortragsweise war stellenweise etwas zu schnell – vermutlich der Premierenaufregung geschuldet. René Weintz selbst gab offen zu, wie nervenaufreibend es für ihn gewesen sei, allein die Aufmerksamkeit von 200 Menschen zu bündeln. Dass er diese Nervosität mit Witz und Improvisationstalent in Energie verwandelte, gehörte zu den stärksten Momenten des Abends.
Versöhnliches Ende
Zwischen all dem Gelächter stellte er ernsthafte Fragen: was ist positive Männlichkeit? Was positive Weiblichkeit? Und wie kann beides heute noch Platz finden – im Leben, in Beziehungen, in einer Gesellschaft, die ständig an sich selbst herumschraubt?
Am Ende wurde es beinahe versöhnlich. In der Ehe, so Weintz’ Fazit, gebe es nicht nur negative, sondern auch positive Abhängigkeiten. „Liebt euch. Habt euch gern. Und vor allem: Habt Spaß im Leben“.
Das Publikum dankte es mit langem Applaus im Stehen. René Weintz hat sich solo auf neues Terrain gewagt – und bewiesen, dass man auch mit Spargelurin, Beziehungsfrust und WC-Ente sehr nah an den Himmel kommen kann. Denn: Ehe ist keine Hölle, sondern ein Trainingslager fürs Leben: Man hängt voneinander ab, manchmal mehr als einem lieb ist – aber genau darin liegt auch ihre Kraft. Liebt euch, nehmt euch nicht zu ernst und vergesst bei allem Frust nie den Spaß – denn der ist, wie René Weintz zeigt, immer noch der beste Kitt für jede Beziehung.