Neustadt / Frankenthal
Raus aus der Komfortzone: Die Macher des Film „Segeljungs“ kommen ins Roxy und ins Lux
Auf dem sicheren Landweg kommen Vincent Goymann und Tim Hund am kommenden Mittwoch zuerst ins Roxy-Kino nach Neustadt und dann ins Lux-Kino nach Frankenthal. In ihren Drybags haben die beiden jungen, wagemutigen Seefahrer aus dem doch recht binnenländischen Oberbayern ihre abenteuerliche Reise-Doku „Segeljungs – Mit null Ahnung um die Welt“.
„Im Endeffekt soll es die Leute animieren, selber mal was zu machen“, meint Tim Hund über das Anliegen, das er mit dem Film verbindet. Den Leuten den Mut machen, die Komfortzone zu verlassen und sich etwas zu trauen, möchte er, und natürlich auch zeigen, wie sie selbst, Vincent und Tim, es geschafft haben, ohne nennenswerte Vorbildung oder Erfahrung alleine auf einer Segelyacht die Welt zu umrunden.
Erfahrung? „Noch gar keine“ oder „’ne halbe Stunde“
„Noch gar keine“ oder „’ne halbe Stunde“, beantworten die Jungs ganz zu Anfang des Films die Frage nach ihrer persönlichen Segelerfahrung. „Wir haben alle noch keinen Plan“, gesteht ein Dritter, denn da sind sie noch zu viert. Tim, Vince, Michi und Tom starten auf der „Eira“ vor Fehmarn in der Ostsee und kommen immerhin bis Panama, als ein Motorschaden ihre erste Seefahrt beendet. Auf der „Arrya“, einer Aluminium-Yacht, starten sie noch einmal neu, diesmal von Marseille aus. Später verlassen Michi und Tom das Quartett, aber Tim und Vince segeln weiter.
„Vince und ich wussten: Ab jetzt wird alles schwerer“, berichtet Hund. „Wir haben uns aber zu diesem Zeitpunkt bereits zugetraut, dass wir das auch zu zweit hinbekommen.“ Das hatte auch Vorteile: „Viele Entscheidungen werden schneller und leichter gefällt, wenn man sich nur mit einer anderen Person absprechen muss. Uns beide hat das noch einmal deutlich zusammengeschweißt.“
In vier Jahren von Frankreich nach Frankreich
Von Frankreich nach Frankreich ging ihr rund vier Jahre währender Segeltörn, den der Film ebenso dokumentiert wie die erste Fahrt. Über die Kanaren in die Karibik, durch den Panama-Kanal in den Pazifik, Polynesien, Indonesien, die Malediven, durch das Rote Meer und den Suezkanal zurück ins Mittelmeer: einmal komplett um die ganze Welt.
„Ich denke, wir sind als Jungs gestartet und in gewisser Weise erwachsen zurückgekommen“, blickt der 27-jährige Münchner im Nachhinein auf die 2023 beendete Abenteuerreise zurück. Unvorhergesehene Begegnungen mit den verschiedensten Meeresbewohnern zählen zu seinen schönsten Erinnerungen daran. „Darunter Wale aller Art, Haie, Rochen, Seelöwen und viele mehr“, schwärmt er. „Das ist für mich immer ein absolutes Highlight gewesen, hier einen Einblick in diese wilde Welt zu bekommen.“ Daneben habe es jedoch auch gefährliche Situationen gegeben, in denen die Segelanfänger auf die Probe gestellt worden seien. Gewitter und Stürme, nennt Hund, auch die Gefahr, nächtens auf ein Riff aufzulaufen oder den Kontakt mit vermeintlichen Piraten auf entlegener, hoher See, der tatsächlich noch auf der Kinoleinwand Furcht einzuflößen vermag. „Warum machen wir das?“, fragen Tim Hund und Vince Goymann sich bei miesem Wetter, Mast- und Schotbruch oder gerissenem Segel. Die Antwort geben sie in glücklichen Momenten, die der Film genauso zeigt wie die schwierigen Phasen. Immer mit (zu) viel Musik übrigens, vom Thüringer Martin Kohlstedt und dem Südafrikaner Sean Koch, die Stille oder unvoreingenommene Betrachtung leider kaum zulässt.
Von Social-Media zum Kinofilm
Ihre Weltreise im Wind dokumentierten die „Segeljungs“ im Selfie-Modus zunächst natürlich auf einem gleichnamigen, erfolgreichen Youtube-Kanal, um sie vor allem mit Social Media und Spenden zu finanzieren. Zurück im sicheren Hafen von Port-Saint-Louis an der Mündung der Rhône hatten sie am Ende ganze 20 Terabyte Material zur Verfügung, aus dem der niedersächsische Koproduzent und Editor Tobias Steinigeweg den Kinofilm destillierte. Im vergangenen Jahr erschien mit „Segeljungs – Zwei Freunde, drei Ozeane und null Ahnung“ von Vincent Goymann auch ein Buch zur Reise, dem nun die annähernd zweistündige Reisedoku folgt, die Goymann und Hund auf einer langen Kinotour vorstellen. In der nächsten Woche eben auch in der Pfalz.
Noch Fragen?
Tim Hund und Vincent Goymann stellen ihren Film „Segeljungs – Mit null Ahnung um die Welt“ am kommenden Mittwoch, 20. Mai, ab 18 Uhr im Roxy-Kino in Neustadt und ab 20 Uhr im Lux-Kino in Frankenthal vor. Nach den Vorstellungen stehen sie jeweils für ein Publikumsgespräch zur Verfügung. Karten unter www.roxy.de oder www.lux-kinos.de.