Neustadt Quartierskonzept: Woran die Umsetzung von Bürgerideen bisher noch scheitert

Die Quartiere – bis auf das Weinstraßenzentrum – im Überblick. Die gezeigten Grenzen sind nicht starr.
Die Quartiere – bis auf das Weinstraßenzentrum – im Überblick. Die gezeigten Grenzen sind nicht starr.

Seit acht Monaten wird in Neustadt ein Quartierskonzept vorangetrieben, bei dem Bürger die Entwicklung der Innenstadt mitgestalten sollen. Warum die letzte Veranstaltung doch später stattfindet, wo das Konzept steht, und wie es nach der geförderten Laufzeit weitergeht.

Neun Quartiere sind im Neustadter Konzept identifiziert worden: Strohmarkt/Gerberviertel, die Achse Exterstraße/Karl-Helfferich-Straße („Boulevard der Demokratie“), Kartoffelmarkt, Marktplatz, Klemmhof/Elwetritschebrunnen, Hetzelplatz/Friedrichstraße, Maximilianstraße, Obere Hauptstraße und das Weinstraßenzentrum. Manfred Oesterle, der das Projekt über den Förderzeitraum hinweg mit dem Citymanagement betreut, ist mit der Resonanz und den Ergebnissen aus den bisherigen Quartierstreffen zufrieden. Rund 30 Bürger engagierten sich aktiv. „Es sind bisher leider nicht alle Quartiere vertreten, aber es gibt Querschnittsthemen, die überall zur Sprache kommen.“

Zuerst vorantreiben wollen die sogenannten Quatierspaten Blumenkübel auf dem Marktplatz sowie zusätzliche Sitzgelegenheiten in der Innenstadt. Dem Image helfen soll auch eine Erreichbarkeitskarte, die den Weg zu allen verfügbaren Verkehrsmitteln in den Quartieren weist und die Händler an ihre Kunden verteilen können. Auch die historische Aufarbeitung der Quartiere soll zum Wertegefühl beitragen. Überlegt wird zum Beispiel, das Quartier Obere Hauptstraße in Ägyptenvorstadt umzubenennen, um die Geschichte des Viertels hervorzuheben, zurückgehend auf den Besuch von pilgernden Sinti und Roma im 15. Jahrhundert, die man für Ägypter hielt.

Event zum Projektabschluss

Mehrere Veranstaltungsformate sollten die Stärken und Potenziale der Quartiere aufzeigen. Los ging es Ende Juli 2023 mit Schreibwerkstätten, bei denen Bürger ihre Wahrnehmungen aufschreiben konnten. Zitate daraus sollen sich künftig laut Schultz auf Bannern in der Innenstadt wiederfinden. In Zusammenarbeit mit dem Frauennetzwerk Pfalz, der Willkomm-Gemeinschaft, dem Pfalzmama Business Netzwerk sowie dem Verlag Lippler Bookz konnten sich regionale Produzenten bei „Hallo Pfalz“ präsentieren. Bei den „Modentage Pfalz“ gab es eine Modenschau auf dem Marktplatz, Ausstellungen, Pop-up-Stores und Mitmachaktionen.

Mit der letzten Veranstaltung innerhalb des Modellvorhabens „Innenstadt – Impulse“ des Landesinnenministeriums, für das Fördergelder von 100.000 Euro (inklusive 10.000 Euro städtischem Eigenanteil) geflossen sind, endet der geförderte Projektzeitraum: „Quartiere in Bewegung“ soll am 6. Juli stattfinden. Dort wird laut Schultz offiziell das neunte Quartier Weinstraßenzentrum ausgerufen, das ein „Brückenschlag zwischen grüner Wiese im Quartier Hornbach und Innenstadt“ sei. Dieser symbolische Akt unterstreiche die städtische Unterstützung für das Gewerbe im Osten und Regionalproduzenten.

Nicht das Ende der Quartier

Ursprünglich war der Termin für den Spiel-, Sport- und Aktionstag erst im Oktober, dann im April angesetzt worden. Es sollte in Kooperation mit dem Fitnessstudio Pfitzenmeier mehrere Stationen geben, an denen Trainer verschiedene Übungen begleiten. „So ist das im Moment nicht machbar“, erklärt Schultz die Verschiebung in den Juli. Nachdem es Führungs- und Trainerwechsel im Fitnessstudio gegeben habe, sei der Termin abgesagt und mit den ansässigen Unternehmen besprochen worden, was alternativ möglich wäre. Das Ergebnis: Ein Tag mit Schnitzeljagd und Aktionen, Produktpräsentationen und einem Abschlussfest bei Globus mit Musik und Barbecue.

Im Juli läuft der Förderzeitraum für das Quartierskonzept nach einem Jahr aus. Das soll aber nicht das Ende der Quartiere sein. Monatliche Treffen sollen etabliert werden, um Austausch, Wir-Gefühl und Eigeninitiative zu fördern. Das Citymanagement werde die Quartiere auch weiter begleiten. „Selbstläufer ist noch keines“, räumt Oesterle ein. Die ersten Schritte für eine engere nachbarschaftliche Beziehung seien aber getan, Willkomm und Innenstadtbeirat würden mit den Quartierspaten vernetzt. „Wichtig ist auch, dass wir ein Bewusstsein für Ansprechbarkeit über Beschwerden hinaus geschaffen haben“, ergänzt Schultz. Das nächste Quartierstreffen ist am Dienstag, 9. April, 18 Uhr, im Klemmhof.

„Es muss konkret werden“

Oesterle weiß: „Es muss konkret werden, damit der Bürger weiß, er wird ernst genommen.“ Die Neustadter setzten sich mit Wissen, Können und auch Ressourcen für ihre Ideen ein, doch bisher hapert es an der Umsetzung. Die historische Baustruktur in mit den engen Innenstadtgassen und Rettungswegen, Vorgaben zum Stadtbild sowie Sondernutzungsgebühren erschwerten es beispielsweise, Begrünung wie Blumenkübel aufzustellen, erklärt Schultz. Bei der vielfach gewünschten Fassadenbegrünung müssten meist erst mal Eigentümer überzeugt werden.

„Die gesellschaftliche Transformation schreitet voran und verlangt schnellere und flexiblere Entscheidungen“, verdeutlicht Schultz die Schwierigkeiten. Verwaltungsprozesse seien darauf weniger gut ausgelegt. „Wenn man aktive Bürger will, muss man sich auch positiven Dingen öffnen“, meint Oesterle. Da müsse am Ende des Tages die Politik mitziehen. Bei einem der nächsten Quartierstreffen wird sich Oberbürgermeister Marc Weigel die Vorschläge aus der Bürgerschaft anhören.

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