Deidesheim
Poller am Marktplatz: Wie es mit der Verkehrsberuhigung in Deidesheim weitergeht
Nur in einem Punkt scheinen sich alle Mitglieder des Deidesheimer Stadtrats einig zu sein: Die Poller am Marktplatz sollen erhalten bleiben, um zumindest zeitlich befristet ein Befahren zu verhindern. Doch obwohl einige eine zeitweilige Öffnung bevorzugen, werden die Poller künftig durchgängig oben bleiben. Bei sieben Nein-Stimmen hat eine Mehrheit von zwölf Stadtratsmitgliedern die dauerhafte Sperrung beschlossen – eine Entscheidung, die weiterhin umstritten bleibt.
Denn es wurde in den vergangenen Monaten deutlich, dass die Vollsperrung offensichtlich nicht zur Lösung der problematischen Verkehrssituation beiträgt, sondern diese eher verlagert. Die Leidtragenden sind die Anwohner in den ohnehin engen Straßen und Gassen rund um den Marktplatz. Statt auf dem Marktplatz wurden Verkehrsströme verstärkt in den umliegenden Straßen beobachtet. Von zahlreichen Beschwerden betroffener Anwohner in der Spitalgasse, der Wassergasse und der Turmstraße berichtete Eric Steffen (CDU). Eben in jenen Verkehrszonen, die von vielen Jugendlichen und Kindern auf dem Weg zu Schule und Kindergarten genutzt werden. Auch in der ohnehin sehr engen Schlossstraße sind verstärkt Fahrzeuge unterwegs.
„Stadtrat hat nie Fußgängerzone beschlossen“
Gerade die Bewohner der Weststadt bewegten sich jetzt mit ihren Fahrzeugen sehr oft durch die Wassergasse, wenn sie in Richtung der Märkte fahren wollten, kritisierten Thomas Wehner (CDU) und Andreas Veth (FWG). So werde lediglich eine Straße ent- und eine andere belastet. „Dafür ist die Wassergasse nicht ausgelegt“, ergänzte Inge Schneemann (FWG). „Die Situation in der Wassergasse ist deutlich gefährlicher als am Marktplatz“, erklärte auch Andreas Veth (FWG), nachdem Ordnungsamt-Mitarbeiter Daniel Becker von einem erheblichen Gefahrenpotenzial am Marktplatz berichtet hatte. „Im Verlauf der Testphase kam es wiederholt zu Anfahrereignissen sowohl an den fest installierten Pollern als auch an versenkbaren Pollern. Diese Vorfälle verdeutlichen das Gefahrenpotenzial im Bereich des Marktplatzes“, sagte Becker. Deshalb begrüße er eine komplette Sperrung des Marktplatzes, wie sie auch die Verkehrskommission vorgeschlagen hatte.
„Die damalige Anschaffung der Poller im Jahr 2016 war schon sehr kostenaufwendig und war für die temporäre Schließung gedacht“, erinnerte Andreas Veth (FWG). „Ich halte das zeitlich begrenzte Hochfahren der Poller für sinnvoll, da ein Bedarf hierfür nur am Wochenende besteht. Früher hat man in den Wintermonaten den Marktplatz offen gelassen.“
Kontrollen am Marktplatz Aufgabe der Polizei
Das bestätigte Herbert Latz-Weber (Bündnis 90/Die Grünen). Wie bei der Bahnhofstraße handelt es sich um einen verkehrsberuhigten Bereich, der mit einer Schrittgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometern befahren werden darf. Latz-Weber brachte erneut die Forderung seiner Partei nach einem Gesamtkonzept ins Spiel und plädierte für eine Verkehrsberuhigung in der Altstadt. „Wir begrüßen daher die Abgrenzung mit Pollern. Sie schaffen mehr Sicherheit für Fußgänger, Gäste in Restaurants und Cafés im Außenbereich sowie Fahrradfahrer und Kinder. Schilder alleine reichen leider nicht, sie werden häufig missachtet“, sagte Latz-Weber. Diese Aussage bestätigte Achim Schulze (SPD), der selbst zu den Anwohnern am Marktplatz zählt.
Eine Kontrolle dort ist nach Ausführungen Beckers nicht Aufgabe des Ordnungsamtes, sondern der Polizei. Thomas Wehner (CDU) zeigte sich erstaunt darüber, dass die beiden anwesenden Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Verbandsgemeindeverwaltung nun sicherheitsrelevante Aspekte vortrugen. Er plädierte für eine zeitlich begrenzte Öffnung der Zufahrt über den Marktplatz. Diese Haltung aus dem Vorjahr wiederholte auch Eric Steffen (CDU): „Ich halte es auch für zwingend notwendig, dass die Ost-West-Tangente mit Ausnahme von Freitag bis Sonntag geöffnet bleibt.“
Anwohner begrüßen Vollsperrung
Wehner verwies darüber hinaus auf eine aktuelle Beschilderung durch das Ordnungsamt: „Ich frage mich, ob der Sachverhalt von der Ordnungsbehörde nicht bereits beschlossen ist, da nämlich seit geraumer Zeit ein neu installiertes Schild auf Höhe des Kriegerdenkmals die Einfahrt in den Marktplatz verbietet.“ Dafür zeigte wiederum Beigeordneter Bernd Anslinger (CDU) kein Verständnis, nachdem die Verkehrskommission sich am 23. Februar noch einstimmig für die dauerhafte Sperrung ausgesprochen hatte. „Ich würde mir wünschen, dass man auch den Mitgliedern der Verkehrskommission Vertrauen entgegenbringt, sonst brauchen wir keine Kommission mehr“, sagte Anslinger.
Der Beigeordnete berichtete zudem von einer Befragung der Anwohner: „Diese finden die Vollsperrung gut und haben sich daran gewöhnt.“ Zugleich bat sein Amtskollege Julian Seckinger (CDU) um Kontinuität für die Gastronomie und das Gewerbe am Marktplatz, um Tische und Stühle für Besucher aufstellen zu können. „Es sollen keine Schaufenster durch parkende Fahrzeuge zugestellt werden“, so Seckinger.
