Forst Pfalzkenner und unermüdlicher Reimeschmied: Mundartdichter Paul Tremmel gestorben
Es ist noch keine zwei Wochen her, dass der Forster Mundartdichter Paul Tremmel zum letzten Mal in seiner Heimatgemeinde war. Ortsbürgermeister Thomas Keller hatte den Senior auf einen Vortrag Berthold Schnabels zum Kriegsende in Forst aufmerksam gemacht und dann auch Fahrdienste organisiert, damit Tremmel teilnehmen konnte. Keller erlebte den 96-Jährigen dabei noch als sehr vital, deshalb kam die Nachricht von seinem Tod für ihn überraschend. „Ich empfinde es als große Ehre, dass ich ihn noch kennenlernen durfte und viele seiner Geschichten und Anekdoten direkt von ihm hören konnte“, sagt Keller.
Der Ortsbürgermeister war auch beim letzten Geburtstag Tremmels dabei, ein Tag, der mit Angehörigen, Freunden und anderen Mundartkünstlern gefeiert wurde. „Die hatten ein tolles Programm für ihn zusammengestellt“, berichtet Keller. Ein Jahr zuvor war in Forst ein Dichterweg zu Ehren Tremmels eingeweiht worden – auf genau den 70 Metern, die Tremmel viele Jahre lang täglich zur Arbeit gegangen war. Angehörige, Freunde, Wegbegleiter und treue Fans waren gekommen, um den Mundartdichter zu feiern. Tremmel, der zuletzt im Seniorenheim in Deidesheim lebte, war allseits beliebt.
Der Liebe wegen zurück nach Forst
Nach Forst war der gebürtige Westpfälzer im Alter von drei Jahren gekommen, im Jahr 1932. Damals wechselte Tremmels Vater Alois, der zuvor im Steinbruch in Theisbergstegen (Landkreis Kusel) Betriebsleiter gewesen war, zum Basaltbruch in Forst. Und dort in der Nähe versteckte der Vater seinen Sohn auch in den letzten Wochen des Krieges, zu dem dieser als 15-Jähriger noch eingezogen worden war. Nach Kriegsende absolvierte Tremmel zunächst eine Schlosserlehre und wechselte dann, wie einst der Vater, zum Steinbruch in Theisbergstegen. Doch die Westpfalz sollte nur ein kurzes Intermezzo bleiben. Der Liebe wegen kehrte Tremmel nach Forst zurück und eröffnete dort eine Tankstelle, die sich später zu einem Autohaus entwickelte.
Zum Mundartdichter wurde er eher per Zufall. Bei einem 60. Geburtstag im Jahr 1972 wurde Tremmel gefragt, ob er nicht ein bisschen was dichten könne. Der Erfolg war auf Anhieb riesig. Werner Wendel, der als Lokalredakteur bei der Feier war, schrieb in der RHEINPFALZ begeistert: „Hurra, wir haben wieder einen Bellemer Heiner.“ In der Folge war Tremmel sowohl bei der Presse als auch beim Hörfunk und im Fernsehen ein gefragter Mann. Unter der Rubrik „En Reim druff“ veröffentlichte er seine Gedichte unter anderem in Sonntag Aktuell, der damaligen Sonntagsausgabe der RHEINPFALZ. Auch beim Pfälzischen Mundartdichterwettbewerb in Bockenheim war er mehrfach erfolgreich, beim Wurstmarkt in Bad Dürkheim stets ein zuverlässiges Zugpferd, auch noch im hohen Alter. Seinen letzten Auftritt dort hatte Tremmel im vergangenen Jahr – mit 95 Jahren.
Tremmels Werke sind auch in Buchform erschienen, bekannte Titel sind etwa „Die Weihnachtsgeschicht uff Pälzisch“, „Dumm gebore! Nix dazu gelernt?“ oder „De Rentnerschtreß“. Gegenstand seiner Gedichte und Kolumnen waren das alltägliche Leben in der Pfalz, regionale Eigenheiten, aber auch Themen wie die Familie, die Gesellschaft, das Alter. Sein Markenzeichen: der Humor, die Heiterkeit, der leichte, feine ironische Unterton.