Neustadt / Lambrecht RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzerwald-Expertin verrät: Wo eine Wanderung auf Kultur trifft

Franziska Keller
Franziska Keller

Die Pressesprecherin des Biosphärenreservats Franziska Keller fühlt sich im Pfälzerwald zuhause – und verrät eine ihrer liebsten Wanderrouten.

Es ist ein kalter, wenig frühlingshafter Vormittag, als sich Franziska Keller Zeit nimmt, um eine ihrer liebsten Wanderungen in der Pfalz vorzustellen. Die Pressesprecherin des Biosphärenreservats Pfälzerwald mit Sitz in Lambrecht möchte mit dieser Tour „die Begeisterung wecken für den Ort, wo ich zuhause bin“.

Als Wahl-Neustadterin hat sie sich für eine Rundwanderung entschieden, die nicht nur mit Kulturlandschaften, sondern auch mit Kulturdenkmälern aufwarten kann. Partnerbetriebe des Biosphärenreservats seien entlang der Strecke ebenfalls vertreten, verrät Keller – angefangen von der Tourist-Information, den Handwerksbetrieben oder der Nabu-Ortsgruppe in der Stadt über Imker und Weingüter bis zu einem Beweidungsprojekt.

Start am Hauptbahnhof

Los geht die Wanderung am Neustadter Hauptbahnhof – bequem auch für all jene, die mit Bahn oder Bus anreisen. Vom Bahnhof führt der Weg entlang der Hauptstraße durch die Altstadt, und bereits dort lohne sich ein Blick auf die wunderschönen Fachwerkfassaden zu beiden Seiten, sagt Franziska Keller. Am Ende der Fußgängerzone angekommen, wird der Strohmarkt überquert und der Treppenweg hoch zu der Dr.-Welsch-Terrasse erklommen. Oben angekommen, führt der Weg links hinauf entlang der Terrasse und dann gleich wieder rechts.

„Ein kleiner Abstecher“, der sich lohne, verrät Keller, befindet sich dort doch der Deidesheimer Tempel. Die studierte Kunsthistorikerin und Germanistin erzählt von Friedrich Deidesheimer, einem Mitstreiter und Redner des Hambacher Festes von 1832, der diesen kleinen Tempel im 19. Jahrhundert errichten ließ. „Hier kann man kurz verweilen und den Blick über die Stadt bis in die Rheinebene schweifen lassen – wunderschön“, schwärmt Keller.

Sehenswerte Burgruine

Wieder zurück auf dem Weg, führt dieser weiter bergauf in den Wald bis zur Wolfsburg. Hier empfiehlt die gebürtige Saarländerin eine kleine Rast, sei doch die Ruine „außerordentlich sehenswert“. Es gebe viel zu entdecken auf der Burganlage, und die Geschichte erzähle von einer ruhmreichen Vergangenheit. Keller berichtet von den Kurfürstlichen Beamten, die in der Burg ansässig waren, vom Bauernkrieg und vom Dreißigjährigen Krieg, welcher schlussendlich der Burg den Garaus gemacht habe.

Der Wanderweg führt hier weiter „durch die Wolfsburg durch, steil bergauf“, vorbei an einer Felslandschaft. Dort befindet sich der Hohfels, eine imposante Felsformation aus Sandstein. In den Fels sind Stufen gehauen, hoch hinauf bis zu einem Aussichtspunkt, wo ein toller Ausblick die Mühen des Aufstiegs belohnt. Weiter geht die Tour, immer bergauf.

Denkmal für den Rothirsch

„Auf diesem Weg trifft man auch auf den Steinernen Hirsch“, erzählt Franziska Keller. Es handelt sich dabei um eine Steinplatte mit einem Hirschrelief. Nach Kellers Recherchen „eine Erinnerung an den letzten Rothirsch, der hier geschossen wurde“.

Der Weg geht weiter aufwärts durch den Kiefernwald, bis nach einer weiteren guten halben Stunde auch schon das Weinbiethaus erreicht ist. Eine schöne Einkehrmöglichkeit, sagt Keller, denn auf der Speisekarte finden hungrige Wanderer frisches Bio-Essen, darunter auch viele fleischlose Gerichte. Bevor es gestärkt weitergeht, empfiehlt sie noch einen Abstecher auf den Weinbiet-Turm, denn der Blick von dort oben auf das „Waldmeer bis zum Horizont“ sei atemberaubend.

Garten zum Lustwandeln

Vom Weinbiet hinunter führt der Weg auf blauem Punkt in Serpentinen Richtung Meisental, wo sich ein kleines Bächlein und eine Kneippanlage befindet. Ab hier führt rechts eine geteerte Straße hinunter in die Stadt. Franziska Keller rät jedoch, links zu laufen, ein kleines Stück entlang der Straße, „bis rechter Hand ein kleiner Zaun mit einem Tor“ zu sehen ist. Hinter dem Gatter befindet sich die Wolf’sche Anlage, ein ehemals privater Park, der im 19. Jahrhundert von der wohlhabenden Familie Wolf angelegt worden war. Der heute frei zugängliche Garten lade ein zum „Lustwandeln und Entdecken“ und habe aufgrund seiner Flora und Fauna heute auch eine ökologische Bedeutung, so Keller.

Vom Wolf’schen Park führt ein etwas steilerer Weg nach unten, vorbei an „neuen Hirtenwegen im Pfälzerwald“, einem Beweidungsprojekt des Biosphärenreservats, verrät die Pressesprecherin. Ein Stück links des Haardter Schlösschens mündet der Pfad in einen breiteren Weg und führt schlussendlich auf den Mandelring. Auf dem Mandelring angekommen, empfiehlt sich für jene, „die noch Puste haben“, ein Besuch im Café Mandelring zum Ausklang der Wanderung. Über den Treppenweg geht es wieder hinunter in die Stadt.

Die Länge der Tour beträgt 13 Kilometer, reine Laufzeit: 3,5 Stunden.

Die Serie

Wandern im Pfälzerwald ist entspannend und naturschonend. In unserer Serie präsentieren wir Menschen, die in der Region eine besondere Rolle spielen, die gerne wandern und einen Tipp für eine schöne Route präsentieren können.

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