Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Osterkonzert des Kurpfälzischen Kammerorchesters: Virtuoser Flug zu den Sternen

Brillierte als Solistin: Elisso Gogibedaschwili mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester beim Osterkonzert.
Brillierte als Solistin: Elisso Gogibedaschwili mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester beim Osterkonzert.

Gemeinsam mit der grandiosen jungen Violin-Solistin Elisso Gogibedaschwili brillierte das Kurpfälzische Kammerorchester beim Osterkonzert aus dem Hambacher Schloss.

Sebastian Schmidt leitet als Primus inter pares vom Ersten Geigenpult. Das sonnige Feiertagswetter passte vorzüglich zur launigen Programmfolge, mit der das Kurpfälzische Kammerorchester im ersten von drei vormittäglichen Konzertevents in diesem Jahr eine propere Gästeschar am Ostermontag zum Gang aufs Hambacher Schloss lockte. Im Zentrum der Darbietungen brillierte die 26 Jahre junge Geigerin Elisso Gogibedaschwili, mit georgischen Wurzeln in Österreich geboren, bereits mit zehn Jahren als Bühnenjungstar gefeiert, dann unter anderem an der Karlsruher Musikhochschule ausgebildet und mittlerweile auf internationalem Parkett gefeiert.

Sie stellte sich mit dem Violinkonzert Nr. 1 vor Joseph Haydn vor, das dieser, etwa 30-jährig, dem eben am Esterhazy-Hof zum Konzertmeister gekürten Virtuosen Luigi Tomasini auf den Leib geschrieben hatte. Und der muss ein überaus exzellenter Vertreter seines Fachs gewesen sein, denn Haydn lässt es vor allem in den Ecksätzen – salopp formuliert – richtig krachen. Auf dem Podium indes agierte eine junge Künstlerin, die vom ersten Bogenstrich an ein wahres Feuerwerk an Temperament, Esprit und vollendet modellierten Tönen entzündete. Sie spielte auswendig, schien sich die ganze Zeit über quasi mit dem eloquenten Vokabular Haydns in einem intimen Diskurs mit ihrer fantastischen Guarneri-Violine zu befinden; sich zu unterhalten, zu flirten, aufzubegehren, zu jubeln – was immer man will. Es war ein virtuoser Flug zu den Sternen, der logistisch hervorragend eingekleidet war in makellose technische Disziplin, aber letztlich – unter Wahrung aller Tugenden klassischer Stilistik – durch ein hinreißend kompromissloses, überbordend emotionales und in jedem Moment hochästhetisches Spiel den Himmel öffnete.

Spielerische Raffinesse

Nach der Pause, mit Franz Schuberts Rondo A-Dur (D 438), war durchaus nicht weniger an Virtuosität und spielerischer Raffinesse gefragt. Aber da war es vor allem der satte Saitengesang, die ausladende Klangsüße, der Schmelz, die das Adagio veredelten und auch dem Allegro nobles Profil verliehen. Man konnte nicht anders, als hingerissen diesem zierlichen, kraftstrotzenden geigerischen Naturwunder innerlich zu Füßen liegen.

Mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester, diesmal vom ersten Geigenpult aus geleitet durch Sebastian Schmidt, Primarius des Mandelring Quartetts und aktuell auch mit der Leitung des KKO betraut, stand der Solistin ein vorzüglichen Partner auf Augenhöhe und eine rundum komfortable Begleitung zu Seite. Da waren in jeder Phase ein sorgsames Korrespondieren, ein achtsames Ausleuchten des klanglichen Hintergrunds und nicht zuletzt bei Schubert ein hinreißend seelenvoller Schlagabtausch zu bewundern.

Lichte Transparenz

Mit einem anderen Jugendwerk, dem Opus Nr. 7, KV 160, einer von sechs Kammersinfonien, die Wolfgang Amadeus Mozart noch im Teenager-Alter während eines Aufenthalts in Mailand komponierte, hatten die Kurpfälzer eröffnet. Und wie erwähnt lenkte Sebastian Schmidt – diesmal ohne Taktstock – allein mit Augenkontakt und kaum merklichen Impulsen an signifikanten Stellen sein vorzüglich korrespondierendes Ensemble vom Konzertmeisterpult aus.

Wie grundlegend die Maximen Eigenverantwortung und kammermusikalische Disziplin dieses Orchester prägen, wie sehr man sich in jedem Moment von nadelscharfer Kontur, lichter Transparenz und einer lupenrein schönen Klanggebung durch jeden einzelnen der 14 Instrumentalsolisten ergötzen kann, brachte nicht allein Mozarts frisches Jugendwerk zum Erstrahlen.

Minuziöse Präzision

Denn auch die „4 Noveletten für Streichorchester“ op. 52 des spätromantischen englischen Komponisten Samuel Coleridge-Tayler mit ihrem Schwelgen zwischen tänzerischen Rhythmen und weichem, seelenvollen Kolorit, ließ die Vielseitigkeit, die Agilität und die tieflotende Übereinkunft mit dem jeweiligen Sujet sicht- und hörbar werden. Da stimmte einfach alles, da war man im Hören suggestiv eingesogen in die vitale Interaktion auf dem Podium, durfte sich ergötzen an minuziöse Präzision ebenso wie an der großen sinfonischen Geste.

Die berühmte Humoreske Nr. 7 von Antonin Dvorák, zart und durchsichtig con sordino zelebriert, gab’s für reichlich Beifall als Schmankerl für den Heimweg obendrauf.

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