Maikammer
Ortsvinothek: Vom Pop-up-Konzept zum „offenen Wohnzimmer“
Die Nachricht, dass die Familie Freudenstein vom Vier-Sterne-Hotel Immenhof in der Maikammerer Ortsvinothek einsteigen will, wurde im vergangenen Jahr allseits mit Wohlwollen aufgenommen. Ortsbürgermeister Markus Sell (SPD) sprach von einer „sehr guten Lösung“. In den Jahren zuvor hatte die 2012 gegründete Einrichtung unter häufigen Wechseln gelitten. Pächter kamen und gingen. Jetzt scheint das anders zu werden.
Nachdem die Ortsvinothek 25 Wochen lang als Pop-up-Lokal geführt wurde, haben die beiden Freudenstein-Schwestern, Jennifer Arar-Freudenstein und Patricia Kaub-Freudenstein, jetzt erklärt, dass sie an dem Betrieb festhalten wollen. „Es ist sozusagen eine weitere Abteilung unseres Hauses geworden.“ Den Hut auf hat in der Vinothek Nelly Pröhl, die eigentlich Architektin ist, sich darüber hinaus aber an der Sommelier-Schule in Koblenz zur Wein- und Genussexpertin weitergebildet hat. In den vergangenen Wochen hatte pro Woche ein Winzer im Mittelpunkt gestanden, der eine besondere Veranstaltung angeboten hat. „Da war mal eine Tour zum Weingut darunter oder eine Wein-Rallye, aber auch klassische Weinproben in den Räumen hier“, berichtet Pröhl.
Beliebt auch für den Aperitif
Insgesamt werde die Vinothek gut angenommen und habe sich zum Treffpunkt entwickelt. „Die Einheimischen setzen sich immer gleich an den großen Tisch und so ergeben sich viele Gespräche, auch mit Gästen“, erzählt Pröhl. Die Maikammerer seien sehr offen, und die Touristen wüssten das zu schätzen. Bei den Hotelgästen des Immenhofs gehöre ein Besuch in der Vinothek fast immer dazu, bestätigt Arar-Freudenstein. Wer Wein mitnehmen will, könne ihn sich auch ins Hotel liefern lassen. Genutzt werde die Vinothek auch gerne zum Aperitif, bevor es dann zum Essen in eines der Maikammerer Lokale gehe.
„Wir wollten die Vinothek zu einer Art offenem Wohnzimmer machen, und das ist gelungen“, sagt Kaub-Freudenstein. Damit füge sich die Einrichtung perfekt ins Konzept der Tourist-Info, ergänzt deren Leiterin, Maria Bergold. Die Tourist-Info hat ihren Sitz seit gut zwei Jahren im gegenüberliegenden historischen „Haus Lotter“ und versteht sich ebenfalls als Anlaufstelle nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische.
An dem „Wohnzimmer-Charakter“ wollen die Betreiber festhalten, künftig aber noch mehr ausgewählte Themen bespielen. So habe es beispielsweise an Fastnacht eine „närrische Probe“ gegeben, bei der „Verkleidung ausdrücklich erwünscht, Ernsthaftigkeit streng verboten“ war. Zu den nächsten Programmpunkten gehören eine Frauenweinprobe am 6. März (18:30 Uhr), bei der Gastwinzerin Caro Bergdolt vom gleichnamigen Weingut aus Duttweiler Weine präsentiert, und ein Jungwinzer-Abend, der aber noch nicht terminiert ist. Gut angelaufen seien auch die Spiele-Abende, berichtet Kaub-Freudenstein. Die Besucher können dabei Brett- oder Kartenspiele der Vinothek benutzen oder ihre eigenen mitbringen. Der nächste Termin ist am 8. März.
Weine von 19 Winzern
In der Vinothek werden Weine von 19 verschiedenen Winzern angeboten. Jeder hat ein Regal gemietet, auf dem er fünf seiner Produkte anbieten kann. Ursprünglich waren ausschließlich Winzer aus Maikammer vertreten. Inzwischen ist das Angebot auf die Verbandsgemeinde ausgeweitet worden. Die Maikammerer Winzer seien aber als erste angeschrieben worden, berichtet Arar-Freudenstein. Erst als nach Ablauf der Anmeldefrist noch Regale zu vergeben waren, seien auch die Winzer in St. Martin und Kirrweiler einbezogen worden. Inzwischen gebe es immer wieder Anfragen, doch eine Ausweitung des Angebots sei aus Platzgründen nicht möglich. „Das gibt die Regalwand nicht her, aber auch die Kühl- und Lagermöglichkeiten sind hier sehr begrenzt“, erklärt Kaub-Freudenstein.
Gerne genutzt werde die Vinothek für einen Sektempfang nach einer Trauung in der „Guten Stube“ des Hauses Rassiga, wo standesamtliche Trauungen möglich sind. Im Sommer steht für den Umtrunk auch der Hof zur Verfügung. „Da haben wir schon viele schöne Momente erlebt“, sagt Pröhl. Dass hinter der Vinothek ein Hotelbetrieb stehe, sieht sie als großen Vorteil an. „Wenn ich merke, dass ich Unterstützung brauche, kann ich im Immenhof anrufen“, erklärt sie. Das Hotel hat rund 50 Beschäftigte, und die Möglichkeit, gelegentlich in der Vinothek auszuhelfen, belebe das Team, sagt Kaub-Freudenstein.
Sowohl Pröhl als auch die Freudenstein-Schwestern schätzen die Zusammenarbeit mit den Winzern. „Man lernt sehr viel“, sagt Pröhl, die aus Limburgerhof stammt und seit etwa zehn Jahren wieder in der Pfalz lebt. Mit der Einrichtung einer Ferienwohnung habe sie sich damals einen Traum erfüllt, erzählt sie. Doch sie habe auch schnell gemerkt: Wer in der Pfalz in Sachen Tourismus unterwegs ist, sollte etwas von Wein verstehen.

Dürfen wir nachschenken?
Was sind die Trends der Weinszene? Welche Neuigkeiten gibt es von den Weingütern in der Region? Was ist Naturwein? Wie arbeitet ein Kellermeister? Und wo stehen Weinautomaten in der Pfalz? In unserem kostenlosen Newsletter „Entkorkt" liefern wir alle zwei Wochen Weinwissen für Pfälzer Weinliebhaber.
Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.


