Neustadt
Nur kurze Ruhepause für das Corona-Testcenter
Binnen 72 Stunden sollen sich Bundesdeutsche, die aus Corona-Risikogebieten im Ausland zurückkommen, testen lassen müssen: Diese Pflicht bereitet derzeit die Bundesregierung vor. Vorbereitungen laufen deshalb auch in Neustadt. Wie der Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld am Mittwoch im Pressegespräch darlegte, wird das Testcenter in der Speyerdorfer Straße wieder hochgefahren. Das bestätigt Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel.
Das Testcenter im ehemaligen Aldi-Discounter wurde im März als landesweit erstes seiner Art eingerichtet. Dort konnten sich Menschen aus Neustadt und dem südlichen Landkreis auf das Virus testen lassen, wenn sie von einem Mediziner dorthin überwiesen wurden. Indes wurde der Bedarf wegen sinkender Fallzahlen immer geringer, mit Beginn der Sommerferien wurde das Center geschlossen, bleibt aber im Bereitschaftsbetrieb.
Raumproblem vorbeugen
Seither wurden Tests wieder bei den Hausärzten und beim Gesundheitsamt des Landkreises Bad Dürkheim mit Sitz in Neustadt gemacht. Das gilt auch weiterhin, mit Ausnahme von Reiserückkehrern aus offiziellen Risikogebieten im Ausland. Deren mögliche hohe Anzahl könnte vor allem für Raumprobleme sorgen. Daher will das Gesundheitsamt vorbereitet sein. Um einen Reiserückkehrer handelt es sich übrigens auch um den am Dienstag bekannt gewordenen neuen Corona-Fall im Landkreis – nachdem es im Kreis über Wochen keine Neuinfektion gegeben hatte. „Aber die Person war innerhalb von Deutschland unterwegs“, sagt Landrat Ihlenfeld.
Zuletzt mussten sich Menschen, die in Risikogebiete gereist waren, beim Gesundheitsamt melden. Sie kamen in zweiwöchige Quarantäne und wurden teilweise getestet. 300 dieser Rückkehrer aus Risikogebieten haben sich ans Gesundheitsamt gewandt, 60 davon wurden freiwillig getestet, alle Ergebnisse waren negativ. Als Risikogebiete gelten derzeit laut einer Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI) unter anderem Ägypten, die USA, Russland und die Türkei.
Bund will Kosten tragen
Sollte für die Rückkehrer aus Risikogebieten im Ausland – eventuell ab nächster Woche – Tests verpflichtend eingeführt werden, sollen diese voraussichtlich kostenlos sein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte zuletzt davon gesprochen, dass der Bund die Kosten über höhere Zuschüsse an die Krankenkassen übernehmen würde. Die Betriebskosten werden vermutlich weiter an Stadt und Landkreis hängen bleiben.
Aktuell laufen die Gespräche zwischen allen Beteiligten, von wann bis wann an welchen Tagen das Testcenter in Neustadt wieder geöffnet sein wird. Geregelt Zu regeln ist auch noch, wie die Anmeldung zum Test läuft, ob also weiterhin die Reiserückkehrer den Kontakt zum Gesundheitsamt suchen sollen. Laut Landrat Ihlenfeld ist „das Gesundheitsamt personell in der Lage, die Aufgabe zu stemmen“. Zudem würden Ehrenamtliche aus dem Ärztebereich voraussichtlich wieder mithelfen. Im Einsatz seien auch all jene, die für die Nachverfolgung von Fällen zuständig seien. „Und der Medizinische Dienst der Krankenkassen ist mit zwei Ärzten im Boot“, so Ihlenfeld.
Neustadter Pflegedienst betroffen
Auch Oberbürgermeister Marc Weigel bewertet die Öffnung des Testcenters für Reiserückkehrer aus Risikogebieten als richtiges Vorgehen. In der Stadt war es zuletzt zu sechs neuen Corona-Fällen gekommen. Diese hatten indes nichts mit Reiserückkehrern zu tun. Wie die für das Gesundheitsamt zuständige Pressestelle der Kreisverwaltung Bad Dürkheim auf RHEINPFALZ-Nachfrage informierte, handelte es sich um einen privaten Pflegedienst in Neustadt, einen Familienbetrieb.
In dem Betrieb war demnach ein Mitarbeiter positiv getestet worden. Daraufhin waren allen Personen aus dem familiären und beruflichen Umfeld getestet worden, und es wurden fünf weitere Infektionen ausgemacht. Von den sechs Infizierten hatte laut Kreisverwaltung nur einer Patientenkontakt. Die betroffenen Patienten seien alle getestet worden, das Ergebnis sei jeweils negativ gewesen. Pflegerisch eingesetzt wurden im Nachgang nur jene, die zweimal negativ getestet worden waren. Seither habe es im Zusammenhang mit diesem Fall auch keine neuen Infektionen gegeben.