Neustadt
Neustadter Schule lässt Wetterballon in Stratosphäre steigen (mit Bilderstrecke)
„Ich möchte mich jetzt schon mal entschuldigen, falls ich total euphorisch werde“, beginnt Marco Müller das Gespräch mit der RHEINPFALZ. Noch immer ist der Konrektor der Georg-von-Neumayer Realschule plus begeistert von dem, was er einen Tag zuvor erleben durfte. Zusammen mit seinen Schülern arbeitete er lange auf diesen Tag hin, Mitte der vergangenen Woche war es schließlich so weit: Ein Wetterballon der Schule stieg in die Luft – bis in die Stratosphäre hinauf. Der Aktion vorausgegangen war eine lange Planung. „Im letzten Jahr habe ich mit meiner Gruppe das Ganze geplant, wir haben die Sachen bestellt, haben geguckt, was wir alles brauchen – und haben uns dann entschieden, dass wir den Wetterballon nicht im Winter steigen lassen wollen, sondern im Frühjahr“, sagt Müller. Und das nicht ohne Grund. Mit dem Wetterballon flogen zwei Dashcams, eine nach unten, eine gen Horizont gerichtet. Dabei entstanden spektakuläre Bilder. Aber der Reihe nach.
Genehmigung der Luftfahrtbehörde benötigt
Bevor der Wetterballon starten konnte, musste erst einiges abgeklärt werden. Denn selbst mit einem Flugplanberechner kann bei einem solchen Unterfangen nur ungefähr ermittelt werden, wo der Wetterballon zurück auf der Erde landen wird. Im Vorfeld muss daher beim Landesbetrieb für Mobilität in der Abteilung Luftfahrtbehörde eine Genehmigung eingeholt werden, wie Marco Müller erzählt. Die Krux: Diese Genehmigung wird nur für einen Zeitraum von zwei Wochen ausgestellt. Der Zeitraum für den Start war deshalb recht klein. Zusammen mit seinen Schülern arbeitete er auf den Start hin. In Gruppen arbeiteten die Zehntklässler an verschiedenen Stellen des Projektes: „Eine Gruppe hat sich um die Technik gekümmert und darum, wie die zwei GPS-Sender funktionieren. Andere haben sich um den Aufbau gekümmert, wieder andere haben geguckt, wie die Schnüre verknotet werden müssen“, erzählt der Konrektor. Einige Schüler halfen auch bei den Anträgen und Genehmigungen. „Und dann mussten wir auch noch eine Versicherung abschließen, weil der Ballon in der Stratosphäre platzt und anschließend mit einem Fallschirm mit fünf Metern pro Sekunde herunter kommt.“ Versichert wird der Fall, dass es am Boden zu Schäden kommt. Ausdrücklich bedankte sich Müller auch beim Bildungsbüro der Stadt Neustadt. Denn ohne deren finanzielle Unterstützung, sagt er, wäre das Projekt nicht stemmbar gewesen. Nicht nur der Wetterballon musste gekauft und Helium organisiert werden. Auch die Versicherung kostete viel Geld, doch Müller ist sich sicher: „Es ist eine Investition, die sich gelohnt hat“.
Die Jagd nach der Sonde endet in Hessen
Unmittelbar nach dem Start fuhr er in Begleitung von vier Schülern mit dem Auto in Richtung Hessen. Genauer in die Nähe von Frankfurt, wo der Fallschirm inklusive Sonde landen sollte. Die Schüler hatten sowohl die Karte, als auch den GPS-getrackten Wetterballon per App im Blick, Müller fuhr das Fahrzeug. „Das war für uns wirklich ein richtiges Abenteuer und wurde zu einer echten Expedition“, erzählt der Konrektor. „Georg von Neumayer wäre stolz auf uns gewesen, da bin ich mir sicher“, sagt Marco Müller. Zum sich bald jährenden 200. Geburtstag des Namensgebers der Schule „etwas Cooles“ zu machen, sei auch ein Stück weit die Initialzündung für das Projekt gewesen.
Nicht alles bei der Aktion lief wie geplant. Da der Wetterballon in der Stratosphäre nicht vollständig platzte, entwich das Helium nur durch einen kleinen Riss. In der Folge kam die Sonde deutlich langsamer als geplant zur Erde zurück. Auch der prognostizierte Landeort stimmte nicht mehr ganz. Aber auch das gehöre zur Wissenschaft dazu, weiß Müller. Die Gruppe hatte Glück und konnte den Fallschirm am Abend trotzdem finden. „Als wir auf der Lichtung die Sonde geöffnet und auf der Dashcam die ersten Bilder angeschaut haben, war das für uns alle ein absolutes Highlight“, erzählt Müller von dem Moment, der ihm und seinen Schülern noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Auf der Kamera zu sehen waren atemberaubenden Bilder der Erde. Der Wetterballon hatte es auf bis zu 32 Kilometer in die Luft geschafft, und die Dashcam machte dabei Bilder aus verschiedenen Höhen. „Ich habe die Daten mittlerweile ausgelesen. Der Wetterballon war einmal über 100 Kilometer pro Stunde schnell“, sagt Müller. Weitere Erkenntnisse: Der Wetterballon war teilweise Temperaturen von bis zu minus 45,8 Grad ausgesetzt, ehe er zur Erde zurückkehrte. Für den Schulunterricht erhofft sich Müller einen praktischen Nutzen aus der Aktion. Insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern könne sich an das Erlebte erinnert und in der Praxis angewendet werden. „Das ist viel spannender, als wenn man nur ein Buch aufschlägt“, fügt er schmunzelnd hinzu.