Neustadt
Neustadt plant Gelände für Glamping
Auf welchem Gelände soll der Campingplatz entstehen?
Es geht um die ehemalige Deponie Maifischgraben, die Fläche des ehemaligen Abfallwirtschaftszentrums in der Branchweilerhofstraße nördlich des Deponieberges. Sie ist als Deponie mit dem niedrigsten Belastungsgrad eingestuft, erklärt die städtische Baudirektorin Martina Annawald. Das erleichtere die Nachnutzung, auch weil es „keine schützenswerten Strukturen“ gebe. Zwar lebten dort Eidechsen und in Randbereichen Vögel, damit könne man aber umgehen. Das Areal wird Teil der Landesgartenschau 2027 sein. Es besteht aus drei Ebenen. Vom westlichen, höchsten Teil aus hat man einen schönen Blick auf den Haardtrand.
Was soll dort entstehen?
Der Stadt schwebt vor, dass aus dem Areal ein naturnaher Platz für Camping und Glamping wird. Glamping ist ein Kofferwort für glamourous camping und beschreibt eine komfortable Art des Camping, etwa in Chalets. Urlauber sollen aber auch Möglichkeiten bekommen, das eigene Zelt aufzubauen oder ihr Wohnmobil abzustellen. „Was wir nicht wollen, sind Dauercamper“, sagt Baudezernent Bernhard Adams. Die konkrete Ausgestaltung liege bei einem möglichen Betreiber.
Gibt es eine Nachfrage für ein solches Angebot?
Adams sieht darin auf jeden Fall eine Marktlücke, weil es ein solches touristisches Angebot in der Region nicht gibt. Das Glamping sei im Trend, dieser Markt wachse nach Einschätzung der Tourist, Kongreß und Saalbau (TKS) GmbH weiterhin, betont Adams, was der neben ihm sitzende TKS-Geschäftsführer Martin Franck mit heftigem Nicken bestätigt. Der Entscheidung der Stadt ist zudem eine Machbarkeitsstudie vorausgegangen, die positiv ausgefallen ist.
Was steht in der Machbarkeitsstudie?
Erstellt wurde die Studie von Huttopia, einem französischen Anbieter von naturnahen Campingplätzen. Geplant wurde darin mit 83 Campingzeltplätzen, 58 Wohnmobilstellplätzen sowie 92 Chalets und Mietzelten. Als Betriebszeit wurde April bis Oktober vorausgesetzt. Bei einer Auslastung von 60 Prozent der Plätze und einer Belegung von durchschnittlich drei Personen pro Platz und Unterkunft wären das rund 75.000 zusätzliche Übernachtungen in Neustadt. Aktuell liegt die Stadt laut TKS-Geschäftsführer Franck bei etwa 250.000. Adams weist auf die gewaltige Wertschöpfung hin, die damit verbunden wäre, wenn die zusätzlichen Urlauber Handel und Gastronomie in Neustadt nutzen.
Was bedeuten die Pläne für die Landesgartenschau?
Die Landesgartenschau-Gesellschaft wird bei der Gestaltung des Geländes schon die geplante Nachnutzung im Blick haben, sagt LGS-Geschäftsführerin Anne Pieper. Das ergänze sich gut. Die LGS schafft praktisch eine „grüne Kulisse“ für das künftige naturnahe Urlaubserlebnis. Möglicherweise könnte auch die geplante Panoramabar auf dem Deponieberg dauerhaft betrieben werden. Derzeit ist dort nur im Gartenschaujahr Gastronomie vorgesehen. Darüber hinaus rentiere es sich nicht, hieß es bisher. In Kombination mit einem Campingplatz könnte das aber anders aussehen, sagt Pieper.
Wie sieht der Zeitplan aus?
Von April bis Oktober 2027 ist das fragliche Gelände Teil der Landesgartenschau. Nach deren Ende wird dort so manches zurückgebaut werden. Aber 2028 könnte ein möglicher Investor mit dem Bau des Campingplatzes beginnen, 2029 könnten die ersten Urlauber übernachten. „Das wäre der Idealfall“, sagt Bürgermeister Stefan Ulrich. Man wolle jedenfalls eine möglichst nahtlose Nachnutzung. Die Stadt will dafür recht bald in die Akquise gehen, also mögliche Betreiber suchen. Denn auch wenn Huttopia die Machbarkeitsstudie erstellt hat, heißt das nicht, dass die Franzosen in Neustadt aktiv werden wollen. Bisher hat das Unternehmen keinen Standort in Deutschland.
Zunächst muss die Stadt die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen. So wird der Stadtrat am Dienstag über die Erweiterung des Bebauungsplans entscheiden. Der Bauausschuss empfahl am Donnerstagabend die Zustimmung.
