Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Wetterstation auf der Kalmit: Wie Weinbau und Forschung davon profitieren

Die Wetterstation auf der Kalmit ist Teil des offiziellen Netzes der Agrarmeteorologie Rheinland-Pfalz.
Die Wetterstation auf der Kalmit ist Teil des offiziellen Netzes der Agrarmeteorologie Rheinland-Pfalz.

Auf der Kalmit gibt es eine neue Wetterstation. Daten zur Temperatur, zur Bodenfeuchtigkeit und zum Wind sind nicht zuletzt für die Landwirtschaft von großer Bedeutung.

Nass-kalt und stürmisch ist es an diesem Nachmittag, die Kalmit präsentiert sich nicht gerade von ihrer besten Seite. Und doch hat sich eine größere Gruppe von Menschen auf dem ehemaligen Nato-Gelände neben dem Sandsteinturm auf dem Gipfel versammelt: Das Wetterbüro Klima-Palatina hat zur Einweihung der neuen agrarmeteorologischen Klimastation eingeladen. Geschäftsführer Christian Müller nimmt das schlechte Wetter mit Humor: „Im Vergleich zum Februar 1929 ist es ziemlich warm heute. Wir haben aktuell sieben Grad, damals waren es minus 25“, erzählt er lachend.

Ein Minus-Rekord in den meteorologischen Daten der Kalmit. Dass Müller das so genau weiß, liegt daran, dass auf der Kalmit bereits von 1929 bis 1945 agrarmeteorologische Messungen stattfanden. Nach einer längeren Pause knüpfte Müller 1997 an diese Tradition an. Seit diesem Zeitpunkt sind die Daten dokumentiert. Allerdings musste Müller sie ablesen und händisch dokumentieren. Diese Zeiten sind nun vorbei. Auf der Kalmit gibt es jetzt eine Wetterstation, die die Daten automatisiert stündlich misst, digital verarbeitet und in Echtzeit zur Verfügung stellt. Die Kalmit ist mit dieser Anlage Teil des offiziellen Netzwerks der Agrarmeteorologie Rheinland-Pfalz geworden und innerhalb dieses Netzwerks einer der höchsten Standorte. Das Wetterbüro Klima-Palatina hat bei der Errichtung mit dem Dienstleistungszentrum Rheinpfalz kooperiert, die Finanzierung aber selbst übernommen.

Mit Herzblut und Leidenschaft

Für sein unermüdliches Engagement in Sachen Kalmit und Klimabeobachtung bekommt Müller an diesem Tag viel Lob. Er betreibe die Wetterstation mit Herzblut und großer Leidenschaft, sagt beispielsweise Markus Sell (SPD), Ortsbürgermeister der Gemeinde Maikammer. Auch Andy Becht (FDP), Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, zeigt sich beeindruckt von Müllers Einsatz und hebt hervor, wie wichtig in einer immer komplexeren Welt die Bereitstellung von Daten ist.

In der Tat ist die agrarmeteorologische Wetterstation ein Puzzle-Teil in einem größeren Projekt. Müller will die Kalmit als Forschungs- und Lernort in Sachen Klimatologie, Ökologie und Nachhaltigkeit etablieren. Auf dem früheren Nato-Gelände, das seit 35 Jahren brach liegt, soll ein Klima-Garten entstehen, der als eine Art Outdoor-Labor für Waldökologie, Weinbau sowie Gemüse- und Obstanbau fungieren soll. Die Ortsgemeinde als Eigentümerin des Geländes hat bereits grünes Licht gegeben.

Weinberg mit 40 Rebstöcken

Auch die Erforschung der Klima-Auswirkungen auf landwirtschaftliche Prozesse hat auf der Kalmit Tradition. Schon in der Zeit der ersten Klima-Aufzeichnungen hat es auf dem Berg einen Versuchsgarten gegeben, in dem Obst, Rosen, Kräuter und Weinreben angepflanzt wurden. In Abstimmung mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Mußbach wurde nun vor zwei Jahren ein Weinberg mit insgesamt 40 Rebstöcken angelegt. Gepflegt wird er von dem Maikammerer Winzer Erich Stachel, der vor allem auf „Piwis“ setzt, vereinzelt aber auch Riesling gepflanzt hat. „Um zu sehen, ob er sich zwischen den Piwis als resistent gegen Krankheiten erweist“, erklärt Stachel bei der Einweihung der Wetterstation. Geklappt hat das zwar nicht, von Interesse für die Önologen ist es dennoch, wie Dominik Durner vom Institut für Weinbau und Önologie am DLR deutlich macht. Der Experte für Lebensmitteltechnologie und Önologie hat mit seinen Studenten die wissenschaftliche Betreuung des Weinberg-Experiments übernommen.

Dass die Kalmit mit ihrer exponierten Lage nicht nur für die Önologie, sondern auch für andere Fachrichtung eine besondere Rolle spielen kann, macht Hermann Jungkunst vom Institut für Umweltwissenschaft an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) deutlich. „Das Tolle hier ist, dass der Berggipfel sich als Referenzstandort eignet“, sagte er. Also zum Abgleichen von Daten, die an anderer Stelle gemessen werden. Das können beispielsweise Pestizid-Werte sein, verdeutlicht Jungkunst. Vergleiche man Werte, die auf der Kalmit gemessen werden mit solchen von der Rheinebene, so könne man zeigen, wie stark Letztere auf lokale Einträge zurückzuführen seien.

Doch das ist derzeit noch Zukunftsmusik. Zunächst einmal muss jetzt der Klima-Garten angelegt werden. Dazu solle im Frühjahr ein wissenschaftliches Konsortium ins Leben gerufen werden, das erörtere, wie das ehemalige Nato-Gelände im Hinblick auf die Forschung verschiedener Fachrichtungen gestaltet werden soll, kündigt Müller an.

Gebäude werden abgerissen

Hannes Kopf, Leiter der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, stellte fest, dass auf der Fläche bisher keine problematischen Hinterlassenschaften aus der Zeit des Kalten Krieges gefunden worden seien. Bis Anfang der 1990er Jahre gab es auf der Kalmit einen sogenannten Fernmelde- und Horchposten, der beispielsweise Funksprüche abhören sollte. Außerdem waren in den Gebäuden Soldaten untergebracht.

Diese sollen jetzt abgerissen und ein Großteil der asphaltierten Fläche entsiegelt werden, erklärt Müller. „Das Gelände soll nach und nach aus seinem Dornröschenschlaf erweckt werden.“ Bis zum Jahr 2029 soll alles fertig sein, denn dann steht ein großes Jubiläum an: Der 100. Jahrestag des Aussichtsturms, der 1928/29 errichtet und im Mai 1929 eingeweiht wurde. Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach (CDU) zeigte sich überzeugt, dass das Projekt die Verbandsgemeinde um eine große Attraktion reicher machen wird.

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