Neustadt
Neue Spritpreis-Regel: So ist die Stimmung bei Pfälzer Autofahrern
Nein, es war kein Aprilscherz der Bundesregierung. Seit dem 1. April dürfen Tankstellen in Deutschland nur noch einmal am Tag die Spritpreise erhöhen, jeweils um 12 Uhr. Ein Ziel der Bundesregierung war es, die Preisgestaltung so transparenter zu machen und häufige Preissprünge zu vermeiden. Wie sieht das erste Zwischenfazit der Autofahrer in Neustadt zu dieser Neuerung nach einer Woche aus?
Wolfgang Baumann aus Nürnberg steht an einer Tankstelle in Neustadt. Er tankt sein Auto und putzt anschließend noch schnell die verdreckte Scheibe. Der Preis für Diesel steht zu diesem Zeitpunkt bei 2,44 Euro, der für Benzin bei 2,25 Euro. Die Maßnahmen der Bundesregierung seien für Baumann „absolut wirkungslos“, wie er sagt. Der Franke macht seinem Ärger Luft: „Ich bin sauer auf die Politik. Auch als die Preise noch niedriger waren, war absehbar, in welche Richtung es geht.“ Schon damals hätte die Bundesregierung seiner Meinung nach handeln müssen, bevor die Lage sich verschlimmerte. Aber getan habe sich nichts. Baumann erwarte von den Politikern mehr Rücksichtnahme auf die Wähler – und Maßnahmen, die auch tatsächlich Wirkung zeigen.
Lage bleibt angespannt
Eine Zapfsäule weiter steht Ulrike Schmietenknop aus Neustadt und betankt ihren Smart. „Ich fahre nicht viel Auto, deshalb habe ich heute auch nur für 22 Euro getankt“. Auch Schmietenknop hält nicht viel von den Neuerungen: „Was soll das bringen?“, fragt sie. Mit ihrem Smart reiche der Sprit vollgetankt zwar für einen ganzen Monat, „aber für viele andere sind die Preise wirklich ein Problem.“ Sie selbst habe einen kurzen Arbeitsweg, sei früher aber auch rund 25 Kilometer einfache Strecke zur Arbeit gefahren. Das müsse man sich bei den derzeitigen Spritpreisen mittlerweile aber genau überlegen. Die Lage ist für sie vor allem deshalb dramatisch, weil „viele Menschen es im Geldbeutel merken“. Sie ärgert sich, dass die Bundesregierung eigentlich „wirklich mal hätte punkten können“. Einmal um 12 Uhr die Preise zu erhöhen, sei hingegen aber das wohl schlechteste, das man hätte tun können. Ihr Vorschlag, um die Autofahrer zu entlasten, lautet daher: „Vielleicht sollte man einfach mal die Steuern heruntersetzen.“
Bedri Gashi aus Neustadt steht ebenfalls an der Zapfsäule und betankt sein Auto. Für ihn gestaltet sich die Situation momentan deutlich entspannter, als für andere Menschen. „Um ehrlich zu sein bekomme ich gar nicht viel von den teureren Preisen mit“, berichtet er. Gashi fährt nur sehr selten Auto. „Ich wohne hier in der Stadtmitte und habe nur einen sehr kurzen Arbeitsweg, deshalb wirkt sich das ganze gar nicht auf mich aus.“
Tanken kurz vor 12 Uhr am günstigsten?
Viele Autofahrer stellen sich bei den derzeitigen Preisen mehr denn je die Frage, wann und wo sie günstig tanken können. Nur, weil um 12 Uhr die Preise einmalig erhöht werden dürfen, heißt das allerdings nicht zwingend, dass der Preis danach nicht mehr günstiger werden kann. Denn Preissenkungen sind weiterhin jederzeit möglich. Trotzdem spüren die Tankstellen, dass viele Kunden vermehrt vor der Preiserhöhung um 12 Uhr tanken, um den wenig später erhöhten Preisen aus dem Weg zu gehen, wie eine Mitarbeiterin der Neustadter Tankstelle bestätigt. „Vor allem nach Ostern war es so, dass viele Kunden noch vor 12 Uhr da waren, um die Preise vor der Erhöhung mitzunehmen.“ Was zahlen dann aber eigentlich die Kunden, die noch warten, während sich der Preis ändert? „Bindend ist, was in diesem Moment an der Zapfsäule steht“, klärt die Mitarbeiterin auf.
Waffenruhe im Iran macht sich kaum bemerkbar
Dass Benzin und Diesel zu einem teuren Gut geworden sind, ist vor allem seit dem Beginn des Iran-Kriegs so. Ob und wie sich die Waffenruhe, die seit zwei Tagen gilt, auf die Preise an deutschen Tankstellen auswirken wird, ist laut vielen Experten noch unklar. Eine schnelle Entwarnung an der Tankstelle erwartet die Bundesregierung nicht. Am Mittwoch war davon auch in Neustadt noch nichts zu spüren. Die Preise für den Sprit bewegten sich auf dem Niveau des Vortages. Am Donnerstag sanken die Preise an manchen Tankstellen zumindest minimal. Einige Menschen scheinen deshalb zu drastischeren Mitteln zu greifen. Die Polizei schreibt, dass es in jüngster Vergangenheit im Dienstgebiet der Polizeiinspektion Neustadt zu gleich mehreren Diebstählen von Diesel-Kraftstoff gekommen sei. Vornehmlich würden LKW angegangen, die abgelegen oder auf schlecht einsehbaren Grundstücken abgestellt seien.